Santiago de Chile: Auferstanden aus Tristesse

Von Daniel Sander

Von der langweiligsten Metropole Südamerikas zur pulsierenden Kulturstadt: Santiago de Chile hat sich seit der Militärdiktatur gemausert - und punktet heute mit Galerien, Festivals und Spitzenköchen. Eine Reise zum neuen Star der Großstädte.

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Wer vor zehn, zwölf Jahren Santiago de Chile besuchte, berichtete oft von einem bestimmten Gefühl: dem Drang, die Stadt so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Schlechte Luft, schlechtes Essen, schlechtgelaunte Menschen, die sich in ihrem Haus verschanzen. Sonst nichts.

Touristen sahen manchmal nur den Flughafen und machten sich auf zu den aufregenderen Orten Chiles, ans Meer, nach Patagonien, in die Anden. Geschäftsreisende blieben im Hotel. Aus den anderen Megacitys Südamerikas, aus Rio, Buenos Aires, Lima, schauten die Menschen mitleidig herüber und fragten sich, wie eine Sechs-Millionen-Stadt bloß so langweilig sein kann.

Wer heute nach Santiago kommt, fragt sich eher, was man als Erstes machen soll. Die chilenische Hauptstadt lebt.

Menschen sitzen im Viertel Bellavista draußen und trinken ihren Kaffee in der Sonne oder ihr Bier im Mondlicht. Junge Pärchen liegen knutschend im Gras des Parque Forestal oder auf den Hängen der Stadthügel Santa Lucía und San Cristóbal und kümmern sich nicht um strenge Blicke älterer Damen. Im Edelviertel Vitacura überbieten sich die Spitzenköche mit spektakulären Kreationen, um die wachsende Feinschmeckergemeinde bei Laune zu halten.

Designhotels tauchen neben den verstaubten Herbergsketten auf. Ein paar verbliebene Kolonialbauten schmiegen sich an Wolkenkratzer. Im Geschäftsviertel setzen die Bauarbeiter die ersten Fenster im Gran Torre Costanera ein, dem bald höchsten Gebäude Lateinamerikas. Und am 2. und 3. April werden Zehntausende Fans im O'Higgins-Park erwartet, wenn das Lollapalooza-Festival zum ersten Mal in seiner 20-jährigen Geschichte die USA verlässt, und Weltstars wie Kanye West, Fatboy Slim, The Killers und Jane's Addiction nach Santiago bringt.

Das alles macht Eindruck. Die "New York Times" setzte die Stadt auf Platz eins ihrer Liste von Orten, die man 2011 besuchen muss. Rio, Buenos Aires, Lima werden langsam ein bisschen neidisch.

"Lust auf Kunst und Kultur"

"Es ist erstaunlich, wie sich Santiago verwandelt hat", sagt Reinhard Maiworm, der seit fünf Jahren mit seiner Frau Judith das örtliche Goethe-Institut leitet, um die Chilenen für deutsche Kultur zu begeistern. "Als wir hier ankamen, gab es kaum so etwas wie eine Freiluftkultur, die wenigsten Cafés stellten mal Tische vor die Tür. Heutzutage sitzen die Menschen massenhaft draußen, das macht einfach gute Laune."

Das Paar wurde nach Stationen in New York und Berlin nach Santiago geschickt, da hat es gedauert, mit der neuen Heimat warm zu werden. "Als wir ankamen, hat unsere Tochter geweint, und ich war nah dran", sagt Judith Maiworm, die im Juli nach Havanna versetzt wird, während ihr Mann nach Mexico City geht. "Heute macht es mich traurig, dass wir Santiago bald verlassen. Die Menschen haben eine Lust auf Kunst und Kultur entwickelt, die man selten sieht."

