Skater-Reiseziele Die Erben von Dogtown

So wie Surfer auf der Jagd nach der perfekten Welle um die ganze Welt jetten, gibt es auch für Skateboarder Städte, die traumhafte Bedingungen bieten. Zumindest so lange, bis die Security kommt. SPIEGEL ONLINE stellt fünf Top-Reiseziele für Brettfahrer vor.

Tim Maxeiner

Von Tim Maxeiner


Los Angeles: Wiege der Skater-Kultur

Das surrende Geräusch von Skateboardrollen dringt bis spät in die Nacht herüber zum Balkon des "Hostel California" am Lincoln Boulevard. Auf der röhrenförmigen Miniramp gegenüber skaten Jungs aus den umliegenden Häuserblocks des Stadtteils Venice. Die rustikal schlampige Unterkunft kostet Skater-freundliche 20 Dollar die Nacht. Der Strand ist per Skateboard in zehn Minuten erreichbar.

Dort, am Venice Beach, tummelt sich ein buntes Völkchen aus Straßenkünstlern und gebräunten Bodybuildern. Gaffende und latschende Touristen haben in diesem Zirkus schlechte Plätze. Steht man auf einem Skateboard, ist man dagegen mitten in der Manege und gehört zumindest auf den ersten Blick dazu.

In den siebziger Jahren war die Gegend im Westen von Los Angeles wegen der hohen Kriminalität als "Dogtown" verrufen. Auf diesem gefährlichen Pflaster traf sich eine Clique von Skatern, die sich "Dogtown-Boys" nannten. In verlassenen Swimmingpools und Abriss-Arealen kultivierten sie ihre spektakulären Tricks und Kunststücke. Nachahmer fanden sie bald in den ganzen USA und schließlich weltweit.

Heute rollen Brettfreunde zu jeder Tages- und Nachtzeit die Promenade von Venice Beach auf und ab. Im "Venice Skate Park" zeigen sie ihre Tricks vor einem grandiosen Strandpanorama. Die knapp 1.500 Quadratmeter große Luxus-Skate-Anlage wurde Anfang Oktober nach millionenteuren Renovierungsarbeiten wiedereröffnet.

Ein Leben für die Szene

Der Fotograf und Künstler Craig Stecyk war von Anfang an dabei. Er ist der Chronist der Dogtown-Szene und wohnt nicht weit vom Santa-Monica-Pier im Norden von Venice. Stecyk trägt unter dem Schirm seiner Baseball-Kappe eine dunkle Sonnenbrille, durch die er die Welt aber ziemlich aufmerksam beobachtet. Die Umgebung begeistert ihn bis heute, etwa die bunte Bemalung des Piers. "Davon muss ich ein Foto machen", sagt er begeistert und zieht eine kleine Digitalkamera heraus.

Stecyks Skate-Fotografien und -Filme gelten inzwischen als Kunstwerke. Er selbst sieht das zurückhaltender: "Die Bewegung auf dem Skateboard, das ist die Kunst." Selbst hässliche Vorstädte veränderten dadurch ihr Gesicht: "Skateboarder geben der Architektur immer etwas Menschliches."

In einem kleinen Restaurant auf dem Pier, in dem ein altes Surfbrett an der Decke hängt, genehmigt er sich einen Fisch-Taco. Er erzählt davon, wie er zwei Jahre lang davon lebte, Flaschen am Strand zu sammeln, obwohl sein Vater immer wieder forderte, er solle sich endlich einen vernünftigen Job suchen. Mit den Flaschen finanzierte er sich seinen ersten Fotoapparat. "Folge deinen Interessen, dir bleibt sowieso nichts anderes übrig", beschreibt Stecyk bis heute seine Lebensphilosophie.



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Nonvaio01 16.10.2009
1. Zu hause bleiben
Zitat von sysopSo wie Surfer auf der Jagd nach der perfekten Welle um die ganze Welt reisen, gibt es auch für Skateboarder Städte, die traumhafte Bedingungen bieten. Zumindest solange, bis die Security kommt. Welches sind Ihre Tipps für Urlaub mit dem Skateboard?
Hallo, ich hasse Skateborder in der City genause wie Inliner. Und das kommt von Herzen.
Kulturkontor, 20.10.2009
2. Der erste Inliner
Zitat von sysopSo wie Surfer auf der Jagd nach der perfekten Welle um die ganze Welt reisen, gibt es auch für Skateboarder Städte, die traumhafte Bedingungen bieten. Zumindest solange, bis die Security kommt. Welches sind Ihre Tipps für Urlaub mit dem Skateboard?
Sicherlich ist es für den geneigten Leser von Interesse, wer der erste ind er Öffentlichkeit fahrende Inlineskater Deutschlads ist. Diese Frage kann ich beantworten: Ich bin der erste, der sich in Deutschland Inlineskates unter die Füße geschnallt hat und die Gegend in Aufruhr brachte und die Damenwelt in Entzücken versetzte. Es gibt Photos von mir auf Skates aus dem Jahre 1988 vor dem Graffiti auf der Berliner Mauer. Obwohl sich Inlineskaten zum Modesport entwickelte und plötzlich auch alte Kaschemmen auf den teilen stehen (mit Helm und Knie- und Ellbogenschützern), findet man doch noch hier und dort die jungen Dinger, die mit Anmut, Grazie und hoher Geschwindigkeit die Stadtviertel bereichern. Lang leben die Skater!
tofinz 20.10.2009
3.
Zitat von Nonvaio01Hallo, ich hasse Skateborder in der City genause wie Inliner. Und das kommt von Herzen.
geht mir ähnlich, obwohl ich den "sport" selbst mag, aber viele skater, die sich immer so lässig und urban geben, werden auf einmal spiessig wie der nachbar in der kleingartensiedlung, wenn es darum geht ein klein wenig rücksicht auf andere zu nehmen.
germanexpat 20.10.2009
4. Vermisse Grand Cayman Cayman Islands
Hier auf Grand Cayman gibt es eine der groessten Skatboard anlagen auf diesem Planeten, wo jede Menge Profies das ganze Jahr ueber trainieren und Kurse abhalten. Die "Black Pearl" Analge hat aber nichts mit dem schmudeligen Ghettomileu gemein. Keine Graffities oder aehnliches und mit ca 600 Euro im Jahr ist sie hier ein preiswertes Vergnuegen. Angeschlossen ist auch eine kuenstliche Surfwelle diese ist aber relativ teuer die Stunde kostet hier ca 300Euro, aber wenn man sich den Spass mit mehren teilt auch wieder erschwinglich
askmydiary 20.10.2009
5.
habe auch mal vor in L.A. zu skaten. Und nächstes Jahr erst mal Barcelona, ist nicht ganz so weit. Wer hier Hass gegen Skater ausspricht, sollte sich mal lieber erst sein eigenes Verhalten, z.B. beim Autofahren anschauen ob er da Rücksicht nimmt. Wenn nicht am besten still sein.
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