Capoeira, Samba, Drachenfliegen Sportlich, Rio

Surfen, Tanzen, Drachenfliegen, im Kajak am Strand entlang - welche Stadt bietet aktiven Urlaubern eine so traumhafte Kulisse wie Rio? Genauso schön: das Essen danach.

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Von Peter Neitzsch


Getanzte Kampfkunst Capoeira

Im Judo, Ringen und Taekwondo treten die Athleten bei den Olympischen Spielen an. Die einzige Kampfsportart der Neuen Welt ist dort nicht zu sehen: das brasilianische Capoeira. Afrikanischstämmige Sklaven erfanden diese Kampfkunst und tarnten sie als Tanz, um das Verbot durch die weißen Großgrundbesitzer zu umgehen. Heute gibt es überall im Land Capoeira-Schulen, die gegen einen kleinen Obolus zum Mitmachen einladen. Mitbringen müssen Sie nichts als bequeme Kleidung, hilfreich sind auch ein paar Brocken Portugiesisch.

Ort: Angola N'Golo, Santa Teresa
Zeit: Montag und Mittwoch, 19 bis 22 Uhr, Samstag, 10 bis 13 Uhr

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Seekajaktour für Freizeitsportler

In Rios Guanabara-Bucht finden die olympischen Segelwettbewerbe statt. Doch bei einer Tour mit dem Seekajak können Sie die Küstenlinie auch als Freizeitsportler erkunden. Die Einweisung in Paddel und Boote erfolgt noch auf dem Trockenen, dann geht es den Strand hinunter und die Kajaks werden in die Wellen geschoben. Von Urca aus paddeln Sie abhängig vom Wetter quer über die Bucht nach Cotunduba. Die unbewohnte Insel steht unter Naturschutz und ist der perfekte Ort für einen Imbiss vor dem Rückweg. Achtung: Sonnenschutz ist bei einer Seekajaktour unerlässlich - und Muskelkater garantiert.

Ort: Praia da Urca; Touranbieter: Rio Adventures
Zeit: Täglich um 10 Uhr, während der Olympischen Spiele bereits um 8 Uhr

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Ballkünstler am Strand Seit 1996 ist Beachvolleyball eine olympische Disziplin. Doch für die Brasilianer ist der Sport vor allem Lebensart. Um die Ballkünstler zu bewundern, müssen Sie daher nicht ins Stadion, sondern dorthin, wo die Shows rund um die Uhr laufen: an den Strand. Noch besser: Werfen Sie sich gleich selbst in den Sand. Mitmachen ist meist unkompliziert, und fragen hat noch nie etwas gekostet. Die Könner an Rios Stränden spielen die regionale Variante, den Futevôlei: Der Ball darf dabei nur mit den Füßen berührt werden.

Ort: An den Stränden von Copacabana, Ipanema und Leblon
Zeit: Täglich, wenn das Wetter mitspielt

Peter Neitzsch

Freiklettern am Zuckerhut

Rio liegt zwar nicht in den Bergen, doch die charakteristischen runden Granitfelsen machen die Stadt dennoch zum Kletter-Mekka Brasiliens. Wenn Sie mit Gurt, Seil und Karabiner vertraut sind, haben Sie die Qual der Wahl: Rund 350 registrierte Aufstiege stehen Ihnen in maximal 40 Fahrtminuten vom Zentrum zur Verfügung. Allein auf den glockenförmigen Zuckerhut führen über 50 Touren. Lassen Sie also die Touristenmassen hinter sich, und bezwingen Sie das Wahrzeichen der Stadt an der Felswand. Sonnenuntergang und Abfahrt mit der Seilbahn haben Sie sich dann verdient!

Ort: Pão de Açúcar, Urca: Touranbieter: Climb in Rio
Zeit: Touren sind täglich nach Anmeldung und Wetterlage möglich.

