Städtetipp Tokio: Ring der guten Aussicht

Hinterlistige Taxitüren, ewig haltbares Sushi und Pfannkuchen mit Weißkohl: Tokio hält jede Menge Überraschungen für westliche Touristen bereit. Wer die Tipps von Reiseführer-Autor Axel Schwab kennt, ist vorbereitet - und kennt die wichtigste Vokabel für überfüllte U-Bahnen.

Metropole Tokio: Sushi, Sumimasen und der Schuhtick Fotos
Axel Schwab

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Wie startet man in Tokio am besten in den Tag:

Mit einem Frühstück in einem typisch japanischen Hotel, einem Ryokan, das aus Reis, Misosuppe, gebratenem Fisch und eingelegtem Gemüse besteht. Wem vor einer Nacht auf harten Reisstrohmatten graut, bucht sich ein Zimmer im Park Hotel Tokyo im Stadtteil Shiodome und verspeist im dortigen Restaurant Hanasanshou ein Sterne-Frühstück.

Wer unbedingt Backwaren nach deutschem Rezept kaufen möchte, findet diese täglich ab 10 Uhr bei Kimuraya in der Einkaufsstraße Ginza.

Ein Viertel, das man nicht verpassen sollte:

Harajuku. Die Straße Takeshita-Dori ähnelt einem Laufsteg, auf dem sich die jungen Leute gegenseitig mit ausgeflippten Outfits übertreffen. In den Mode-Boutiquen warten die neuesten Kollektionen auf Käufer, in den Galerien der Design Festa geht es mit Kunst-Shopping weiter.

Wenn die Reizüberflutung nicht mehr auszuhalten ist, kann man im Restaurant Sakuratei eine Verschnaufpause einlegen. Nach einem japanischen Pfannkuchen mit Weißkohl und Tintenfisch - einem Okonomi-yaki -, den man selbst am Tisch zubereitet, geht's dann in den Yoyogi-Park. Auf keinen Fall die Elvis-Doubles verpassen, die mit schmalziger Locke das Tanzbein schwingen.

Was eine Dosis Koffein kostet:

Der günstigste Kaffee kommt in Japan heiß oder eisgekühlt aus der Dose eines der unzähligen Getränkeautomaten und kostet dann nur 130 Yen (1,25 Euro). Bei der japanischen Kette Doutor zahlt man 200 Yen (1,90 Euro) pro Tasse, und dann gibt es noch 262 Starbucks, wo die Preistafel erst bei 300 Yen (2,85 Euro) beginnt.

Schöne Aussichten:

Das Seaside Top befindet sich im 40. Stock des World Trade Center Building direkt am Bahnhof Hamamatsucho. Nicht ganz so überlaufen wie Roppongi Hills und Tokyo Tower ist der Wolkenkratzer unter Fotografen ein Geheimtipp, von dort bieten sich sehr schöne Aussichten auf die Tokio-Bucht und Richtung Stadtzentrum. Der Eintritt ist mit 620 Yen (5,90 Euro) vergleichsweise günstig.

Der Zutritt auf die Aussichtsplattform im Rathaus von Tokio in Shinjuku ist sogar kostenlos, sie ermöglicht an klaren Wintertagen einen herrlichen Blick auf den Berg Fuji. Montag bis Freitag werden von 10 bis 15 Uhr im Südobservatorium auch Führungen auf Englisch angeboten.

Einmal mit diesem Verkehrsmittel fahren:

Die beste Bahnlinie, um Tokio zu erkunden, ist der Ring der Yamanote-Linie. Da die Strecke weitgehend auf erhöhtem Niveau durch die Stadt verläuft, kann man beim Vorbeifahren das geschäftige Treiben in den Straßen beobachten. Für die circa 35 Kilometer lange Strecke benötigt man eine knappe Stunde, während man 29 Bahnhöfe passiert. Die Züge fahren während der morgendlichen und abendlichen Rushhour im Zwei-Minutentakt und tagsüber alle drei bis vier Minuten.

Mittagspause hier verbringen:

Der Hama-Rikyu-Park ist eine ruhige Oase mitten im Großstadtdschungel und liegt in der Nähe des Bahnhofs Shimbashi. In einem See folgt der Wasserpegel den Gezeiten, da er über einen Kanal mit der Tokio-Bucht verbunden ist. In dem Teehaus in der Mitte des Sees können Sie leckeres Zuckergebäck oder ein Stück süße Bohnenpaste testen - ein herrlicher Kontrast zum bitteren Geschmack des Grüntees. Eintritt 300 Yen (2,85 Euro).

Gibt's nur hier:

Taxis mit automatischen Türen. Der Kunde ist in Japan wirklich König, ihm wird beim Ein- und Aussteigen ins Taxi meistens die Tür aufgehalten. Das macht der Fahrer mittels einer Mechanik von innen. Daher sollte man sich nicht erschrecken, falls einem beim Erstkontakt die Tür entgegenknallt.

