"Singapore Flyer": Gutes Rad ist teuer

Filet Mignon und Champagner im Riesenrad: Der "Singapore Flyer" bietet für betuchte Gäste luxuriöse Arrangements an. Doch auch Normal-Urlauber kommen auf ihre Kosten - und Formel-1-Star Sebastian Vettel.

Singapur: Rundumblick im Riesenrad Fotos
TMN

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Singapur - Der Himmel ist wolkenlos, die Sicht gut: Einige indonesische Inseln sind tadellos zu erkennen, auch der Südzipfel des Festlandes, der zu Malaysia gehört. Die Wolkenkratzer Singapurs scheinen zum Greifen nahe. Die gläsernen, klimatisierten Kabinen des Riesenrads "Singapore Flyer" haben ihren höchsten Punkt erreicht: 165 Meter über dem Boden.

Das entspricht etwa der 42. Etage in einem der benachbarten Hochhäuser. Mancher Bewohner kann von oben sogar nach unten winken - den Fahrgästen in der höchsten Kabine. Die Wohntürme im nahen Hotelkomplex Marina Bay Sands haben 55 Stockwerke. Dessen Dachterrasse mit Palmen und Riesenpool liegt gut 190 Meter hoch.

Arif Wong ist begeistert. Der Singapurer steht mit seinem Sohn an einer Kabinenglasfront im höchsten Riesenrad der Welt. Erst zeigt er auf die Hoteltürme, dann unten auf Hafen, Indischen Ozean, Luxusyachten, Containerschiffe und Segelboote, Highway und Formel-1-Strecke.

"Da hat im letzten Jahr 'Vettel from Germany' gewonnen", sagt der Vater nun an einen Touristen aus Stuttgart gewandt. Um über der Piste in luftiger Höhe eine sanfte "Flyer"-Runde zu drehen, brauchte Formel-1-Raser Sebastian Vettel wie jeder andere Fahrgast 37 Minuten.

Ein Deutscher baute das Riesenrad

Den Gourmets reichen 37 Minuten natürlich nicht. Wer Butler-Service, Champagner, Zackenbarsch und Filet Mignon in Ruhe genießen will, dreht zwei oder drei Runden. Manches Unternehmen mietet eine ganze Gondel für 2000 bis 4000 Euro. Besonders während des Formel-1-Rennens sind die Preise gepfeffert.

Vor allem für Fahrten in der Nacht, wenn die Umgebung im Lichterglanz erstrahlt, und am Wochenende sollten Karten vorab im Internet bestellt werden. An der Tageskasse kostet ein normales Ticket umgerechnet 23 Euro, im Internet gibt es oft günstigere Preise.

Zum "Singapore Flyer" direkt am Wasser gehört auch ein dreistöckiger Konsumpalast mit Geschäften und Restaurants. Ein tropischer Regenwald mit Wasserfällen steht im Atrium der Anlage. Der deutsche Riesenrad-Experte Florian Bollen baute den "Flyer", der 2008 in Betrieb ging.

Feuer führte zu Zwangsstopp

28 Passagiere passen in jede der 16 Tonnen schweren Kapseln. Der Ein- und Ausstieg erfolgt, während sich das Rad langsam weiterdreht. In seiner Geschichte stand das Riesenrad bislang zweimal unfreiwillig still: einmal wegen eines Kurzschlusses, ein anderes Mal wegen eines Feuers im Betriebsraum.

Singapur hat viele Highlights: die Marina Bay mit Riesenrad, die Shopping-Meile Orchard Road, den Botanischen Garten, Sentosa Island, China Town, Little India, Museen und Tempel sowie die Nachtsafari im Zoo. Doch das Riesenrad sorgt wohl für die meisten Schlagzeilen, auch dank internationaler Rekordjagd.

Es ist einfach, auf Pressekonferenzen in Berlin, Peking, Las Vegas, New York, Moskau oder Dubai größere, bis zu 208 Meter hohe Riesenräder anzukündigen. Schwierig ist es, das zu realisieren. Wegen Pleiten, Pech, Pannen und Verzögerungen der Konkurrenz hält der "Singapore Flyer" immer noch den Weltrekord.

Bernd Kubisch/dpa/sto

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