Städtetipp Lissabon: Weltschmerz mit Witz

Mojito schlürfen beim Sonnenuntergang, Mountainbiken in steilen Gassen: Reiseführer-Autor Johannes Beck verrät SPIEGEL-ONLINE-Lesern, was in Lissabon im Sommer Spaß macht - und dass sogar melancholische Fado-Sänger Sinn für Humor haben.

Städtetipp Lissabon: Tejo, Tram, Törtchen Fotos
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Das beste Frühstück von Lissabon, Herr Beck?

Gebutterte torrada (Toast) und ein Glas des portugiesischen Milchkaffees galão: Wenn's gut läuft, kriegt man in Lissabon ein simples, aber himmlisches Frühstück. Wenn's schlecht läuft, dann ist der Kaffee ein Produkt aus bestem portugiesischen Leitungswasser und billigem Instantpulver. Mein Tipp: Galão da máquina bestellen - dann kommt er sicher aus der Espressomaschine. Wo? In jedem Straßencafé.

Was kostet eine Dosis Koffein?
50 Cent bis 1 Euro.

Wichtige Worte

Wer sich unbeliebt machen will, der bedankt sich in Lissabon mit dem spanischen gracias. Wer weniger ignorant auftreten möchte, muss nur obrigado (als Mann) oder obrigada (als Frau) lernen. In der vollgestopften Metro oder im Gedränge der Altstadt empfiehlt sich ein höfliches com licença (Deutsch: mit Ihrer Erlaubnis), in etwa "kom lisensa" ausgesprochen. Damit können Sie sich höflich an jedem Portugiesen vorbeidrängen.

Wahre Worte

"Lissabon ist die Stadt der Süßigkeiten, genauso wie Paris die Stadt der Intellektuellen ist. Paris fabriziert Ideen, Lissabon Törtchen." Eça de Queiroz (1845 bis 1900, portugiesischer Schriftsteller)

Der beste Zuckerschocker der Stadt?

Die pastéis de nata, Vanillecremetörtchen in Blätterteig, sind das Haus- und Magengebäck der Lissabonner. Frisch aus dem Ofen schmecken sie am besten - vor allem aus dem Ofen der Fábrica dos Pastéis de Belém, einer Konditorei im Stadtteil Belém. Hier werden die Törtchen seit 1837 nach einem Mönchsrezept hergestellt. Zimt und Puderzucker drüber, den noch warmen Puddingkuchen verputzen - und gleich noch einen bestellen.

Umsonst und doch unbezahlbar?

Wo wir schon fast da sind: die wunderschöne Kirche des Klosters Mosteiro dos Jerónimos in Belém. Das Kloster kostet Eintritt, die Kirche selbst nicht. Ein Juwel des portugiesischsten Baustils aller Zeiten, der Manuelinik.

Lissabons schönster Sonnenuntergang?

In der Hafeneinfahrt natürlich! Gute Aussicht hat man von der Cocktailbar "Le Chat" am Tejo. Die rundum verglaste Bar neben dem Museum der Alten Künste gibt den Blick frei auf Schiffe und die Docks am Flussufer. In den Liegestuhl sacken und bei Caipirinha oder Mojito beobachten, wie die Hafenarbeiter mit ihren riesigen Kränen Container von den Frachtern laden. Und wenn die Sonne fast am Horizont verschwindet: zur Brücke des 25. April schauen - und staunen!

Und die beste Aussicht auf die Stadt?

Vom belebten Aussichtspunkt Miradouro da Graça mit seinem Terrassencafé und dem eher beschaulichen Miradouro Nossa Senhora do Monte schaut man auf das rote Dächermeer um die Burg Castelo de São Jorge, die Unterstadt Baixa und die gegenüberliegende Oberstadt Bairro Alto. Das Hügelsystem der Stadt und seine verschiedenen Blick-Perspektiven werden sogar in den Stadtentwicklungsplänen geschützt. Vor einigen Jahren wollte der portugiesische Stararchitekt Álvaro Siza Vieira 105 Meter hohe Wolkenkratzer im Viertel Alcântara errichten. Das Projekt löste einen Aufschrei aus, da die Türme eine Sichtachse zwischen den Stadtteilen Alcântara und Belém versperrt hätten.

