Städtetipp Dresden: Sommer auf den Elbwiesen

Plattenbauten, Radwege, solarbeheizte Freibäder: Wer hat Dresden eigentlich den Namen "Elbflorenz" verpasst? Reisebuchautor Dietrich Höllhuber verrät, was die sächsische Landeshauptstadt der Toskana-Metropole voraus hat - und wo das Eis wenigstens annähernd so gut ist wie in Italien.

Dresden: Schönheit an der Elbe Fotos
dapd

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

SPIEGEL ONLINE: Herr Höllhuber, wo in Dresden fängt der Tag am schönsten an?

Höllhuber: Auf dem Elberadweg zwischen dem "Blauen Wunder" und der Augustusbrücke. Morgens blinkt der goldene Engel auf dem Dach der Hochschule für Bildende Künste besonders schön im Sonnenlicht - und man hat den Weg noch weitgehend für sich.

SPIEGEL ONLINE: Nach einer Frühtour haben sich Radler einen Kaffee verdient. Wohin geht's?

Höllhuber: Wer nur eine Dosis Koffein will, der geht am besten ins Stehcafé der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei im Hauptbahnhof. Atmosphärischer schlürft es sich bei Charlottes Enkel, einer Espressobar am Schillerplatz: kaum Platz zum Umdrehen, dafür Mini-Cupcakes in Knallfarben und das Tässchen für 1,60 Euro. Früher hätte man vielleicht nach einem Schälchen Heeßen verlangt - heute bestellen die meisten Cappuccino oder Caffè Latte.

SPIEGEL ONLINE: Eine schöne Aussicht auf Dresden...

Höllhuber: ...hat man von der Terrasse des Restaurants Luisenhof. Den steilen Elbhang in Loschwitz bewältigt man am besten mit Hilfe der Standseilbahn. Seit 1895 zieht sie Menschen durch zwei Tunnel über fast hundert Höhenmeter hinauf zum Weißen Hirschen, dem Villenstadtteil von Dresden. Wer den Bestseller "Der Turm" gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass Uwe Tellkamp seinen Romanhelden schon auf Seite 16 zur Standseilbahn eilen lässt.

SPIEGEL ONLINE: Ein Dresden-Klischee, das nicht stimmt…

Höllhuber: ...ist die Bezeichnung "Elbflorenz". Zugegeben, Dresden und Florenz sind beide ästhetisch reizvoller als Bochum oder Herne und liegen an einem Fluss. Was Semperoper und Striezelmarkt, Plattenbauten in Prohlis, Dynamo Dresden und Nanoindustrie allerdings mit Florenz zu tun haben, lässt sich schon schwerer belegen.

SPIEGEL ONLINE: Aber ein richtig gutes Gelato gibt es sicher auch in Dresden, oder?

Höllhuber: Ja, im "Eisverkauf" am Schillergarten. Der wenig originelle Name des Ladens entspricht zwar der Auswahl an Sorten. Trendige Erfindungen wie Basilikum-Limetten-Sorbet gibt es hier nicht. Dafür schmeckt das Eis nach dem, was drin sein soll, Aromastoffe sind hier tabu. Unbedingt probieren: Drachenfrucht. Die Kugel kostet 80 Cent.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn das zur Abkühlung im Sommer nicht reicht?

Höllhuber: Schwimmen gehen! Etwas außerhalb liegt am Stausee das Freibad Cossebaude. Es hat eine 86 Meter lange Rutsche und ist meistens nicht überfüllt. Wer direkt in der Stadt planschen will, geht ins Georg-Arnold-Bad gegenüber dem Großen Garten. Die Schwimmbecken sind mit Solarstrom beheizt, in einem kann man sich im Strömungskanal verausgaben.


+++++ Sie kennen ein verstecktes Café, eine schöne Radelroute oder andere Geheimtipps: Tragen Sie in der Weltkarte ein, was man in Dresden gesehen haben muss! +++++


SPIEGEL ONLINE: Und jetzt bitte ein wenig Kultur!

