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Perfekter Tag in Budapest: Blutwurst, Blattgold, Badeparty

Nächtliches Vergnügen erleben Budapest-Besucher nicht nur in den legendären Abbruchclubs. Auch ein Thermalbad hat bis in die Morgenstunden geöffnet - es verwandelt seine Pools in eine Partyzone. Ein Reiseexperte über das Beste an Ungarns Hauptstadt.

Budapest: Tipps für die perfekte Städtereise Fotos
REUTERS

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Gergely Kispál hat lange Zeit als Stadtführer gearbeitet und Tausenden Besuchern Budapests schönste Seiten gezeigt. Der Reiseführerautor verrät auf SPIEGEL ONLINE, welche Geheimnisse östlich und westlich der Donau auf Touristen warten.

Herr Kispál, wo in Budapest gibt es das beste Frühstück?

Machen Sie es wie die einheimischen Bauarbeiter und Markthändler und essen Sie (mindestens) eine Brat- oder Blutwurst mit Brot, Senf und sauren Gurken in der Markthalle oder bei einem Metzger. Ja, genau, zum Frühstück. Wer mit so Herzhaftem nichts anfangen kann, der wird in der Milchbar Cserpes (am Deák tér) glücklich. Hier gibt es cremige Milchshakes und Süßes wie Croissants, Obstsalat und Kastanienpüree.

Welcher Stadtteil ist einen Spaziergang wert?

Im VIII. Bezirk sind die Kontraste noch extremer als im Rest von Budapest. Der Stadtteil beginnt am Kleinen Ring beim repräsentativen Nationalmuseum. Auch viele Uni-Gebäude und Studentenkneipen befinden sich in dieser Ecke. In der Baross utca gibt es eine ganze Reihe von Handwerksgeschäften, die in anderen europäischen Städten längst ausgestorben sind: Hutmacher, Polsterer, Uhrmacher. Kulturell ist die Josefstadt, wie der VIII. Bezirk offiziell heißt, geprägt von den Roma - mit etwas Glück kann man einem Geiger durchs geöffnete Fenster beim Üben zuhören.

Von wo hat man eine besonders schöne Aussicht?

Der Blick von der Fischerbastei hinüber in den Stadtteil Pest ist zu Recht bei Touristen beliebt. Aber man kann den Spieß auch umdrehen: Im Turm der St.-Stephans-Basilika ist man auf Augenhöhe mit dem Budaer Burgviertel.

Ein leckeres Lunch kriegt man...

...im Fischrestaurant Szegedi Halászcsárda direkt an der Donau, gegenüber vom Gellértberg. Wer aber nur schnell und günstig etwas essen möchte, bekommt in den meisten Restaurants ein Mittagsmenü mit zwei oder drei Gängen. Gourmets mit kleinem Reisebudget können sich so auch mal ein Lokal leisten, das sonst zu teuer ist, zum Beispiel das preisgekrönte Sternerestaurant Onyx (Vörösmarty tér).

Wo kann man ausgiebig shoppen?

Es gibt wirklich bessere Shopping-Metropolen als Budapest. Schick und wirklich erschwinglich sind aber die Klamotten und Schuhe der vielen jungen Designer, von denen einige in den letzten Jahren mit einem eigenen Laden an den Start gegangen sind. Man findet sie vor allem im VII. Bezirk, dem historischen jüdischen Viertel.

Ein ausgefallenes Mitbringsel?

Kulinarische Spezialitäten sind immer eine gute Wahl, von Weinen über Obstbrand bis hin zu ausgefallenen Würsten von Hirsch bis Hängebauchschwein. Angenehm kitschfreie Souvenirs findet man bei Memories of Hungary, schräg gegenüber der St.-Stephans-Basilika.

Welches Café empfehlen Sie für eine Shopping-Pause?

Das Book-Café (Andrássy út). Man geht durch eine Buchhandlung namens Alexandra durch, die Rolltreppe hoch und befindet sich unvermittelt in einem riesigen, gediegenen Saal mit hohen Spiegeln, Blattgold an den Wänden und leise huschenden Kellnern.