Einmal mit diesem Verkehrsmittel fahren:

Klar, die historische Tramwagen der Linie 28 sind ein Muss. Wer die steilen Straßen von Lissabon lieber mit dem Rad erkunden und seine Tour-de-France-Tauglichkeit testen möchte, der kann zusammen mit den sympathischen Fahrradenthusiasten des Veranstalters Bike Iberia Touren auf die Hügel der Stadt unternehmen (Largo Corpo Santo 5, Metrostation Cais do Sodré). Mit 110 Meter Höhenunterschied könnte der Burgberg eine erste Etappe sein, der Monsanto-Park mit seinen Radwegen liegt sogar 230 Meter über der Stadt. Für Freunde des Flachen empfiehlt sich die Strecke entlang des Tejo-Ufers bis nach Belém.

So gar nicht portugiesisch …

… erscheint auf den ersten Blick die japanische Spezialität Castella, die man eigentlich gerne in Nagasaki vernascht, neuerdings aber auch in Lissabon kosten kann. Den Rührkuchen gibt es in drei Geschmacksrichtungen - Schokolade, Grüntee oder Klassisch - das Rezept datiert auf das 16. Jahrhundert. Als erste Europäer hatten die portugiesischen Kaufleute damals den Handel mit den Japanern aufgenommen. Und die müssen ganz verrückt nach Süßem aus Portugal gewesen sein - anders lässt sich nicht erklären, dass sie auf Basis eines portugiesischen Rezeptes eine neue Köstlichkeit schufen und nach Asien exportierten.

Nach mehr als vier Jahrhunderten ist der Kuchen nun zurück an seinen Ursprung nach Lissabon gekommen. Das portugiesisch-japanische Paar Tomoko und Paulo Duarte bäckt und serviert die Castella in ihrem Teehaus Castella do Paulo in der Rua da Afândega Nr. 120 (Metrostation Terreiro do Paço).

Wenn's im Sommer heiß wird:

Morgens Museum, nachmittags Wellenreiten oder Beach-Volleyball: Stadt und Strand zu kombinieren ist in Lissabon einfacher als in anderen europäischen Metropolen. Am schnellsten geht es per S-Bahn ab dem Bahnhof Cais do Sodré an die Strände der Linha de Cascais, zum Beispiel nach Carcavelos.

Ein ausgefallenes Mitbringsel?

Sardinenkonserven. Erhältlich in allen möglichen Geschmacksrichtungen: in Öl eingelegt, mit Zitronensaft, mit Chili (piri-piri). Seit 1930 gibt es sie in großer Auswahl im Traditionsgeschäft Conserveira de Lisboa zu kaufen. (Rua dos Bacalhoeiros 34, Metrostation Terreiro do Paço). An der Kasse wickelt man Ihnen die Büchse in bunt bedrucktes Papier ein, das liebevoll mit einem Bindfaden verschlossen wird.

Widerlegtes Klischee:

Fado-Konzerte sind unsagbar traurige Veranstaltungen, die Portugiesen besuchen, um sich mal wieder richtig auszuweinen. So zumindest das Klischee. Wer genau hinhört, stellt fest, dass die Texte der Lissabonner Volksmusik sehr witzig sein können. Weniger zum Lachen ist jedoch, dass einige Fado-Lokale wegen der Wirtschaftskrise mangels Publikum schließen mussten.

Wer Weltschmerz einmal live erleben möchte, ist im Mesa de Frades richtig. Fado im einzigartigen Ambiente einer alten Privatkapelle, die mit blau-weißen, über 300 Jahre alten Fliesen verziert ist. Vor dem Konzert werden Wein und portugiesische Spezialitäten serviert.

Magenknurren in der Nacht?

Wen nach all den süßen und salzigen Köstlichkeiten auch nachts noch der Hunger plagt, der sollte sich in der versteckten Bäckerei in der Rua da Rosa 186 ein pão com chouriço kaufen: Das Brot mit eingebackener Paprika-Räucherwurst kommt hier frisch aus dem Ofen.

Die Fragen stellte Julia Stanek.

