Städtetipp Nürnberg: Franken-Food und Pegnitz-Picknick

Wenn am Wochenende der Christkindlesmarkt eröffnet, zieht es wieder glühweindurstige Touristen aus dem ganzen Land nach Nürnberg. Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer verrät, wo die besten Kneipen liegen, was man zum Punsch essen muss - und warum die Franken so melancholisch sind.

Städtetipp Nürnberg: Deluxe-Lebkuchen und fränkisches Fast Food Fotos
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Herr Nestmeyer, wo fängt der Tag in Nürnberg am schönsten an?

Keine Frage: im La Violetta. Der kleine Laden in der Altstadt - halb Blumenbinderei, halb Café - hat so viel Charme, dass man dort schnell die nötige Dosis Sanftmut für einen ganzen Tag tanken kann. Am Eingang betört der Geruch von Schnittblumen, aus der Theke strömt der Duft frisch gebackener Torten, und die Auswahl an losen Tees füllt eine Schrankwand.

Bevor es zum Christkindlesmarkt geht, ein bisschen Sightseeing. Was empfehlen Sie?

Hinauf zur Kaiserburg! Von der Freiung hat man einen herrlichen Blick über die gesamte Altstadt. In den Sommermonaten gelangt man zudem durch ein hölzernes Tor in der Nähe des Fünfeckturms in den idyllischen Burggarten. Er ist ein Kleinod mit tollem Blick auf die Festungsanlagen - und einer stets freien Sitzbank für eine kleine Pause.

Sehenswert ist auch das Reichsparteitagsgelände, wo die NSDAP zwischen 1933 und 1938 ihre Parteitage abgehalten hat. Die Nationalsozialisten haben den Nürnbergern mit der monumentalen Kongresshalle zwar ein schweres Erbe hinterlassen. Doch durch das Dokumentationszentrum und das Memorium Nürnberger Prozesse hat sich die Stadt geradezu mustergültig mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt.

Ein Stadtteil, den man nicht verpassen sollte ...

...ist St. Johannis. Er ist nicht nur einer der ältesten Vororte von Nürnberg, sondern bietet neben den berühmten Hesperidengärten und dem Johannisfriedhof, wo auch Albrecht Dürer begraben liegt, fast die höchste Restaurant- und Kneipendichte der Stadt. Nach einem Spaziergang entlang der Pegnitz erreicht man die Altstadt in wenigen Minuten.

Wo findet man in Nürnberg gute Weihnachtsgeschenke?

Rund um die Trödelmarktinsel mitten im Zentrum. Anders als der Name vermuten lässt, gibt es hier keinen Flohmarktramsch, sondern Schmuck, Möbel, Schuhe oder Holzspielzeug in kleinen Geschäften. In der Oberen Wörthstraße, nur ein paar Meter weiter, gibt es ein paar hübsche Modeboutiquen, Antiquitätenhändler und eine Buchbinderei.

Die Ostspitze der Trödelmarktinsel eignet sich im Sommer übrigens hervorragend für ein ausgiebiges Picknick. Wie ein steinerner Schiffsbug ragt die kleine Grünfläche dort in die Pegnitz. Jetzt im Winter sollten sich Nürnberg-Besucher jedoch lieber einen Glühwein auf dem Christkindlesmarkt genehmigen.

Und was isst man zum Punsch?

"Drei im Weckla" natürlich! Hinter dieser Bestellformel verbergen sich drei kleine Nürnberger Rostbratwürste, die man in einem aufgeschnittenen Brötchen gereicht bekommt. 2,50 Euro kostet das fränkische Fast Food an den meisten Ständen.

An welchem Stand kriegt man die besten Lebkuchen?

Da müssen Sie den Christkindlesmarkt schon verlassen: Dem Lebkuchen kommt in Nürnberg die Bedeutung eines Nationalheiligtums zu. Schon Goethe ließ sich das Gebäck nach Weimar schicken. Von der industriell hergestellten Variante hätte sich der Geheimrat sicher mit Grausen abgewandt, aber einen Elisenlebkuchen der Bäckerei Düll in der Bergstraße hätte er sicher nicht verschmäht.

Diese zwei Zentimeter dicken, sehr nussigen Lebkuchen werden nach einem alten Familienrezept von Hand zubereitet und sind ebenso lecker wie magenfüllend. Wem 9,25 Euro für fünf süß-würzige Taler zu teuer ist, fragt nach "Lebkuchenbruch" - schmeckt genauso gut, ist aber wegen kleiner Schönheitsfehler deutlich günstiger.

