Caffè della Pace in Rom Eine Institution steht vor dem Aus

Hier gingen Filmstars ein und aus, Fellini kam zum Kaffee und der Papst zum Frühstück. Doch der Vermieter will den Vertrag für das Caffè della Pace in Roms Altstadt nicht verlängern. Die Besitzer wollen kämpfen - und fanden schon Zehntausende Unterstützer.

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Im Herzen des alten Roms ist das Caffè della Pace eine Institution. Federico Fellini, unsterblicher Regisseur von "La Dolce Vita", trank hier einst seinen Kaffee, und Woody Allen drehte hier 2012 eine Szene seines Films "To Rome With Love". Auch Al Pacino, Madonna, Sophia Loren und Monica Bellucci kehrten ein, und einmal soll Papst Johannes Paul II. zum Frühstück vorbeigekommen sein. Heute ist das zwei Ecken von der berühmten Piazza Navona entfernte Café mit seinen Marmortischen, dem Jugendstil- und Barockdekor auch ein Touristenmagnet und fehlt in kaum einem Reiseführer.

Doch dem "Café des Friedens", so die Übersetzung seines Namens, könnte nach 124 Jahren die letzte Stunde schlagen. Am 16. September droht die Zwangsschließung, weil der Vermieter den Mietvertrag nicht verlängert. Dann müsste Wirtin Daniela Serafini Ripanti aus dem baufälligen Palazzo Gambirasi an der Via della Pace ausziehen, rund 20 Beschäftigte verlören ihren Arbeitsplatz. Noch will die resolute 65-Jährige, deren Familie das 1891 eröffnete Café seit 1961 betreibt, nicht aufgeben.

Der Palazzo, in dessen Erdgeschoss das Eck-Café beheimatet ist, gehört dem päpstlichen Institut Santa Maria dell'Anima - Sitz der deutschsprachigen katholischen Pfarrgemeinde in Rom und Anlaufstelle für deutschsprachige Pilger in der Stadt.

Der Mietvertrag des Cafés lief schon im April 2011 aus, Anfang 2014 kam ein gerichtlicher Räumungsbescheid. Solange dieser nicht vollstreckt wird, zahlt Serafini die Miete von gut 7000 Euro im Monat an die "Anima". In einer Petition hat sie 50.000 Unterschriften für den Erhalt des Cafés gesammelt und an Bürgermeister Ignazio Marino geschickt - ohne Antwort, wie sie sagt.

Gegenseitige Vorwürfe

Zwischen Mieterin und Vermieter herrscht Funkstille. "Der Rektor spricht nicht mit uns, er hat uns nie empfangen", sagt Serafini. Franz Xaver Brandmayr, Rektor der "Anima", wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen, die Sache sei "längst ausjudiziert". Im vergangenen Jahr hatte er sich in einem Gemeindebrief zum Caffè della Pace geäußert und beklagt, dass "ungeheure Lügen" verbreitet würden. Es werde an einer Lösung gearbeitet, den stark renovierungsbedürftigen Palazzo mit Hilfe von Investoren zu sanieren, schrieb Brandmayr 2014. Er sei keineswegs daran interessiert, das Café verschwinden zu lassen.

Serafini sagt, sie habe sogar angeboten, mehr Miete zu zahlen, auf das Angebot aber nie eine Antwort erhalten. Ein Umzug kommt für sie nicht infrage. "Das Caffè della Pace ist dies hier", sagt sie trotzig. Und es würde auch kein anderer das Traditionshaus weiterbetreiben dürfen, denn Name und Mobiliar gehörten ihr.

Eine Urkunde an der Wand weist das Caffè della Pace als "Historisches Lokal Italiens" aus. Mit seiner Holzdecke, der Säule in der Raummitte und dem alten Piano unter einem Spiegel an der Wand atmet es den Hauch vergangener Zeiten. Außen ist der Palazzo seit einiger Zeit in ein unansehnliches Baugerüst eingekleidet. Dies und die schlechten Nachrichten hätten den Umsatz sinken lassen, aber der Betrieb rentiere sich nach wie vor, sagt die Wirtin.

Auch zahlreiche italienische Medien beklagten bereits das befürchtete Ende des Cafés. Anders die Journalistin Raffaella Menichini von "La Repubblica": "Ich weiß, ich schwimme da gegen den Strom. Aber dieser Ort ist nicht länger authentisch", schrieb sie. Roms Altstadt sei längst zu touristisch geworden, eine Petition helfe auch nicht, die "Seele der Stadt" zu retten.

Tatsächlich hat sich in dem Viertel rund um das Café in den vergangenen Jahren viel verändert. Alteingesessene Römer sind weggezogen, Handwerksbetriebe und kleine Geschäfte wurden von Souvenirläden und Fastfoodketten verdrängt. "Ich habe so viel Wandel gesehen. Das Café zu schließen wäre, wie die Wurzeln dieses Baumes herauszureißen, der Rom ist", sagt Serafini poetisch. Ob nach Ablauf der von einem römischen Gericht gesetzten Frist am 16. September tatsächlich der Gerichtsvollzieher auftaucht und das Caffè della Pace dicht macht? Signora Serafini wartet einfach ab.

sto/dpa



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