Stadttour für Insider: Mit Linie 13 ins echte Florenz

Der Touristen-Andrang in Florenz ist enorm. Doch wer sich ein wenig auskennt, kann in versteckten Ecken abseits des Massenandrangs das echte Stadtleben kennenlernen - und in ruhigen Gärten abseits des Trubels entspannen.

Florenz: Touri-Highlights und Nebenstraßen Fotos
TMN

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Florenz - Die Menschenschlange vor der Kunstgalerie in den Uffizien ist lang. Sehr lang. Auch rund um den Dom ist es brechend voll. Überall stehen und staunen Touristen, paarweise und in Gruppen. Das ist keine Seltenheit: In den schmalen Gassen von Florenz drängeln sich zwischen Dom, Uffizien und Vecchio-Brücke auch in der Nebensaison unzählige Besucher. Doch die Hauptstadt der Toskana hat noch mehr zu bieten als diese überlaufenen, weltberühmten Attraktionen im historischen Altstadtkern. Etwas abseits dieser Touristenzentren kann sich Florenz von seiner ruhigen und gemächlichen Seite zeigen.

Dazu gehört auch ein Frühstück am späten Vormittag. Kurz nach zehn ist dafür die beste Zeit. Dann drängen viele Florentiner aus ihren Büros für eine kurze Pause in eines der Cafés, zum Beispiel das alterwürdige Sieni neben der Markthalle. An der Holztheke stehend bestellen sie einen Espresso und ein süßes Brötchen.

Die Kaffeemaschinen rauschen und zischen, Löffel klappern gegen Porzellan, ein Gebäck nach dem anderen wird über den Tresen gereicht. Dabei haben auch Besucher genug Gelegenheit, die Arbeit der hauseigenen Konditoren zu bestaunen. In der Glasvitrine liegen die kuppelförmige Zuccotto-Torte, baiserartige Meringa, Frittelle - Schmalzgebäck in Bällchenform - und natürlich die berühmte Torta della Nonna: "Omas Kuchen", der angeblich hier erfunden wurde. Wer mag, unterhält sich noch kurz mit dem Kellner, bevor der sich wieder umdreht und den nächsten Kaffee macht.

Alltag statt Touristenrummel

Der trubelige Innenstadtkern lässt sich anschließend bestens mit einem Bus der Linie 13 umgehen. Er startet in der Nähe des Sieni, am Hauptbahnhof, und rattert über den Altstadtring an alten Fortmauern vorbei durch typische Wohngegenden von Florenz. Im Vergleich zur Gegend rund um den Dom, wo unzählige Geschäfte und Stände um Touristen buhlen und ihre stets ähnlichen Souvenirs, Lederwaren oder neueste modische Errungenschaften ausstellen, wirkt es etwas abseits schon fast wie ausgestorben.

Immer mal wieder taucht ein kleiner Supermarkt auf oder ein Laden mit Badfliesen und Waschbeckenarmaturen. Vor allem aber gehören diese Gegenden den Florentinern. Sie können hier ihren Alltag leben: einkaufen, Nachbarn treffen oder auf den Fußwegen spielen.

Der Bus fährt bis zum Piazzale Michelangelo auf der anderen Seite des Arno-Flusses. Die Piazzale liegt auf einem kleinen Berg, so dass man von dort aus einen wunderbaren Blick über Florenz hat. Direkt vor einem der Arno, etwas weiter entfernt die Ponte Vecchio und der Dom, dessen gigantische Ausmaße erst jetzt richtig zur Geltung kommen. Sicher, die Piazzale Michelangelo ist kein Geheimtipp mehr unter den Touristen, doch auf diese Anhöhe schaffen es deutlich weniger als zum Dom oder den Uffizien.

Aus diesem Grund lohnt sich übrigens fast die gesamte südliche Arno-Seite. Denn von der Piazzale Michelangelo führen schmale Straßen in Richtung Ponte Vecchio. Und sobald es dort wieder zu hektisch und voll wird, kann man schon wieder abbiegen und zum Palazzo Pitti spazieren. Dahinter verbirgt sich die Grünanlage Giardino di Boboli.

Cantuccini und Dessertwein

Darin verschmelzen kleine Gärten zu einem großen Gesamtkunstwerk, Rosenmeere liegen in der Nähe von gigantischen Zypressen, und dazwischen entdeckt man immer wieder Skulpturen und Teiche. Im Sommer spenden die uralten Bäume des Parks nicht nur Schatten, auf den Pfaden zwischen meterhohem Grün verteilen sich die Besuchermengen auch auf angenehme Weise.

Die Piazza Santo Spirito dagegen ist ein beliebter Treffpunkt bei jüngeren und älteren Florentinern. Bars und Restaurants rund um den Platz sind schon am frühen Abend voll. Die einen trinken einen Absacker, die anderen stärken sich mit einem üppig belegten Focaccia-Sandwich oder einer Pizza. Wieder andere sind schon beim Nachtisch und tunken das für die Region typische Cantuccini-Gebäck in süßen Dessertwein. Währenddessen jagen Hunde über den Platz, und Kinder spielen auf dem Vorplatz der Kirche Santo Spirito.

So langsam wird es nun im Altstadtkern etwas ruhiger. Deswegen lohnt sich dann auch ein Bummel zurück zur Stadthälfte nördlich des Arno. Auf dem Weg dorthin kann man sich in der Gelateria Santa Trinita an der gleichnamigen Brücke ein Eis mitnehmen - zum Beispiel die Eigenkreation "Sesamo et Fondente". Während die gerösteten Sesamkörner im Mund knuspern, kann man den Gang über die Vecchio-Brücke und ihre Büdchen sowie den Anblick des Doms genießen - im Abendlicht und mit spürbar weniger Besucher-Konkurrenz als tagsüber.

Aliki Nassoufis, dpa

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