Wichtige Worte:

In der U-Bahn, auf einer Rolltreppe oder in einer Sushi-Bar - in Tokio steht man sich eigentlich überall und ständig im Weg. Haucht Sie jemand mit dem Zauberwort Sumimasen an, sollten Sie Platz machen. Sumimasen bedeutet "Entschuldigung, darf ich stören?" und kann für jeden Zweck und immer verwendet werden, auch wenn man Verkäufer oder Kellner ansprechen oder Fremde nach dem Weg fragen möchte. Sumimasen?

Bestätigtes Klischee:

Die Japaner sind die höflichsten Menschen der Welt? Stimmt. Selbst Besoffene ziehen sich die Schuhe aus, wenn sie es sich sturztrunken auf einem U-Bahn-Sitz gemütlich machen. Wo auch immer man Wohnräume betritt: Schuhe aus!

Umsonst und doch unbezahlbar:

Eine Spaziergang durch das riesige Areal des Ostgartens des Kaiserpalastes (geöffnet nur dienstags bis donnerstags und am Wochenende von 9 bis 16.30 Uhr). Neben dem hübsch angelegten Ni-No-Maru-Garten sollten Sie unbedingt auch das Fundament der 400 Jahre alten Edo-Burg oder den Aussichtspunkt erklimmen. Der Blick über den Garten auf die dahinterliegenden Wolkenkratzer des Bankenviertels ist einfach atemberaubend.

Ein ausgefallenes Mitbringsel:

Am liebsten möchte man ja was von dem leckeren Sushi mitbringen, was die Flugreise jedoch kaum überstehen würde. Unbegrenzt haltbar sind dagegen die Sushi-Plastikmodelle, welche unzählige Geschäfte in der Kappabashi-Dori in der Nähe des Tempelbezirks Asakusa anbieten. Besonders echt wirken die Sushi mit Shrimps und Tunfisch.

Für die Nacht:

Richtig abrocken zu Musik aus den Siebzigern kann man im Bauhaus. Die Live-Band besteht aus Barangestellten, die abwechselnd in der Küche stehen, die Gäste mit Getränken bedienen und in unterschiedlichen Besetzungen auf der Bühne auftreten. Gelegentlich spielen auch Gäste, und so mancher berühmte Schlagzeuger hatte hier schon einen spontanen Sonderauftritt, wovon die Fotos von Lars Ulrich und Carmine Appice an der Wand zeugen.

Danach zieht man durch die umliegenden Discos im Vergnügungsviertel Roppongi, stärkt sich mit einer Ramen-Suppe im Nudelsuppen-Restaurant Ichiran und feiert dann bis 5 Uhr morgens mit der internationalen Community in der Bar A971.

Und wo gibt es eigentlich das günstigste und frischeste Sushi?

In den Restaurants rund um den Tsukiji-Fischmarkt in der Nähe der Shoppingmeile Ginza. Nirgends lässt sich preiswerter und besser Sushi genießen, auf Wunsch auch schon morgens um 6 Uhr zum Frühstück. Mein Lieblingsrestaurant ist das kleine Matakoiya. Günstiger und frischer finden Sie keine Schale mit rohen Tunfischstücken auf Reis, die man Tekka-don nennt.

Wie ist die Situation nach der Katastrophe in Fukushima?