Höllhuber: Von der Neustadtseite aus können Sie die Perspektive des venezianischen Malers Bernardo Bellotto, genannt "Canaletto" (1722 bis 1780), einnehmen, der Dresdens Altstadt in eindrucksvollen Bildern festhielt - Frauenkirche und Brühlsche Terrasse inklusive. Nachdem Sie ein paar Fotos geknipst haben, können Sie in die Galerie Alte Meister im Semperbau des Zwinger gehen und Ihre eigenen Dresden-Ansichten auf dem Kamera-Display mit den Originalgemälden vergleichen.

SPIEGEL ONLINE: Wo erleben Musik-Fans einen tollen Konzertabend?

Höllhuber: Ob Staatskapelle in der Semperoper, Dresdner Philharmonie, Kreuzchor oder Frauenkirche - das musikalische Angebot an historischen Orten ist immens. Wer keine Karten mehr bekommt, sollte sich ein Konzert der Hochschule für Musik anhören; sie hat sich einen funkelnagelneuen Konzertsaal für ihr Orchester gebaut.


+++++ Welche Kulturtipps haben Sie für Dresden? In der interaktiven Reisekarte ist Platz für Ihre Empfehlungen. +++++


SPIEGEL ONLINE: Ein ausgefallenes Mitbringsel aus Dresden...

Höllhuber: ...ist Gummibärchengelee in Form der Frauenkirche - kürzlich im Haus des Buches an der Kasse gesehen.

SPIEGEL ONLINE: Und welche herzhafte Spezialität muss man probiert haben?

Höllhuber: Soljanka. Die russische Suppe ist eine der wenigen Kulturgüter in Dresden, die die DDR überlebte. Man serviert und genießt sie vor dem Sauerbraten mit Klößen und Rotkraut auf der Wanderhütte in der Sächsischen Schweiz und natürlich zum Aufwärmen in der kalten Jahreszeit. Das Gericht ist in Dresden so selbstverständlich wie Bockwurst mit Kartoffelsalat.

SPIEGEL ONLINE: Wo gibt es lauschige Lokale an der Elbe?

Höllhuber: Gleich rechts von der Augustusbrücke auf der Neustadtseite findet man einen empfehlenswerten Biergarten und unterhalb der Semperoper das Theaterschiff Kahnaletto. Hier kann man hervorragend zu Mittag essen - zum Beispiel ein italienisches Menü mit dreierlei Fisch samt Getränk zu 22,50 Euro.

SPIEGEL ONLINE: Ein Stadtteil, den man nicht verpassen sollte,...

Höllhuber: ...ist die Äußere Neustadt mit ihren Gründerzeitbauten und einem studentisch dominierten Publikum. Das Szeneviertel um Louisen- und Alaunstraße hat mehr Kneipen, Bistros, Bars und Galerien als der Rest der 530.000-Einwohner-Stadt zusammen. Wer Dresden als piefig oder spießig wahrnimmt, spürt hier die andere Seite der sächsischen Landeshauptstadt.

SPIEGEL ONLINE: Hier spielt sich auch das Nachtleben ab. Ein paar Empfehlungen?

Höllhuber: Unsterblich ist die Scheune, ein ehemaliger Jugendklub aus der Prä-1989-Ära. Wer den Abend mit guter Musik oder am Kickertisch verbringen will, der ist in Katy's Garage richtig. Und wer gute Cocktails schätzt, sollte in der Karl May Bar im Hotel Taschenberg Kempinski vorbeischauen. Tipp: Krawatte umbinden!

