Singapur Kaugummi nur für registrierte Käufer

Der Stadtstaat Singapur wagt einen weiteren Schritt in die Liberalität und lockert nach zwölf Jahren das restriktive Kaugummi-Verbot: Apotheker dürfen das gefährliche Klebgut nun gegen Angabe von Namen und Passnummer abgeben. Bei Zuwiderhandlung drohen jahrelange Haftstrafen.


Kaugummiverkauf in einer Singapurer Apotheke: Reglementierte Abgabe einer kontrollierten Substanz
AP

Kaugummiverkauf in einer Singapurer Apotheke: Reglementierte Abgabe einer kontrollierten Substanz

Singapur - "Es ist einfacher für 16-Jährige, zu einer Prostituierten zu gehen als ein Kaugummi zu kaufen. Das ist doch lächerlich", empört sich der 22-jährige Student Fayen Wong laut CNN über den neuen Kaugummi-Erlass seiner Heimatstadt. Singapur hat nach zwölf Jahren strikten Kaugummi-Verbots den Verkauf wieder zugelassen, allerdings darf es als so genannte kontrollierte Substanz nur in Apotheken und nur an registrierte Käufer abgegeben werden. Im Gegensatz dazu ist Prostitution in dem asiatischen Stadtstaat legal, eine Registrierung ist nicht notwendig.

Apotheker, die bei der Abgabe von Kaugummi leichtfertig auf die Angabe von Namen und Passnummer des Käufers verzichten, müssen mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren und einer Geldstrafe von 5000 Singapur-Dollar (2400 Euro) rechnen. Zu therapeutischen Zwecken hat die Gesundheitsbehörde 19 Sorten zugelassen, darunter zuckerfreie und Nikotin-Kaugummis. Wong sieht darin kein Fortschritt: "Warum soll ich mir unter Schwierigkeiten Nikotin-Kaugummi kaufen, wenn ich mir, ohne meinen Namen zu nennen, eine Packung Zigaretten kaufen kann?"

Das als besonders reinlich bekannte Singapur verbot 1992 die Herstellung, den Import und Verkauf von Kaugummis, um Straßen, Häuser, Busse und U-Bahnen sauber zu halten. Die Stadtväter beklagten besonders die ständig verklebten U-Bahntüren. Nach wie vor kassiert die Stadt Geldstrafen beim öffentlichen Spucken und wenn auf öffentlichen Toiletten nicht gespült wurde.

Das Ende der kaugummilosen Zeit verdanken die Singapurer einem Freihandelsabkommen mit den USA, das am 1. Januar in Kraft trat. Und schon beklagen Straßenfeger die zähklebrige Verunzierung der ehemals wie geleckt wirkenden Bürgersteige - schreibt die regierungsnahe "Straits Times".



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