Peter Neitzsch

Wellenreiten in der Atlantikbrandung

Beinahe 7500 Kilometer Anlauf hat der Atlantik, um sich an Brasiliens Küste zu brechen. Wen wundert es da, dass Wellenreiten zu einem brasilianischen Nationalsport wurde? Auch in Rio gibt es hervorragende Surfspots. Der beste in der Stadt, die Praia do Arpoador, liegt am Felsvorsprung zwischen Copacabana und Ipanema. Etliche Surfschulen unterrichten Anfänger in der Kunst, auf den Wellen zu reiten - und verleihen die dazu nötigen Boards. Für Surfer lohnt auch ein Tagesausflug zum südlich von Rio gelegenen Strand Prainha, der tolle Wellen bietet. Shuttlebusse sind auf die Mitnahme von Surfbrettern spezialisiert.

Ort: Prainha Recreio: Shuttlebus: Surfbus ; Kurse: Surf N Stay
Zeit: Die besten Wellen bietet der brasilianische Winter von Juni bis August.

imago/ Xinhua

Wandern im Tijuca-Regenwald

Genug von der Stadt? Kein Problem: In die Natur haben Sie es nicht weit. Mitten in Rio liegt ein Stück des atlantischen Regenwalds, der sich einst über die gesamte Südküste Brasiliens erstreckte. Mit rund 32 Quadratkilometern umfasst der Nationalpark Tijuca das größte innerstädtische Regenwaldgebiet der Welt. Hier ist die Luft kühl und feucht, Lärm und Hektik der Metropole scheinen Welten entfernt. Vom Wasserfall am Eingang des Parks führt Sie ein Wanderweg bis in 1021 Meter Höhe zum Gipfel des Pico da Tijuca. Der großartige Ausblick auf die Bucht belohnt Sie für den Aufstieg.

Ort: Tijuca-Nationalpark, Eingang Alto da Boa Vista
Zeit: Der Nationalpark ist täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

Peter Neitzsch

Drachenflug über Küstenpanorama

Das Panorama eines Drachenflugs in Rio ist wohl unvergleichlich: Über den atlantischen Regenwald gleiten Sie hinaus aufs offene Meer, kreisen über der Stadt und landen direkt am Strand - und das alles in nur 20 Minuten. Los gehts von dem 510 Meter hohen Felsen Pedra Bonita, der Transport von dorthin ist im Preis von rund 90 Euro inbegriffen. Die Veranstalter, die "hang gliding" anbieten, arbeiten alle mit erfahrenen Piloten, die teilweise mehrere Tausend Sprünge absolviert haben. Übung brauchen Sie für einen Tandemflug keine. Alles, was Sie mitbringen müssen, ist ein wenig Geduld, bis die Wetterbedingungen stimmen.

Ort: Praia do Pepino, São Conrado; Veranstalter: Deltaflight
Zeit: Immer vormittags, wenn das Wetter mitspielt. Keine Flüge bei Regen oder Nebel

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Magentraining in einer Churrascaria

Eine sportliche Herausforderung der etwas anderen Art ist der Besuch einer Churrascaria. Die Grillrestaurants servieren Fleisch in rauen Mengen und sind definitiv keine Adresse für Vegetarier. Am besten Sie bestellen eine Picanha, so nennt sich der gegrillte Tafelspitz vom Rind - ein echtes Highlight der brasilianischen Küche. Wenn in der Kellner in der Garota da Urca die Picanha serviert, ist das Fleisch außen knusprig und innen blutig. Die einzelnen Scheiben können Sie auf dem heißen Stein selbst zur gewünschten Konsistenz fertigbraten.

Ort: Restaurant Garota da Urca, Av. João Luís Alves 56, Urca
Zeit: Täglich geöffnet von 12 bis 2 Uhr

Sambaschule Mangueira (3)

Besuch einer Sambaschule

Wenn Sie glauben, beim Besuch einer Sambaschule könnten Sie einfach nur zusehen, liegen Sie falsch. Auch Tanzschritte bringt Ihnen hier niemand bei. Wenn eine Sambaschule zur Probe lädt, spielt die Kapelle die Hits der Saison, und alle singen und tanzen mit - bis die Lieder sitzen oder die Beine müde und die Tänzer durstig sind. Außerhalb der fünften Jahreszeit ist das die beste Möglichkeit, den Samba des Karnevals zu erleben. Ab September trainieren die Schulen so für den Höhepunkt der Saison, den Umzug durch das Sambódromo. Jeder ist eingeladen: Also schwingen Sie das Tanzbein.

