Städtetouren Gefragt sind Huren als City-Guide

Die Stadtrundfahrt nach alter Väter Sitte lockt kaum noch Touristen. Ein organisierter Spaziergang durchs Rotlichtmilieu oder die Erkundung von Geheimgängen ist dagegen en vogue - eine neue Herausforderung für die Reiseführer.


Hamburger Reeperbahn: Interesse an Themenführungen wächst
DDP

Hamburger Reeperbahn: Interesse an Themenführungen wächst

Berlin - "Eine normale Stadtrundfahrt kennen die meisten und finden das langweilig. Viele wollen etwas Authentisches erleben", sagt Gisela Bianco, Vorsitzende des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland. Touristen in Deutschland seien immer mehr an Abenteuern und ungewöhnlichen Erlebnissen bei der Erkundung ihres Urlaubsortes interessiert.

Deshalb wachse das Interesse an Themenführungen. So stünden historischen Rundgänge in zeitgenössischen Kostümen, Nachtspaziergängen und Erlebnistouren wie "Hurenführungen" durch das Hamburger Rotlichtmilieu hoch im Kurs. "Dazu gehört auch, dass die Gruppe in ein einschlägiges Lokal geht und beobachtet, wie Geschäfte abgewickelt werden", erläuterte Bianco. Es zähle immer mehr, hautnah etwas zu erleben. "Für Touristen ist es beispielsweise sehr spannend, die versteckten Gänge in einem Herrenhaus zu erkunden, in denen sich das Dienstpersonal bewegen musste."

Unbedingt notwendig sei aber bei solchen Führungen, dass auf soziale Verträglichkeit geachtet werde. Man müsse sich mit den Betroffenen absprechen und dürfe auf keinen Fall stören oder aufdringlich sein. Gerade wegen der steigenden Besucherzahlen in vielen Gegenden Deutschlands sei nachhaltiger Tourismus sehr wichtig. Neben der Sozialverträglichkeit gehöre dazu auch die Kultur- und Naturvereinbarkeit.

"In den letzten zehn Jahren ist das Bewusstsein für nachhaltigen Tourismus auch bei den Gästeführern gewachsen, es geht aber nicht schnell genug", kritisierte Bianco. Eine einheitliche und hochwertige Qualifizierung der Gästeführer sei für den Gästeführerverband deshalb das wichtigste Anliegen in der Zukunft. In diesem Jahr feiert die Organisation ihr zehnjähriges Bestehen.

Bianco verwies auch auf die verschiedenen Interessen der Kunden. So gebe es Urlauber, die für wenig Geld möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erleben wollten. Andere stellten hingegen hohe Qualitätsansprüche an die Führungen und legten Wert auf individuelle Betreuung und Detailwissen. Oft handle es sich dabei um ältere Besucher. Wegen der demographischen Entwicklung werde der Bedarf an individuellen und hochwertigen Tourangeboten in den kommenden Jahren wachsen, prognostiziert die Verbandsvorsitzende.



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