Diese Lust schlägt sich in der stets zunehmenden Zahl von Galerien und Museen nieder. Neben den Klassikern wie der chilenischen Nationalgalerie Museo de Bellas Artes ziehen auch neue Häuser mit neuen Ideen die Massen an, wie das im Januar 2010 eröffnete Museo de la Memoria, das an die Militärdiktatur unter Augusto Pinochet von 1973 bis 1990 erinnert; oder das private Museo de la Moda, das seit 2007 eine gigantische und weiter anschwellende Kleidersammlung beherbergt, die neben den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss mittlerweile ein unterirdisches, sechsstöckiges Lager füllt.

Museumschef Jorge Yarur, Spross einer bekannten chilenischen Industriellenfamilie, wollte anfangs eigentlich nur den exquisiten Geschmack seiner Mutter würdigen, das sei dann "etwas außer Kontrolle geraten", wie sein engster Mitarbeiter Hernán García sagt. Heute gibt es Seltenheiten aus dem Besitz von Marilyn Monroe, Madonna und Joan Crawford zu bewundern; Gaultier-, Valentino- und Balenciaga-Schöpfungen; Sammlerstücke aus dem 17. Jahrhundert. Und das Ganze in einem hyperedlen, modernistischen Sechziger-Jahre-Bungalow, vor dem der Chef vor kurzem ein paar Autos in den Rasen hat rammen lassen, als Kunstinstallation.

"Santiago ist gerade dabei, seine Identität zu finden"

Doch nirgendwo in Santiago hat die Kunst ein komfortableres Zuhause gefunden als im erst vor sechs Monaten eröffneten Centro Gabriela Mistral (GAM), untergebracht in einem geschichtsträchtigen Bau aus Stahl und Glas, der zwischen 1973 und 1981 Pinochets Militärjunta als Hauptquartier diente und nach einem Feuer 2006 aufwendig neu gestaltet wurde. Eine große audiovisuelle Bibliothek, ein neuer Konzert- und ein neuer Theatersaal, dazu massenhaft Ausstellungsfläche, auf der beispielsweise noch bis Ende April eine hervorragende Koen-Wessing-Schau gezeigt wird, die die Machtergreifung Pinochets und das Ende von Salvador Allende dokumentiert.

"Dass die Stadt gerade so erwacht, hat mit unserer Geschichte zu tun", sagt die Direktorin des Zentrums, Alejandra Wood. "Die Militärdiktatur mit ihren Tausenden Toten und Verschwundenen wurde im Gegensatz zur argentinischen nie wirklich aufgearbeitet, es gab einen Übergang in die Demokratie, keinen harten Schnitt. Viele Künstler, die früher verfolgt worden wären, haben sich erst langsam an die Öffentlichkeit rangetastet, gehen Wagnisse ein. Die Leute gewöhnen sich immer noch daran, wie wichtig Kultur ist, Santiago ist gerade dabei, seine Identität zu finden."

Dazu trägt eine Riege von Kreativen auf allen Feldern bei, wie die Rockband Lucybell, die eine der erfolgreichsten in Chile ist. "Wir sind hier in einem Tal, umzingelt von riesigen Bergen, da fühlt man sich etwas isoliert", sagt Lucybell-Bassist Eduardo Caces. "Ich glaube, heute haben die Künstler hier ein neues Selbstbewusstsein, vielleicht die Einwohner überhaupt. Dass sie sagen: 'Dann machen wir es uns eben besonders schön auf unserer Insel.'"

