Freizeitpark-Plan in Russland Shrek vorm Kreml

Der Oger zieht nach Moskau: Ausgerechnet nach US-amerikanischem Vorbild soll in der russischen Hauptstadt ein glitzernder Freizeitpark entstehen - trotz aktueller Beziehungskrise zwischen den Ländern.

DPA

Moskau - Starbucks und McDonald's sind längst da, nun kommen auch Shrek, Zebra Marty und Co. nach Moskau. Ende des Jahres sollen in einem brachliegenden Park am Moskwa-Fluss die Bauarbeiten für eine Art Disneyland in der russischen Hauptstadt beginnen. Auch wenn das russische Verhältnis zu Amerika wegen des Ukraine-Konflikts miserabel ist: Politik ist Politik, und Freizeitspaß ist Freizeitspaß - so scheint das Motto in Moskau.

Die Planungen für eine moderne Freizeitstätte für Familien und Kinder, die nach Fertigstellung Millionen Besucher locken soll, laufen schon seit Jahren. Schließlich sind der Zoo oder auch das sowjetisch geprägte Areal des Allrussischen Ausstellungszentrums längst nicht mehr zeitgemäß. An der Umsetzung des amerikanischen Vergnügungskonzepts sollen nun auch die aktuellen politischen Eiszeiten nichts ändern.

Der Auftrag für den Bau der neuen Märchenwelt samt 3D-Kino, Hotel, einem riesigen Konzertsaal und eigener Metrostation kommt direkt vom Kreml-treuen Bürgermeister Sergej Sobjanin. Nach offiziellen Angaben soll der Park ein Franchise der US-Filmfabrik Dreamworks sein.

Der Vertraute von Präsident Wladimir Putin hat seiner Millionenmetropole eine Generalüberholung verordnet: Fußgängerzonen im Zentrum - bis vor kurzem in Moskau noch so gut wie unbekannt - sollen die Betonwüste auflockern und familienfreundlicher machen. Damit will Sobjanin, so meinen Beobachter, auch die traditionell Putin-kritischen Moskauer als Wähler zurückgewinnen.

Willkommener Ideenimport vom einstigen Klassenfeind

"Zu Gast bei Micky Maus und Shrek - mit der U-Bahn", schreibt die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" über den neuen Disneyland-artigen Park. Das Konkurrenzblatt "Moskowski Komsomolez" jubelt auf der Titelseite: "Wir bauen unseren neuen Park." Auffällig ist: Auch in der schwersten Krise mit den USA seit dem Ende des Kalten Krieges setzt Russland weiterhin auf US-amerikanische Vorbilder.

Schon länger importieren die Russen Ideen aus dem Land des einstigen Klassenfeindes. Ketten wie Starbucks oder McDonald's sind nicht nur in Moskau und St. Petersburg an fast jeder Ecke zu finden, sondern haben längst zahlreiche einheimische Nachahmer gefunden.

Tatsache ist aber auch: Immer wieder kommen Megaprojekte in Russland letztlich doch nicht zustande. Allein für das Gelände des künftigen Parks gab es in den vergangenen zehn Jahren immer wieder verschiedene Pläne - mal sollte einen futuristischer Turm des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster entstehen oder eine Formel-1-Strecke. Auch die Disneyland-Idee ist in Moskau keinesfalls neu, sondern kursiert bereits seit den neunziger Jahren. Nun soll das Märchen endlich wahr werden.

"Wir erwarten etwa vier Millionen Besucher pro Jahr", meint der städtische Chefarchitekt Sergej Kusnezow. Wenn alles glattlaufe, seien die Bauarbeiten in drei Jahren beendet, bei Kosten von rund zehn Milliarden Rubel (gut 200 Millionen Euro). Rote Zahlen fürchten die Macher nicht.

Der besondere Clou: Nicht nur US-Figuren aus "Shrek" und "Madagascar" sollen im Park zu sehen sein. Einen großen Anteil erhalten auch Stars der sowjetischen und russischen Zeichentrickserien. Helden wie Hase und Wolf aus "Nu, pogodi" ("Warte bloß") sollen auch jene Besucher anlocken, die mit den US-Vorbildern nichts anfangen können.

Benedikt von Imhoff/dpa/leh



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
002614 07.04.2014
1. und Berlin ?
Berlin ist so "wohlhabend" und unsexy, daß es das Tempelhofer Feld den Gänseblümchen überlassen kann - oder auf gar keine andere Idee kommt, als gerade dort Wohnungen zu bauen.... - und in Berlin organisiert Herr Ströbele Widerstand, so daß in Kreuzberg eine McDonalds-Filiale lange nicht eröffnen konnte. - Da kann man sich nur wundern.
002614 07.04.2014
2. und Berlin ?
Berlin ist so "wohlhabend" und unsexy, daß es das Tempelhofer Feld den Gänseblümchen überlassen kann - oder auf gar keine andere Idee kommt, als gerade dort Wohnungen zu bauen.... - und in Berlin organisiert Herr Ströbele Widerstand, so daß in Kreuzberg eine McDonalds-Filiale lange nicht eröffnen konnte. - Da kann man sich nur wundern.
spon-facebook-10000066999 08.04.2014
3. Russisch
Schon schlimm, wenn man gar keine Ahnung von Russisch hat und trotzdem Übersetzungen versucht. Nu pagadi heißt auf Deutsch "na warte".
nikopk 08.04.2014
4. Gute Idee
Bringt den Besuchern hoffentlich Freude, den Anwohnern Arbeit/Geld und lockert das Bild Moskaus vielleicht etwas auf. Es freut mich, dass man auch Amerikanische Zeichentrickfiguren verwenden will.
Heinz Elmann 10.04.2014
5. Ich seh das Problem nicht
Die Figuren sind bekannt, die Leute wollen sich amüsieren - der "russischen" Meinung "Politik ist Politik und Freizeitspaß ist Freizeitspaß" kann ich mich anschließen.
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