Städtetipp Hamburg: Perle im Eis

Shopping-Exzesse im Karoviertel, Cocktails schlürfen mit Hafenpanorama: Ein Hamburg-Besuch kann ganz schön ins Geld gehen. Reiseführerautorin Martina Beuting schlägt im Interview eine Stadtrundfahrt zum Schnäppchenpreis vor - und einen galaktisch günstigen Ausflug zur Milchstraße.

Stadtgespräch Hamburg: Strand, Shopping, Schwäne Fotos
DPA

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Frau Beuting, wo in Hamburg beginnt der Tag am schönsten?

Wer sein Frühstücksei mit schöner Aussicht genießen möchte, geht an die Elbe. Ein schönes Café ganz nah am Wasser ist die Amphore (St. Pauli Hafenstraße 140). Draußen fahren die Containerschiffe vorbei - doch bei minus 15 Grad helfen einem auf der Terrasse auch die Fleecedecken nicht mehr. Wer die gefrostete Elbe sehen möchte, muss schon den Eisschollenspaziergang nach dem Frühstück einplanen.

Was hat Hamburg bei dieser Eiseskälte noch zu bieten?

Das Winteralstervergnügen, das die Hamburger am Wochenende zum ersten Mal seit 15 Jahren zelebrieren werden. Tausende von links und rechts der Alster treffen sich auf dem Wasser zum Budenzauber, trinken Glühwein, essen Schmalzbrote und Würstchen und genießen die seltene Perspektive. Das letzte Mal war das Hamburger Binnengewässer vor zwei Jahren zu Eis erstarrt. Damals gab es zwar keine offizielle Genehmigung, doch das hielt Zigtausende nicht davon ab, aufs Eis zu spazieren.

Mit welchem Verkehrsmittel entdeckt man Hamburg am besten?

Im Sommer ist eine Bootsfahrt ein Muss - und die Ruder nimmt man dafür sehr gerne mal selbst in die Hand. Die Hamburger lieben es, mit Kanus dem Alltag zu entfliehen. Sie paddeln damit durch die Kanäle, die sich durch die Viertel rund um die Außenalster ziehen, und entdecken ihre Stadt vom Wasser aus.

Im Winter bietet eine Fahrt mit der U-Bahnlinie U3 eine schöne Perspektive auf Hamburg. Zwischen Rödingsmarkt und Saarlandstraße liegt der beeindruckendste Abschnitt: Bis zu den Landungsbrücken fährt man oberirdisch durch den Hafen, später an den schicken Eppendorfer Fassaden entlang. So kostet eine Stadtrundfahrt nur 2,85 Euro - das ist der Preis für eine U-Bahn-Fahrkarte.

Welchen Stadtteil darf man nicht verpassen?

Am Jungfernstieg, am Neuen Wall oder in den Elbvororten ist Hamburg geschäftig, reich, schick. Klar, das ist sehenswert. Aber Hamburg ist vor allem ein bunt gemischtes Durcheinander. Das merkt man schon bei einem Spaziergang durchs Schanzen- und Karolinenviertel: Hier trifft man Yuppies, Kreative, Designer, Intellektuelle und Lebenskünstler. Die Straßen rund ums Schulterblatt eignen sich hervorragend zum Leutegucken, Abhängen und Shoppen.

Ein Klamottenladen, in dem Frauen die Nerven verlieren?

Ob Luxus, Vintage oder junges Modedesign: Die ganze Stadt treibt uns in den Rausch! Eine belastbare Kreditkarte brauchen Shopping-Begeisterte nicht nur in den Flagshipstores internationaler Modehäuser am Neuen Wall, sondern auch in dem stilsicheren Laden Anita Hass (Eppendorfer Landstraße 60). Hier gibt es jede Saison eine Auswahl der schönsten Stücke von Designern wie Martin Margiela und Marc Jacobs. Geld zu Stoff zu machen ist aber auch in vielen anderen Ecken Hamburgs ein Kinderspiel - und die Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden -, etwa in den Boutiquen der Marktstraße oder in der Ottenser Hauptstraße.

Nach dem Shopping-Exzess…

… gibt es ein Franzbrötchen, köstliches Plundergebäck mit Zimt und Zucker. Zugegeben: Auch in anderen Städten versucht sich der eine oder andere Bäcker mal an einer Nachahmung. Aber keiner kriegt sie so gut hin wie die Hamburger. Besonders lecker sind die Franzbrötchen in der Kleinen Konditorei in Eimsbüttel (Osterstraße 176).

Was gehört zu einem Spaziergang im Hafen?