Das Leben in Tokio ist nach der Katastrophe im März wieder zur Normalität zurückgekehrt. Vom Erdbeben selbst war Tokio nur wenig betroffen, und die Katastrophenreaktoren von Fukushima liegen immerhin 240 Kilometer entfernt. Öffentliche Verkehrsmittel, Hotels, Restaurants und Geschäfte arbeiten wie vorher. Lediglich einige Museen und Aussichtsplattformen haben ihre Öffnungszeiten leicht verkürzt. Am ehesten fällt die reduzierte Beleuchtung im Straßenbild auf, so wird jetzt Strom gespart.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Viele überraschende Orte
rababba 02.11.2011
Tokio ist nie langweilig, denn überall kann man besondere Momente erleben. Man kann zum Beispiel mit einer computergesteuerten Bahn über die Rainbow- Brigde über die Bucht bis zur Station Daiba fahren und in einem Kaufhaus in der obersten Etage sehr nett essen mit einem atemberaubenden Blick über die Bucht. Oder man kann einen gruseligen Tempel (Senganku- Ji) besuchen, in dem 47 Krieger (Ronin) begraben sind, die ihren Samurai rächten, in dem sie seinen Gegner töteten um sich dann anschließend selbst umzubringen. Oder man kann ein Haus des Kaufhauses Mitsukoshi aufsuchen, dass etwas schwierig zu finden ist, dafür aber eine unglaubliche Abteilung mit Kimonos und Kimonostoffen hat: "Location Chuo-ku, Ginza & Nihombashi, Transportation Station: Mitsukoshimae (1 min.)". Oder im Meiji- Shrine eine Shinto- Hochzeit ansehen. Oder, oder, oder.....
2. Auf Thema antworten
Reg Schuh 02.11.2011
---Zitat--- Danach zieht man durch die umliegenden Discos im Vergnügungsviertel Roppongi, stärkt sich mit einer Ramen-Suppe im Nudelsuppen-Restaurant Ichiran und *feiert* dann bis 5 Uhr morgens mit der internationalen Community in der Bar A971. ---Zitatende--- Inzwischen hat das Wort "Feiern", und zwar als Umschreibung von sich betrinken und evtl tanzen, auch schon den Weg in die Presse gefunden - und zwar nicht nur aus Frauenmund wie vor 5 Jahren noch. Das Feiern ohne irgendeinen Anlaß ist ein Konzept, das mir immer noch fremd geblieben ist... Ansonsten sind die Reisetipps ganz nett, man muß in Tokyo sonst sicher aufs Geld schauen. Was noch fehlt ist das Elektronik-Viertel - mir ist leider derName entfallen. Noch Tipp für die U-Bahn: Es gibt Abteile, die für Frauen reserviert sind. Der Grund sind Grabscher in vollen Zügen. Als Ausländer wird man zwar von niemandem drauf angesprochen, wenn man sich falsch verhält, dazu sind die Japaner i.a. zu zurückhaltend, aber es muß ja nicht sein... Und ein ganz persönlicher Rat von mir: Zum Frühstück ruhig mal im Ryokan den gekochten Tofu mit Frühlingszwiebeln probieren. Auch als Nicht-Vegetarier. Was Ostasiaten mit Tofu machen können ist einfach wunderbar.
3. Tokio gehen die Touristen aus
pascalberlin_2 02.11.2011
Zitat von sysopHinterlistige Taxitüren, ewig haltbares Sushi und Pfannkuchen mit Weißkohl: Tokio hält jede Menge Überraschungen für westliche Touristen bereit.*Wer die Tipps von*Reiseführer-Autor Axel Schwab kennt, ist vorbereitet - und kennt die wichtigste Vokabel für überfüllte U-Bahnen. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,793682,00.html
Ich glaube ich würde eher Base Jump'en als ins verstrahlte (deutlich höher als vorher!) Tokio zu reisen. Das wahre Ausmaß Fukushimas wird ja nach wie vor verharmlost.
4. i <3 Tokio :-)
a-mole 02.11.2011
Zitat von Reg SchuhInzwischen hat das Wort "Feiern", und zwar als Umschreibung von sich betrinken und evtl tanzen, auch schon den Weg in die Presse gefunden - und zwar nicht nur aus Frauenmund wie vor 5 Jahren noch. Das Feiern ohne irgendeinen Anlaß ist ein Konzept, das mir immer noch fremd geblieben ist... Ansonsten sind die Reisetipps ganz nett, man muß in Tokyo sonst sicher aufs Geld schauen. Was noch fehlt ist das Elektronik-Viertel - mir ist leider derName entfallen. Noch Tipp für die U-Bahn: Es gibt Abteile, die für Frauen reserviert sind. Der Grund sind Grabscher in vollen Zügen. Als Ausländer wird man zwar von niemandem drauf angesprochen, wenn man sich falsch verhält, dazu sind die Japaner i.a. zu zurückhaltend, aber es muß ja nicht sein... Und ein ganz persönlicher Rat von mir: Zum Frühstück ruhig mal im Ryokan den gekochten Tofu mit Frühlingszwiebeln probieren. Auch als Nicht-Vegetarier. Was Ostasiaten mit Tofu machen können ist einfach wunderbar.
Akihabara Kann ich nur unterstützen. Diese kleinen köstlichen Wabbelklötzchen sind ein Hit. So seidenweich, frisch und kühl. Nicht das was man hier so kennt. Aber es gibt ja auch 100erte verschiedener Tofuarten (wie Käse). Und eine kühle Udonsuppe im Sommer ist auch was feines WIe oben auch schon bemerkt ist der MEji Schrein samt PArk def. auch einen Besuch Wert. Oder generelles durch die Gassen schlendern .Ich bin immer wieder begeistert wie selbst in den trubeligsten Stadtteilen (Shinjuku etc) es sofort fast ländlich und idyllisch wird sobald man 2 mal von ner Hauptstraße abbiegt. Eine tolle Stadt, ein tolles Land (auch wenn's ne gute STange Geld kostet)! oh Gott ich bekomm schon wieder Japan Fernweh :-(
5. Taxis mit automatischem
Thaichris 02.11.2011
Türöffner gibt es auch in Macau, also nix, das gibt es nur hier.
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Zur Person
  • artissimo / G. Schröter
    Axel Schwab, geboren 1971, zog es erstmals während seines Studiums nach Japan. Nachdem er fünf Jahre in dessen Hauptstadt lebte, füllte er das Tokio-Kapitel des Stefan Loose Travel Handbuchs über Japan mit Leichtigkeit. Schwabs Städteführer "Labyrinth Tokio" gibt es bereits in einer zweiten Auflage. Darin führt er seine Leser auf 38 Spaziergängen durch den Großstadtdschungel und in Tokios Umgebung.
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