Ein ausgefallenes Mitbringsel aus Nürnberg:

Wie wäre es mit einem Zwetschgenmännle? Der "Zwedschgermoo" ist zwar auch ein Schimpfwort für einen dürren Menschen, aber in erster Linie versteht man darunter auf Draht aufgezogene gedörrte Früchte (vorzugsweise Zwetschgen), die mit Buntpapier und Minihüten zu lustigen Puppen verarbeitet werden. Findet man an zahlreichen Ständen am Christkindlesmarkt.

Wahre Worte:

"Frankn lichd nedd am Meer." (Helmut Haberkamm, Schriftsteller aus Dachsbach)

Wichtige Worte:

"Allmächd!" Die Nürnberger schaffen es, mit nur einem Wort das Staunen über die Welt, die irdischen Schrecken der Existenz und das Bedauern der Vergänglichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Was ist in Nürnberg umsonst und doch unbezahlbar?

Europas größte Freiluftveranstaltung mit klassischer Musik: das Klassik Open Air am Luitpoldhain. Ausgerüstet mit Picknickdecken und Klapptischen strömen jedes Jahr Ende Juli, Anfang August mehr als 100.000 Menschen herbei, um sich von den Nürnberger Symphonikern und den Nürnberger Philharmonikern verzaubern zu lassen.

Widerlegtes Klischee:

Nürnberg ist die langweiligste Großstadt Deutschlands. Das zumindest ermittelten Meinungsforscher vor fast 20 Jahren, was eine tiefe Wunde ins Selbstbewusstsein der Nürnberger riss. Seither bemüht man sich, gegen das Stigma, "spießig" und "provinziell" zu sein, anzukämpfen.

Inzwischen düsen nicht nur fahrerlose U-Bahnen durch den fränkischen Sandboden, nein, Nürnberg ist zum Zentrum einer Metropolregion aufgestiegen und glänzt mit spektakulärer Architektur wie beim Neuen Museum und kulturellen Großveranstaltungen wie der Blauen Nacht, in der grelles Laserlicht die Stadt erleuchtet.

Der SPIEGEL attestierte den Nürnbergern einst eine "an Gemütskrankheit grenzenden Melancholie" - keine schlechte Beobachtung: Ohne die kann ein wahrer Fußballfan das ewige Bundesliga-Auf-und-Ab des "Glubbs" einfach nicht ertragen.

Wer macht das beste Eis der Stadt?

Bevor Zwei-Sterne-Koch Andree Köthe beim Nachtisch seine so cremigen wie exotischen Eiskreationen serviert, muss man sich im Restaurant Essigbrätlein erst durch ein mehrgängiges Menü arbeiten. Man fragt sich, warum Köthe, der vom Gourmetführer Gault Millau gerade zum Koch des Jahres gekürt wurde, noch keine Nobeleisdiele eröffnet hat. Mir wäre eine Kugel von seinem Pfeffereis jederzeit fünf Euro wert.

Wo gibt es das schönste Nürnberg-Panorama für ein Foto?