Ort: Sambaschule Mangueira in dem gleichnamigen Viertel
Zeit: Jeden Samstag um 22 Uhr von September bis Februar.

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Tanzen auf der Feira Nordestina

Sie kennen Samba, Bossa Nova und den brasilianischen Funk bereits? Gut, aber haben Sie schon mal zu Gaucho-Musik getanzt? Auf der Feira Nordestina ist das möglich, der überdachte Markt widmet sich auf 32.000 Quadratmetern ganz den Produkten und der Kultur der Menschen aus dem Nordosten, den Nordestinos. Am Wochenende verwandeln sich die zahlreichen Restaurants und Bühnen in eine 24-Stunden-Party. Hier sind vor allem Brasilianer anzutreffen - Nordestinos, die im Exil in Rio Sehnsucht nach ihrer Musik haben.

Ort: Feira Nordestina, São Cristóvão
Zeit: Jedes Wochenende durchgehend von Freitag 10 Uhr bis Sonntag 21 Uhr

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
helmut.alt 05.08.2016
1. Schönste Stadt der Welt
Für mich ist Rio die schönste Stadt der Welt: die geographische Lage zwischen Meeresstrand und Bergen, das herrliche Klima, die unkomplizierten und gut aussehenden Männer und Frauen, das Lebensgefühl, das hervorragende Essen u.v.m. Eine einzigartige Kombination!
aussieman 05.08.2016
2. nicht so schön.....
.... zwischendrin ausgeraubt werden oder plötzlich mitten in eine Schießerei zu geraten.... Rio ist für mich eine für Urlauber der gefährlichsten Städte der Welt. Schönen Urlaub!
smoothy 05.08.2016
3. Fahrlässiger Artikel
Rio ist wohl tatsächlich die schönste Stadt der Welt, doch war der Autor wohl noch nie dort. Die Stadt ist extrem gefährlich. Hab dort gerade erst wieder einige Monate verbracht. Der Tijuca Park ist selbst mit Guide noch gefährlich, ohne ist komplett davon abzuraten. Handys sollte man auf der Straße nicht zeigen und seine Umgebung gut im Blick behalten. Kein Schmuck, keine Kreditkarten, keine Markenklamotten gehören ja sowieso schon zum Standard. Der Drachenflug kostet inzwischen übrigens 625 Reais, also um die 150€.
otap 05.08.2016
4.
Zitat von helmut.altFür mich ist Rio die schönste Stadt der Welt: die geographische Lage zwischen Meeresstrand und Bergen, das herrliche Klima, die unkomplizierten und gut aussehenden Männer und Frauen, das Lebensgefühl, das hervorragende Essen u.v.m. Eine einzigartige Kombination!
Hallo, Rio-Fans Das ist nur eine Seite der Medaille. Der genannte Beitrag ist ein Versuch, auch die andere Seite z. B. mit ergänzenden Fotos zu beleuchten http://www.spiegel.de/einestages/rio-in-den-achtzigern-urlaub-im-freiluftgefaengnis-a-949867.html
unglaeubig 05.08.2016
5. Schöne Stadt aber...
...neben den in den ersten Kommentaren genannten Kriminalitätsrisiken (hatte selber schon ein Messer am Hals ab der Copacabana, da hilft es übrigens auch nichts, kein Geld dabei zu haben, das verlängert das Prozedere nur, ich hätte mich gerne für 50$ o.ä. aus der Situation 'herausgekauft') verdirbt einem in Rio leider auch das direkte nebeneinander von Luxus pur in Gated Communities und nacktem Elend in Favelas ein wenig den Spaß. Es hat schon was zynisches, für 150€ mit dem Gleittdrachen an Menschen vorbeizufliegen, die im ganzen Jahr nicht so viel Geld sehen... Hinzu kommt, dass die Regierung nicht demokratischer ist als Putin, Trump oder Erdogan (wen wundert es, die letzten Olympischen Spiele waren u.a. in China und Russland, Demokratie-Entwicklungshilfe...) Insgesamt würde ich nach zwei Aufenthalten in Brasilien diplomatisch konstatieren, dass es viele andere bereisenswertere Urlaubsziele gibt...
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