Die Fragen stellte Julia Stanek

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bild 9 Schillergarten
oli345 13.08.2012
Bild 9 von 14: " ...lädt der Schillergarten zu einer Erfrischung ein. Besonders empfehlenswert soll aber laut dem Dresden-Kenner Dietrich Höllhuber der Biergarten an der Augustusbrücke sein, der zentral auf der Neustadtseite liegt." Ist diese Info tatsächlich korrekt? Die Brücke im Hintergrund sieht nicht wie die Augustusbrücke aus.
2.
Onkel Uwe 13.08.2012
Zitat von oli345Bild 9 von 14: " ...lädt der Schillergarten zu einer Erfrischung ein. Besonders empfehlenswert soll aber laut dem Dresden-Kenner Dietrich Höllhuber der Biergarten an der Augustusbrücke sein, der zentral auf der Neustadtseite liegt." Ist diese Info tatsächlich korrekt? Die Brücke im Hintergrund sieht nicht wie die Augustusbrücke aus.
Möglicherweise, weil sich das Bild den Schillergarten bezieht, mit dem die Bildunterschrift beginnt. Wie das "aber" zeigt, soll der zweite Satz wohl eine zum Bild differente Empfehlung abgeben...
3. Bildunterschriften mangelhaft
CMDR 13.08.2012
Bild 10 zeigt nicht den Canalettoblick, auch wenn die Bildunterschrift dies suggeriert. Bild 6 kommt da eher hin. Ein weiteres Highlight sind die Filmnächte am Elbufer, das größte Freilichtkino-Festival der Welt vor atemberaubender Kulisse. Die laufen gerade. Filmnächte am Elbufer (http://de.wikipedia.org/wiki/Filmn%C3%A4chte_am_Elbufer)
4.
f_baer 13.08.2012
Zitat von sysopPlattenbauten, Radwege, solarbeheizte Freibäder: Wer hat Dresden eigentlich den Namen "Elbflorenz" verpasst? Reisebuchautor Dietrich Höllhuber verrät, was die sächsische Landeshauptstadt der Toskana-Metropole voraus hat - und wo das Eis wenigstens annähernd so gut ist wie in Italien. Tipps für Dresden: Die besten Cafés, Museen und Ausflüge - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,849053,00.html)
Herr Höllhuber hat leider wenig Ahnung von dem, was er da so erzählt... Die Bezeichnung "Elbflorenz" kam im 19. Jahrhundert auf und bezog sich sowohl auf die Lage als auch auf die Kunstsammlungen und die Architektur (Dresdner Barock). Und auch die Soljanka hat mit der DDR nichts zu tun sondern war bereits im 19. Jahrhundert ein Teil der ländlichen Küche in Osteuropa. Schade, dass hier soviel Unwissen in einer Reiseempfehlung gesammelt wird. Der selbsternannte Dresden-Kenner Höllhuber sollte doch lieber wieder über Mallorca schreiben.
5. Weitere Empfehlungen
Sique 13.08.2012
Zitat von sysopPlattenbauten, Radwege, solarbeheizte Freibäder: Wer hat Dresden eigentlich den Namen "Elbflorenz" verpasst? Reisebuchautor Dietrich Höllhuber verrät, was die sächsische Landeshauptstadt der Toskana-Metropole voraus hat - und wo das Eis wenigstens annähernd so gut ist wie in Italien. Tipps für Dresden: Die besten Cafés, Museen und Ausflüge - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,849053,00.html)
Zum Reinsetzen und Kaufen: Pfunds Molkerei (http://www.pfunds.de) - Angeblich der schönste Milchladen der Welt, in der Äußeren Neustadt an der Bautzner Straße. Zum Spazierengehen: Wachwitzer Weinberg mit Königlicher Villa und Rhododendrongarten - Buslinie 63 bis Calberlastraße, die Calberlastraße hinaufwandern bis zur Kreuzung Josef-Hegenbarth-Weg und dann dem Josef-Hegenbarth-Weg bis zum Ende der Straße folgen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Städtereisen
RSS
alles zum Thema Stadtgespräch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 29 Kommentare
  • Zur Startseite
Buchtipp

Zur Person
Dietrich Höllhuber, geboren 1943, hat mehr als 150 große Reisen in alle Erdteile unternommen und 30 Bücher geschrieben - vom "Wanderführer für Biertrinker" bis zum Reiseführer über den Jakobsweg. Für den Michael Müller Verlag verfasste er unter anderem den Reiseführer über die Stadt, in der er seit Jahren lebt: Dresden.
Fotostrecke
Sachsen: Die schönsten Burgen und Schlösser

Fotostrecke
Mecklenburg-Vorpommern: Die besten Lesertipps


Fotostrecke
Machen Sie mit: So funktioniert die Reisekarte