Wer den besten Burgblick sucht, muss ins Parkhaus in der Adlerstraße. Dort geht es mit dem Aufzug sieben Stockwerke hinauf und dann durch eine Feuerschutztür auf das offene Parkdeck. Im Winter nimmt man sich am besten noch eine Tasse Glühwein mit und genießt die Aussicht auf die Kaiserburg.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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1. Der Franke spricht nicht.
Bono Beau 24.11.2011
Zitat von sysopWenn am Wochenende der Christkindlesmarkt eröffnet, zieht es wieder glühweindurstige Touristen aus dem ganzen Land nach Nürnberg. Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer verrät, wo die besten Kneipen*liegen, was man zum Punsch essen muss - und*warum die Franken so melancholisch sind. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,799098,00.html
Nein, Nürnberg ist nicht die langweiligste Großstadt der Republik. Das ist ein Mißverständniss. Ich werde nie den ersten Abend in Nürnberg vergessen: dachte, ich guck' mal, wo was los ist - und...? Nirgends. Nix. Bin später dann in die Altstadt von Fürth gezogen. Das ist ehrliche Kleinstadt und wie auf'm Land. Drei Minuten zum Fluss und schön weite Wiesen. Und woran liegt's? Das man ein Witz illustrieren: Ein Franke will mit seinem Freund in die Kneipe. Macht die Tür auf, guckt rein: 5 Tische, an jedem sitzt eine Person. Dreht sich wieder um und sagt: "Geht nicht. Schon voll."
2. ...
Liquid 24.11.2011
Zitat von sysopWenn am Wochenende der Christkindlesmarkt eröffnet, zieht es wieder glühweindurstige Touristen aus dem ganzen Land nach Nürnberg. Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer verrät, wo die besten Kneipen*liegen, was man zum Punsch essen muss - und*warum die Franken so melancholisch sind. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,799098,00.html
ja nürnberg ist schon schön, ist ja meine wahlheimat und ich kann den aussagen nur zustimmen, das parkhaus adlerstraße oder auch das parkhaus katharinekloster bieten den besten blick zur burg. und der johannisfriedhof ist bei einer besichtigungstour mit feunden auch immer dabei! als weiteren genußtip kann ich den 'schanzenbräu' in der adam-klein-straße 27 empfehlen, einfach das beste nürnberger bier!!! (vom interieur nicht erschrecken lassen, das gehört so) und als weitere spezialät darf das 'Schäufele' nicht fehlen. die mentälität der franken ist schon etwas spezielles und die aussage mit 5 tischen und je ein gast, ist zum teil immer noch war.
3. Wann
calido46 24.11.2011
liebe/r bobo beau, waren Sie denn dort? Wir waren im Juni in N und wohnten direkt am Josephsplatz. Und wir haben uns nicht gelangweilt, ganz im Gegenteil! Ich war schon in vielen Städten in D, aber solch eine schöne Altstadt = Fußgängerzone habe ich selten gefunden. Außerdem ist der Franke nicht melancholisch, sondern erst mal abwartend. Hat man ihn aber erst mal zum Freund gewonnen, hält dies ein Leben lang!
4. Das Mißverständis: Nürnberg ist gar keine Großstadt ...
Bono Beau 24.11.2011
Zitat von calido46liebe/r bobo beau, waren Sie denn dort? Wir waren im Juni in N und wohnten direkt am Josephsplatz. Und wir haben uns nicht gelangweilt, ganz im Gegenteil! Ich war schon in vielen Städten in D, aber solch eine schöne Altstadt = Fußgängerzone habe ich selten gefunden. Außerdem ist der Franke nicht melancholisch, sondern erst mal abwartend. Hat man ihn aber erst mal zum Freund gewonnen, hält dies ein Leben lang!
...hat nur mehr Häuser als - sagen wir mal - Buxtehude. Um mich zu legitimieren: Ich bin sogar dort. Gut 10 Jahre "Metropolregion" dürften für einen ersten Eindruck wohl reichen. Nun gut - wer auf Puppenstuben steht, findet nette Ecken zum Gucken. Wer aber Esprit, Offenheit, Anregung und Unterhaltung sucht..... oups... hat sich verlaufen. Der ist in Köln, sogar in Hamburg echt besser bedient. Für Spießer hingegen: perfekt!
5. Gastrotip
Mocs 24.11.2011
Zitat von Liquidja nürnberg ist schon schön, ist ja meine wahlheimat und ich kann den aussagen nur zustimmen, das parkhaus adlerstraße oder auch das parkhaus katharinekloster bieten den besten blick zur burg. und der johannisfriedhof ist bei einer besichtigungstour mit feunden auch immer dabei! als weiteren genußtip kann ich den 'schanzenbräu' in der adam-klein-straße 27 empfehlen, einfach das beste nürnberger bier!!! (vom interieur nicht erschrecken lassen, das gehört so) und als weitere spezialät darf das 'Schäufele' nicht fehlen. die mentälität der franken ist schon etwas spezielles und die aussage mit 5 tischen und je ein gast, ist zum teil immer noch war.
Das habe ich hier http://www.schaeufele.de/das-gasthaus.html gern und gut gegessen - kann ich nur empfehlen.
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Buchtipp

Zur Person
  • Ralf Nestmeyer, Jahrgang 1964, ist Verfasser diverser Reiseführer, die im Michael Müller Verlag erschienen sind. Darin schreibt der Historiker über die schönsten Reiseziele Englands und Frankreichs - von Cornwall über die Côte d'Azur - und widmet sich in einem Buch auch seiner Heimat Nürnberg.
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