In der Hafencity gibt es bei jedem Besuch etwas Neues zu entdecken: Bistros und Cafés schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Schönste von allen ist die Kaiserperle (Am Kaiserkai 47), ein Mini-Bistro direkt am Wasser, das von März bis Oktober geöffnet ist. Wenn man bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühling keinen Platz ergattert, setzt man sich einfach auf die großen Stufen direkt ans Ufer. Die Speisekarte mit regionalen Gerichten ist so winzig wie das Bistro, probieren Sie die Frikadellen oder den hausgemachten Kuchen.

Ein Klassiker an der Elbe ...

... ist die Oevelgönner Strandperle. Im Sommer kommt bei Picknick und Sonnenschein Urlaubsstimmung auf - und im Winter kriegen Sie einen heißen Grog.

Und wo gibt es die beste Abkühlung im Sommer?

Wenn nicht Minusgerade die Stadt beherrschen, schlage ich die Eisliebe im Kultviertel Ottensen vor (Bei der Reitbahn 2). Das unglaublich leckere Pflaume-Zimt-Eis haben die Besitzer zwar nicht mehr in der Kühltruhe, aber auch wegen der gigantischen Auswahl an anderen Eissorten - mal sehen, was in diesem Sommer der Renner wird - lohnt sich ein Besuch.

Wer's leichter will, kann zu Yoguru gehen, dem besten Frozen-Joghurt-Laden Hamburgs, der sich passenderweise in der Milchstraße in Pöseldorf befindet. Hier suchen sich Schleckermäuler einen Biojoghurt als Basis aus - man hat die Wahl zwischen den Geschmacksrichtungen Natur, Mango, Erdbeere oder Schokolade - und lässt diese mit einer Extraportion Süßem garnieren. Unter den 36 Topping-Varianten schmeckt neben Früchten wie gewürfelten Kiwis die Hamburger Grütze besonders gut. Damit es nicht zu gesund wird, gibt's auch die Variante Marshmallows.

Wahre Worte:

"Hamburg meine Perle, du wunderschöne Stadt. Du bist mein Zuhaus, du bist mein Leben, du bist die Stadt auf die ich kann."

Der Barmbeker Musiker Lotto King Karl spricht mit seiner Hamburg-Hymne nicht nur den HSV-Fans, sondern vielen Einheimischen aus dem Herzen, die aus ihrer schönsten Stadt der Welt niemals freiwillig wegziehen würden.

Wichtige Worte:

So schwer ist es nicht, sich als Nicht-Hamburger zu verständigen. Die paar plattdeutschen Vokabeln versteht vielleicht auch, wer nich soo plietsch ist. Aber eigentlich reicht es schon, wenn man den Bäcker mit Moin begrüßt und nicht Brötchen bestellt, sondern Rundstücke und Schrippen voneinander unterscheiden kann.

Besitzt wirklich jeder Hamburger Gummistiefel?

Ja, das stimmt - es gibt nun mal das Hamburger Schietwedder. Aber die Regenmengen sind hier auch nicht gewaltiger als die in München, vielleicht nieselt es bloß häufiger. Ebenso schnell wie man nass geworden ist, hat die frische Brise die Wolken auch schon wieder weggepustet.

Umsonst und doch unbezahlbar:

Immer wenn mal ein richtig großes Kreuzfahrtschiff einläuft, versammeln sich für dieses Spektakel Tausende von Hamburgern und Zugereisten an der Elbe, um das Schiff zu begrüßen. Wenn ein Ozeanriese wie die "Queen Mary II" einläuft oder wieder verabschiedet wird, sollte man sich das wirklich nicht entgehen lassen.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Eine Dose Labskaus vielleicht? Der Inhalt - ein Brei aus Fleisch, Matjes, Kartoffeln Roter Bete und Salzgurken, der meist mit Rollmops und Spiegelei garniert wird - sieht zwar wenig ansprechend aus, schmeckt aber. Richtig gute Mitbringsel gibt es auch bei Hanseplatte im Karolinenviertel. Man kriegt hier hamburgische Musik (und damit sind nicht nur die Schlager von Hans Albers gemeint), Bücher und Klamotten von Modedesignern aus der Hansestadt.

Schöne Aussichten

… hat Hamburg zuhauf: Am Westufer der Außenalster blickt man mit einem Getränk in der Hand von Bodo's Bootssteg (Harvestehuder Weg 1) auf die Hamburger Skyline. An der Nordspitze der Alster wird sogar der Straßenname der Aussicht gerecht: Sie heißt Bellevue. Auch aus dem 8. Stock der Bar Le Ciel im Le Méridien Hotel (An der Alster 52) hat man eine tolle Sicht auf die Alster und die Stadt. Den besten Blick über den Hafen hat man sicher in der 20up Skybar im Empire Riverside Hotel: Kräne, so weit Auge reicht und Cocktails, so viele Sie vertragen.