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1. Schade...
the_flying_horse 14.04.2011
Ein Bericht über Santiago ohne den Plaza del Armas und die Markthalle zu erwähnen... und den Bahnhof, entworfen von Eiffel (der mit dem Turm in Paris...), nur das es keine Eisenbahn gibt... dazu die große Füßgängerzone mit den tausenden Läden in der Innenstadt... dazu in 80km Entfernung das grandiose Valparaiso... Santiago ist auf alle Fälle eine Reise Wert. Schade, das dieser Bericht sich etwas einseitig an einigen wenigen Selbstdarstellern orientiert und weniger an der Stadt selber.
2. Falsches Lob
Wolfgang Jung 14.04.2011
Zitat von the_flying_horseEin Bericht über Santiago ohne den Plaza del Armas und die Markthalle zu erwähnen... und den Bahnhof, entworfen von Eiffel (der mit dem Turm in Paris...), nur das es keine Eisenbahn gibt... dazu die große Füßgängerzone mit den tausenden Läden in der Innenstadt... dazu in 80km Entfernung das grandiose Valparaiso... Santiago ist auf alle Fälle eine Reise Wert. Schade, das dieser Bericht sich etwas einseitig an einigen wenigen Selbstdarstellern orientiert und weniger an der Stadt selber.
So ist es. Zum ersten gibt es diese Entwicklung Santiagos nicht erst seit ein paar Jahren, sondern bereits seit zwanzig, aber das merken die Hype-Reisenden erst ewig danach, während sie noch den Klischees der stagnierenden Metropolen Rio und BA nachhängen, und zum zweiten wird in dem Artikel völlig ignoriert, was das neue Santiago in erster Linie ausmacht: ein Experimentierfanal berauschender moderner Architektur, wie man es nirgendwo in Südamerika vorfindet. Kein Satz und kein Bild dazu, stattdessen nichtssagende und austauschbare Galeriefotos, vermengt mit "ollen Kamellen" wie Weinfelder und Hinweisen auf schon immer existierende Terrassen-Cafés.
3. Werbung
BlogBlab 14.04.2011
Zitat von contactchilejana... Habt ihr Lust bekommen? Lust auf Praktikum in Chile? Urlaub? Dann meldet euch bei uns! -> contactchile.cl
Dass dies eine Werbemitteilung ist, bemerkt man schon von Anfang an. Schön, dass Sie es am Ende auch bestätigen.
4. Tolles Artikel!
Chile.Travel 14.04.2011
Dieses Artikel hat interessante Sachen die man in Santiago im kulturellen Bereich machen kann. Wenn ihr mehr über Santiago wissen möchtet, könnt ihr http://chile.travel/en/where-to-go/santiago-wine-country-a-the-central-valley/santiago.html besuchen. Ihr könnt uns auch in unsere Facebook Page http://www.facebook.com/chiletravelguide nachfolgen oder auch in unseren Twitter @chiletravel. Herzliche Grüsse!
5. Tolles Artikel!
Chile.Travel 14.04.2011
Dieses Artikel hat interessante Sachen die man in Santiago im kulturellen Bereich machen kann. Wenn ihr mehr über Santiago wissen möchtet, könnt ihr http://chile.travel/en/where-to-go/santiago-wine-country-a-the-central-valley/santiago.html besuchen. Ihr könnt uns auch in unsere Facebook Page http://www.facebook.com/chiletravelguide nachfolgen oder auch in unseren Twitter @chiletravel. Herzliche Grüsse!
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  • Donnerstag, 14.04.2011 – 06:33 Uhr
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Heft 4/2011 Ein Heft über das Reisen

Fünf Gründe für Santiago de Chile
Der Fisch
Ob raffiniert im "Casa Mar" und "Puerto Fuy" oder einfach und gut wie auf dem Fischmarkt im Zentrum.
Die Parks
Am schönsten: gemeinsam grillen auf dem Stadtberg San Cristóbal, mit Blick auf die ganze Stadt.
Das Nachtleben
Feiern können die Santiaguinos. Sie tun es im "Atico", im "Túnel" oder im ganzen Bellavista-Viertel.
Die Lage
Zwischen Stränden anderthalb Stunden westlich und Skiparadiesen 25 Kilometer östlich.
Die Weine
Die weißen der "Casas del Bosque", die roten der "Viña Emiliana". Umgekehrt geht auch. Sehr gut sogar.

Fläche: 756.096 km²

Bevölkerung: 17,114 Mio.

Hauptstadt: Santiago de Chile

Staats- und Regierungschef: Sebastián Piñera

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