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insgesamt 35 Beiträge
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    Seite 1    
1. Lissabon auf dem Sofa
dieweltsehen 14.07.2011
Zitat von sysopMojito schlürfen beim Sonnenuntergang, Mountainbiken in steilen Gassen: Reiseführer-Autor Johannes Beck verrät SPIEGEL-ONLINE-Lesern, was in Lissabon im Sommer Spaß macht - und dass sogar melancholische Fado-Sänger Sinn für Humor haben. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,774177,00.html
Lissabon kann man auch bequem auf dem Sofa "entdecken" - mit Filmen und Büchern aus und über die Stadt, James Bond war auch schon hier... http://maps.dieweltsehen.de/?dl=47&dla=o
2. .
het 14.07.2011
Zitat von dieweltsehenLissabon kann man auch bequem auf dem Sofa "entdecken" - mit Filmen und Büchern aus und über die Stadt, James Bond war auch schon hier... http://maps.dieweltsehen.de/?dl=47&dla=o
Was man baldigst "entdecken" sollte, sind die gewitzten, oft sehr jungen Taschendiebe, die bevorzugt in der Strassenbahnlinie 28, in den Aufzuegen und am Cais do Sodré ihr Unwesen treiben, besonders gern an alten und gehbehinderten Menschen. Wer hier lebt, erkennt sie auf Anhieb, der Tourist kann das nicht. Das hier mittlerweile eine regelrechte Plage entstanden ist, muss man auch mal darauf hinweisen.
3. Lissabon - einfach nur schön
Günter Butter 14.07.2011
Ich kann Lissabon nur empfehlen. Für mich einer der schönsten Städte Europas. Geschichte und Lebensfreunde in einem. Eine ganz tolle Atmosphäre!
4. Plagen
Portugiese 14.07.2011
Zitat von hetWas man baldigst "entdecken" sollte, sind die gewitzten, oft sehr jungen Taschendiebe, die bevorzugt in der Strassenbahnlinie 28, in den Aufzuegen und am Cais do Sodré ihr Unwesen treiben, besonders gern an alten und gehbehinderten Menschen. Wer hier lebt, erkennt sie auf Anhieb, der Tourist kann das nicht. Das hier mittlerweile eine regelrechte Plage entstanden ist, muss man auch mal darauf hinweisen.
Die Plage gibt es schon immer - ihr vorgehen: beim Eingang etwas fallen lassen, während der Partner weiter hinten die beginnende Panik/Unruhe beim Einsteigen benutzt, die Taschen zu leeren. Tip: immer die Hand an Hintern, auf der Börse - nie - nie - in der inneren Sakkotasche. Ausserdem heist es auch bei Frauen "Obrigado", das andere wäre eine Verbform, im Sinne, ich bin Ihnen verbunden/verpflichtet. Das Wort Danke heist "Obrigado" typische Hyperkorrektur, auch von ungebildeten Portugiesen verwendet. Kaffee: "Meia de máquina" probieren - weniger Milch, daher eher krätiger (1 x Espresso in normaler Tasse mit Milch aufgefüllt). Für die Nacht und zum schnellen Aufputschen: "Café com cheirinho" (cafe co scheiriniu) - Espresso mit etwas Tresterschnaps, kann auch mit Whiskey oder Brandy bestellt werden. Viel Spass! Ausserhalb der Stosszeiten ist Lissabon immer wieder der Hammer - auch nach jetzt 24 Jahren!
5. x
mmueller60 14.07.2011
Zitat von PortugieseTip: immer die Hand an Hintern, auf der Börse - nie - nie - in der inneren Sakkotasche.
Kommt mir unklug vor - aus der Gesäßtasche ist ein Portemonnaie schnell (hinter meinem Rücken) geklaut. Da finde ich selbst eine Sakkotasche noch sinnvoller, aber wer, insbesondere bei deutschen Touristen, trägt heutzutage noch in der Freizeit ein Sakko?
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Zur Person
DW/F.Craesmeyer
Johannes Beck, Jahrgang 1972, ist Leiter der Portugiesischen Hörfunk-Redaktion der Deutschen Welle und freiberuflicher Buchautor. In seinen Reiseführern über Lissabon und Umgebung kommt zum Ausdruck, wie gut er sich dort auskennt. Seit Anfang der neunziger Jahre hat Beck mehrere Jahre in Portugals Hauptstadt gelebt, für Updates seiner im Michael-Müller-Verlag erschienenen Bücher kehrt er regelmäßig - und jedes Mal voller Vorfreude - nach Lissabon zurück.

Buchtipp

Johannes Beck:
Lissabon.
'MM-City'. Zahlreiche farbige Abbildungen und Karten-Skizzen.

Michael Müller Verlag; 263 Seiten; 14,90 Euro.

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AP; DDP; Antje Blinda
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