Singapur Zwischenstopp im Regenwald

Auf dem Weg nach Australien oder Neuseeland steht oft ein Zwischenstopp in Singapur auf dem Flugplan. Die meisten Touristen nutzen die Gelegenheit zum Geldausgeben: "Shop till you drop" - "Einkaufen bis zum Umfallen". Viel aufregender ist indes ein Ausflug in den Regenwald des Stadtstaates – denn da gibt es sogar einen Nachtzoo.


Dschungelshow im Dämmerlicht: Die "Creatures of the night"-Vorführung steigt im Nachtzoo von Singapur
GMS

Dschungelshow im Dämmerlicht: Die "Creatures of the night"-Vorführung steigt im Nachtzoo von Singapur

Singapur - Keine zwölf Kilometer von den Hochhäusern des Financial District entfernt, ist der Lärm der Stadt, sind Verkehr und Menschen vergessen: Ein tinnitusartiges, schrilles Pfeifen bohrt sich stattdessen ins Ohr. Insekten scheinen mit winzigen, sich hyperschnell drehenden Kreissägen die Äste in den bis zu 50 Meter hohen Baumkronen zu bearbeiten, gelegentlich ergänzt durch glockenklare Anschläge. Über den rotbraunen Waldboden flitzt die Mutter aller Ameisen, zwei Zentimeter lang, kräftig gebaut - willkommen im letzten ursprünglichen Regenwald Singapurs.

Von der Regelungswut der Stadtoberen ist das Bukit Timah Nature Reserve, dessen Hügel mit 163 Metern über dem Meer die höchste natürliche Erhebung Singapurs bilden, allerdings nicht verschont geblieben: Rotweiße Warnschilder ermahnen den Wanderer mehrmals, im Wald die Affen nicht mit Bananen zu füttern. Viel Glück ist nicht notwendig, die aufdringlichen Makakken in den von Lianen umschlungenen Bäumen zu entdecken.

Freie Sicht auf wilde Tiere garantiert auch das Sungei Buloh Wetland Reserve, ein Naturschutzgebiet an der nördlichen Küste des Inselstaates. Mit knorrigen, vielfach verzweigten Wurzeln krallen sich dort Mangrovenbäume entlang der Priele im matschigen Boden fest. Ein Bohlenweg auf Stelzen führt durch das Dickicht. Schlammspringer - glubschäugige Fische mit beinartigen Flossen - rutschen dort über den Schlick.

Ein Fisch, der lieber Frosch wäre: Schlammspringer leben im Mangrovenwald von Sungei Buloh
GMS

Ein Fisch, der lieber Frosch wäre: Schlammspringer leben im Mangrovenwald von Sungei Buloh

Winkerkrabben mit einer aberwitzig vergrößerten, bunten Schere werden ihren Namen gerecht - und verschwinden plötzlich in ihren Wohnhöhlen, als ein meterlanger Waran vorbeizüngelt. Von Beobachtungsständen und Aussichtsplattformen aus sind die vielen Watvögel, Enten, Störche und Reiher - Ornithologen haben 180 Arten gezählt - gut zu beobachten, während sie sich den Magen mit Muscheln, Würmern oder Fischen vollschlagen.

Über Stelzen führt auch ein Pfad im Zoo von Singapur. Der "Treetops Trail" ermöglicht dem Besucher Einblicke in das Kronendach südostasiatischer Regenwälder. Affen wie Siamangs oder Rote Languren, die bei einer Dschungeltour schwer zu sehen sind, geben in fast natürlicher Umgebung auf einer künstlichen Insel Einblicke in ihren Alltag: Sie dösen in den Wipfeln, schwingen kreischend von Ast zu Ast oder pulen sich geduldig Läuse aus dem Pelz.

Wenn der Zoo seine Tore schließt, beginnt um 19.30 Uhr für die Leoparden, Hyänen, Elefanten oder Tapire der "Night Safari" gleich nebenan die Spätschicht. So gut es ein Tierpark eben kann, simuliert der Nachtzoo Wildnis: Auf schmalen Pfaden können Besucher beispielsweise im Zwielicht der Scheinwerfer den dichten Wald entdecken und den Tieren nahe kommen. Die Wege führen vorbei an Gehegen, bei denen nur Gräben und Glasscheiben die Pirsch der nachtaktiven Jäger eingrenzen. Durch die Scheiben wirken manche der Raubkatzen, die jetzt mit geweiteten, runden Augen in die Dunkelheit stieren, plötzlich so zahm wie Plüschtiere.

Arnd Petry, gms



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.