Wohin des Nachts?

Eine Nacht in Hamburg lässt sich einfach nicht planen. Der Abend beginnt natürlich mit einem Reeperbahnbummel. Rund um die berühmt-berüchtigte Ausgehmeile gibt es Bars und Kneipen für jeden Geschmack - und nicht weit davon auch Kultlokale wie den Golden Pudel Club (St. Pauli Fischmarkt 27), in der eine Nacht schon mal enden kann. Unten angekommen in Hafen und Nacht gibt es nichts Schöneres als einen Morgenspaziergang an der Kaimauer.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
Ambermoon 09.02.2012
Als Hamburger finde ich diese Q&A fast total daneben ("Die Hamburger lieben es, mit Kanus dem Alltag zu entfliehen." - Deine Mudda vielleicht.), aber das ist wegen der subjektiven Sichtweise wohl normal, und für mir fremde Städte fände ich das ziemlich interessant.
2. Schulterblatt
Soyb 09.02.2012
"Die Straßen rund ums Schulterblatt eignen sich hervorragend zum Leutegucken, Abhängen und Shoppen." Die Schanze ist so schon scheisse genug geworden, und ihr sorgt mit diesem dämlichen artikel nur dafür, dass der Stadtteil sich weiter in die falsche Richtung entwickelt! Wer fragt denn mal die Anwohner, ob sie Lust haben "angeguckt" zu werden? Das ist doch kein Zoo!!!!
3. Hamburg-die geteilte Stadt.
schlammschlacht 09.02.2012
Zitat von sysopShopping-Exzesse im Karoviertel, Cocktails schlürfen mit Hafenpanorama: Ein Hamburg-Besuch kann ganz schön ins Geld gehen. Reiseführerautorin Martina Beuting schlägt deshalb eine Stadtrundfahrt zum Schnäppchenpreis vor - und einen galaktisch günstigen Ausflug zur Milchstraße. Städtetipp Hamburg: Perle im Eis - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,814136,00.html)
Hamburg liegt offensichtlich ausschließlich westlich der Alster. Das weder Osten noch Süden von HH oder die Veddelinsel in diesem armseligen Interview vorkommen ist mal wieder bezeichend für ahnungslose Hamburger "Journalisten" Wer das echte Hamburg und seine Menschen kennelernen möchte fährt nach Rothenburgsort, Wilhelmsburg, Hamm oder Barmbek. Schon mal am Strand auf der Veddelinsel (Badestelle Falkenried) oder dem Leuchturm an der Südspitze gewesen? Gehört alles zu Hamburg, ehrlich. Öde Shoppingmeilen oder "Trendviertel" mit "Trendcafes" gibt es in jeder Großstadt in mehr oder weniger in gleicher Ausführung.
4. Alle hierher!!!1elf
tradtke 09.02.2012
Super! Ohne dass ein oder zwei Millionen Leute aus der Stadt und dem Umland mal wieder zu ein und demselben *EVENT* erscheinen geht es ja auch gar nicht mehr. Hoffentlich sind dann bei diesem Winter-Alstervergnügen auch rechtzeitig die selben Wurst- und Bierbuden da, wie beim Frühjahrsdom, Hafengeburtstag, Japanischen Kirschblütenfest, Sommerdom, Weinfest auf dem Rathausmarkt, Sommer-Alstervergnügen, Herbstdom und Winterdom, sowie Glühweinevent zur Adventzeit. Nicht zu vergessen das unvermeidliche Totdrängeln zum Jahreswechsel. Nicht, dass da ein Cent an Umsatz verloren geht, oder ein Tourist sich gar einsam und verloren fühlt. Muß ich gleich mal bei Fratzenbuch meine engsten 10.000 Freunde dazu einladen. Viel Spaß, Holy Moly
5. lol...
Layer_8 09.02.2012
Zitat von tradtkeSuper! Ohne dass ein oder zwei Millionen Leute aus der Stadt und dem Umland mal wieder zu ein und demselben *EVENT* erscheinen geht es ja auch gar nicht mehr. Hoffentlich sind dann bei diesem Winter-Alstervergnügen auch rechtzeitig die selben Wurst- und Bierbuden da, wie beim Frühjahrsdom, Hafengeburtstag,....
...genauso wie hier in Berlin. Werde morgen trotzdem mal hinfahren. Volksfest uffm Eis ham wer hier nüscht. Hab ja zur Not noch ein paar Kumpels dort wohnen. Grüße nach HH :)
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  • Miriam Fluegge
    Martina Beuting arbeitet als Autorin für den Michael Müller Verlag. Für eine neue Auflage ihres Reiseführers, die im März 2012 erscheint, hat sie die Hansestadt mal wieder ganz genau unter die Lupe genommen.

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