Second Avenue Line Teuerste U-Bahnlinie der Welt in New York eröffnet

New Yorks U-Bahnnetz ist notorisch überlastet. Nun soll eine neue Strecke die Lage verbessern: Seit dem Wochenende rollen auf der Second Avenue Line Züge - fast ein Jahrhundert nach den ersten Plänen.

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Oberirdisch tut sich ja ständig was in New York. Aber nun hat der Big Apple auch im Untergrund etwas Neues zu bieten: Am Wochenende ging die U-Bahnlinie an der Second Avenue in Manhattan in Betrieb. Die Strecke ist eine Erweiterung der sogenannten Linie Q, die von der Upper East Side nach Coney Island in Brooklyn führt.

"Zurückbleiben, 2016!", twitterte Bürgermeister Bill de Blasio nach einer Partyfahrt im neu eröffneten, ersten Streckenabschnitt in der Silvesternacht zum Sonntag. "2017 ist hier, und mit ihm hat der erste Teil der brandneuen 2nd Ave U-Bahn die Fahrt aufgenommen."

"Es ist schön, es ist sauber, es ist hell, und bisher hat noch niemand Ratten auf den Gleisen gesehen", schwärmte der Arzt Jay Lerman bei der ersten Besichtigung. Ähnlich geht es Hunderten anderen Fahrgästen jeglichen Alters, die sich mit gezückten Smartphones auf die neuen Fahrstühle und Rolltreppen stürzten.

Pläne für die Strecke, die eines Tages vom nördlichen Stadtteil Harlem über den Ostteil Manhattans bis an dessen Südspitze führen soll, gibt es bereits seit 1929. Der damalige Börsencrash, die folgende Weltwirtschaftskrise und schlechte Planung verzögerten den Bau aber. Nach mehreren Grundsteinlegungen und Tunnelausgrabungen in den Siebzigerjahren begannen 2007 schließlich ernsthaft die Bauarbeiten.

16 neue Bahnhöfe

Eröffnet wurden am Sonntag zunächst drei neue Stationen an der Upper East Side, deren Bau gemeinsam mit den Arbeiten im Tunnel 4,4 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 4,2 Milliarden Euro) kostete. Insgesamt sollen 16 neue Bahnhöfe entstehen. Die Ersten haben was von kleinen Museen - die Wände zieren Werke von zeitgenössischen Künstlern wie Sarah Sze und Vik Muniz.

Ein Termin des Baubeginns für den zweiten Streckenabschnitt nach Norden steht wegen mangelnder Finanzierung allerdings noch nicht fest. Bis das Projekt an den Start geht, könnten locker zehn Jahre vergehen, schreibt die "New York Times". Die Kosten könnten sich noch mal auf bis zu sechs Milliarden US-Dollar belaufen.

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New Yorks neue U-Bahnlinie: Milliardenprojekt im Untergrund

Die Stadt hofft, das stark überlastete U-Bahnnetz durch die neue Linie zu entlasten. Unter der Woche wird das Netz jeden Tag durchschnittlich von 5,6 Millionen Menschen genutzt. Die neue Teilstrecke werden geschätzt 200.000 Menschen pro Tag nutzen.

In diesem Ausschnitt der U-Bahn-Karte sehen Sie, wo die neuen Stationen liegen: östlich des Central Parks, auf Höhe der 72., der 86. und der 96. Straße. Es handelt sich um das obere Ende der gelben Q-Line.

Mit Kosten von etwa 2,2 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) pro Kilometer ist die Second Avenue Line dem Nachrichtenportal "Vox.com" zufolge schon jetzt die teuerste U-Bahnlinie der Welt.

Im März 2016 hatte New York mit einem anderen Superlativ für Schlagzeilen gesorgt: Damals wurde im Financial District der wohl teuerste Bahnhof der Welt eröffnet. Die Gesamtkosten für den Bau des "Oculus" beliefen sich laut "Wall Street Journal" auf rund vier Milliarden Dollar (3,69 Milliarden Euro) - damit waren sie fast doppelt so hoch wie ursprünglich geplant. "Das Schöne ist halt schwierig", rechtfertigte sich der spanische Bahnhofsarchitekt Santiago Calatrava.

Dokumentarfilm über Metros

jus/dpa/AFP



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