Perfekter Tag in Tallinn Estland, ein Wintermärchen

Baltische Leckereien, heißer Glögg, Fackeln und Lichterspiele: Wenn es friert und schneit, hält Tallinn mit Gemütlichkeit dagegen. Doch die estnische Hauptstadt hat auch alternative und technikverrückte Seiten. Wir geben die besten Tipps für einen Kurztrip.

Tallinn Tourist Office

Thorsten Altheide ist Reiseführer-Autor. Zuletzt lebte er ein Jahr lang mit seiner Familie in Tallinn, um dort die schönsten Ecken zu erkunden und Estnisch zu lernen. Im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen verrät er, warum die Stadt gerade im Winter ein tolles Reiseziel ist.

Herr Altheide, wo in Tallinn gibt es das beste Frühstück?

Wer es richtig estnisch will, ist im Kamahouse richtig. Unbedingt probieren: Grießbrei mit Butter und Marmelade oder Spiegelei mit Speck. Das Café Elsebet im Zentrum serviert leckere Piroggen, das sind gefüllte Teigtaschen, die es in allerlei Geschmacksrichtungen gibt: mit Hackfleisch, Kohl, Pilzen oder Curryhühnchen.

Welchen Stadtteil außer dem Zentrum muss man gesehen haben?

In Kalamaja haben sich auf einem heruntergekommenen Industriegelände Proberäume, Ateliers, Flohmärkte und alternative Bars angesiedelt - so entstand der Kreativcampus Loomelinnak. Einige Holzhäuser des Viertels haben bereits bunte Anstriche, anderswo wirkt die Gegend noch recht verfallen.

Mondäner geht es in Kadriorg zu, das zu den bevorzugten Wohngegenden gehört. Trotzdem hat es seinen Charme bewahrt. Wer unter den alten Bäumen entlang der bunten Holzhäuser spazierengeht, entdeckt die eigentliche Seele Tallinns.

Schöne Aussichten

…haben Touristen von den beiden Aussichtspunkten auf dem Domberg. Wenn die Sonne untergeht, taucht sie die Türme der Unterstadt in ein romantisches Licht. Mutige wagen sich zum Edgewalk auf den wiedereröffneten Fernsehturm. In 175 Meter Höhe ist hier Nervenkitzel garantiert - und bei gutem Wetter auch eine Aussicht bis zur finnischen Küste.

Ein leckerer Lunch besteht aus…

...Pilzen, Beeren, Roter Bete und Äpfeln - das Restaurant Leib am Rande der Altstadt arrangiert einfache Zutaten zu echten Leckereien. Der kleine Garten des Lokals ist eine echte Oase.

Welches Esten-Klischee findet man in Tallinn bestätigt?

Die Technikverrücktheit im Land der Skype-Erfinder ist wirklich bemerkenswert. Überall freies W-Lan, der ganze Alltag ist per SMS und Chipkarte auf dem Personalausweis zu bewältigen. Für Touristen ist das praktisch, denn sie haben in fast jedem Café und an vielen öffentlichen Orten in der Innenstadt kostenlosen Internetzugang.

Wie wärmen sich Touristen im Winter?

Mit einem kräftigen Schluck Vana Tallinn, dem bei Einheimischen äußerst beliebten Kräuterlikör. Die Stimmung in der Stadt erwärmt in der Weihnachtszeit übrigens auch die Herzen. Vor den Cafés brennen Kerzen und Fackeln, die Straßen sind stimmungsvoll beleuchtet. In diesem Jahr fand Ende November die erste Lichtbiennale statt, ein neues Festival für Lichtkunst. Es gibt seit einigen Jahren auch einen Weihnachtsmarkt.

Worin unterscheidet er sich von deutschen Weihnachtsmärkten?

Durch andächtige Stille. Es gibt zwar Glögg, Blutwurst und Sauerkraut, und Kinder können sich auf einer Rodelbahn vergnügen. Ein Rummelplatz wie in deutschen Städten ist der Markt aber nicht, eher ein Weihnachtswunderland. Ein Weihnachtsmann empfängt Kinder in seinem Haus, daneben gibt es ein Gehege mit Rentieren, die sich streicheln und füttern lassen. Der aktuelle Markt läuft noch bis zum 8. Januar.

Was hat Tallinn im Winter noch zu bieten?

Wer es sportlich mag, kann mitten in der Altstadt neben der Nikolaikirche Schlittschuhlaufen gehen, sobald es kalt genug ist. Das Filmfestival der Dunklen Nächte in der zweiten Novemberhälfte ist der Höhepunkt des estnischen Kinojahrs. Ende November bis Mitte Dezember folgt die Winterausgabe des Tallinner Jazzfestivals.

Wohin kann man fliehen, wenn es einfach zu voll wird?

Dann ist das Freilichtmuseum etwas außerhalb der Stadt eine gute Idee. Die historische Schänke dort bietet günstiges und gutes Essen, es eröffnet sich ein schöner Blick über die Tallinner Bucht. Selbst wenn das Museum gut besucht ist, gibt es auf dem weitläufigen Gelände noch genügend stille Wege.

Ausgefallene Mitbringsel wären…

...Küchenutensilien aus Wacholderholz. Die sehen hübsch aus und duften noch lange nach rauer nordischer Natur - und sie sind im Gegensatz zum überall angebotenen Bernstein und den Matrjoschkas echt estnisch. Neben Buttermessern und Topfuntersetzern findet man auch kunstvoll geschnitzte hölzerne Bierkrüge.

Wo erlebt man eine unvergessliche Nacht?

Die Altstadt ist mit Restaurants, Bars und Clubs gepflastert. Empfehlenswert sind der Pub Hell Hunt, die Nimeta Baar mit guter Party-Atmosphäre oder das alternative Must Puudel, wo die Gäste entspannt im Retro-Ambiente speisen.

Die Fragen stellte Julia Stanek


Buchtipp: "CityTrip Tallinn". Reise Know-How; 144 Seiten; 9,80 Euro

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