Wenn man so etwas zu feudal findet, sollte lieber ins Bambi (Bem tér in Buda) gehen. Dieses Café war schon Anfang der achtziger Jahre aus der Mode, als ich dort mit meiner Oma immer Kuchen geholt habe. Seitdem hat es sich nicht verändert: Polyester-Häkelgardinen, Sitzbänke aus rotem Kunstleder und Backgammon spielende ältere Herren. Ein herrlicher Ort.

Wohin des Nachts?

Schwimmen gehen! Das Rudas-Bad aus dem 16. Jahrhundert hat unter der Woche noch getrenntgeschlechtliche Badetage. Am Wochenende ist gemischtes Planschen angesagt, freitags und samstags sogar bis 4 Uhr morgens. Auch das Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen bietet von Zeit zu Zeit Nachtaktionen. Es wird an manchen Wochenenden zum Danceclub - dann gibt es nicht nur heißes Wasser, sondern auch coole Musik.

Und wo tanzt es sich im Trockenen gut?

Auf der Partymeile Kazinczy utca und in den benachbarten Gassen findet jeder was nach seinem Geschmack - von trendy bis abgeranzt - und fast alles hat bis in die Morgenstunden hinein geöffnet. In dieser Ecke sind auch viele der angesagten Abbruchclubs ansässig. Sie wirken dank der Sperrmüllmöbel und der aus Wellblechresten und Schrott gebastelten Deko improvisiert und temporär, doch einige von ihnen - zum Beispiel das legendäre Szimpla - sind aus der Budapester Partyszene nicht mehr wegzudenken.

Wer lieber mit der Jeunesse dorée aus den Budaer Villenvierteln feiern will und keine langen Warteschlangen scheut, kann das Ötkert bei der St.-Stephans-Basilika versuchen.

Die Fragen stellte Julia Stanek


Buchtipp: "City Trip Budapest". Reise Know-How; 144 Seiten; 9,80 Euro

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
crunchy_frog 13.10.2013
Wann man wegschauen sollte: Wenn ein Obdachloser dafür verhaftet wird, dass er keine Wohung hat oder ein Zigeuner dafür aufgemischt wird, weil er eben ist was er ist.
2.
the_chief2k 13.10.2013
genau. das macht man ja anderswo (z.B. hier in DE) ja auch so
3. Das sonnigere Wien
stiip 13.10.2013
Budapest ist -- oder war -- eine wunderschöne, pulsierende, lebendige Stadt, die ich seit der Wende mehrmals besucht habe. Das sonnigere Wien, sagte ich immer. Solange aber eine eh schon rechtsnationalistische Regierung von den Jobbik-Faschos immer weiter ins Abseits getrieben wird, die Pressefreiheit zusammengeschnitten und Roma und Obdachlose mit Polizeistaatsmethoden schikaniert werden, setze ich keinen Fuß mehr in dieses Land.
4.
roflem 13.10.2013
Ich hab schon genug Russenmafia in Charlottengrad. Budapest? Nein Danke!
5. Wüsste ich aber :-)
Peter.Lublewski 13.10.2013
Zitat von stiipBudapest ist -- oder war -- eine wunderschöne, pulsierende, lebendige Stadt, die ich seit der Wende mehrmals besucht habe. Das sonnigere Wien, sagte ich immer. Solange aber eine eh schon rechtsnationalistische Regierung von den Jobbik-Faschos immer weiter ins Abseits getrieben wird, die Pressefreiheit zusammengeschnitten und Roma und Obdachlose mit Polizeistaatsmethoden schikaniert werden, setze ich keinen Fuß mehr in dieses Land.
Und das soll mich davon abhalten, nach Ungarn zu fahren? Wüsste ich aber :-)
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Zur Person
  • Edina Kriszta
    Gergely Kispál, geboren 1980, arbeitet als Autor für den Reise Know-how Verlag. Er ist in Budapest geboren und in Deutschland aufgewachsen.

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