Der perfekte Tag in... Echt? Das ist Hannover?

Langweilig! So weit das Vorurteil über Niedersachsens Landeshauptstadt. Reisebuchautor Knut Diers sieht das ganz anders: Hier sind seine Tipps für einen perfekten Tag in Hannover.

Knut Diers

Zur Person
  • Diers Knut
    Knut Diers, Jahrgang 1959, ist in Hannover geboren und kehrte nach dem Geografiestudium in Gießen in seine Heimatstadt zurück. Er arbeitete als Redakteur bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 2008 machte er sich selbstständig. Seitdem schreibt er am liebsten Reisereportagen und Reisebücher - zum Beispiel über Hannover.
Auf nach Hannover, Herr Diers! Wo geht der Tag gut los?

Beim Joggen in der Eilenriede, einem der ausgedehntesten Stadtwälder Europas. Danach wird gegessen: ein Fünf-Elemente-Porridge im vegetarischen Carrots and Coffee im bunten Stadtteil List oder ein Langschläferfrühstück im Mezzo in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Wie verbringen Besucher den Vormittag am gelungensten?

Samstags ist der Flohmarkt am Leineufer in der Altstadt ein guter Startpunkt. 1967 eingerichtet, ist er einer der ältesten Deutschlands. Auch die Markthalle bietet sich an: Der "Bauch von Hannover" ist eine wunderbare Mischung aus Essständen, Exotik und Einheimischem.

Welchen Spaziergang durch die Stadt empfehlen Sie?

Von der Marktkirche schlendert man über den Platz vor dem Ballhof, wo abends unterhaltsames Theater geboten wird. Nach einer Rast im Teestübchen werfen Sie einen Blick in die 1333 geweihte Kreuzkirche. Wenn Sie Wünsche haben, drehen Sie dann am goldenen Ring des Oscar-Winter-Brunnens vor dem Leibnizhaus - alles, was Sie hier äußern, geht angeblich in Erfüllung! Später fahren Sie mit dem Bogenaufzug in die 97 Meter hohe Kuppel des Neuen Rathauses. Der Blick auf Maschpark, Maschsee und Innenstadt ist überragend, manchmal reicht die Sicht bis zum Harz.

Niedersachsens Hauptstadt haftet das Vorurteil an, auch eine Hauptstadt der Langeweile zu sein. Wo in Hannover wird es garantiert nicht langweilig?

Seit der Expo 2000 herrscht hier eine neue Lebensfreude - da hat die Welt Hannover wachgeküsst. Beim Spaziergang durchs kreative Linden wird das besonders deutlich. Kennen Sie den coolsten Millionär, den die Ratesendung von Günther Jauch je hervorbrachte? Er heißt Ralf Schnoor und betreibt hier das Café K mit regelmäßigen Krimi-Abenden. Guten Wein gibt es in der Weinundlachbar von Frau Weiß, die kennt sich auch mit den Roten wirklich gut aus. Stimmung kommt im JazzClub am Lindener Berg auf, wo schon Louis Armstrong zur Trompete griff. Zum Tanzen geht's ins Capitol und zum Lachen zu den Kabarettisten im TAK.

Welches Viertel sollte man beim Einkaufsbummel nicht auslassen?

Bevor es richtig losgeht, hören Sie mal: 100 Meter vor dem Hauptbahnhof Richtung Kröpcke schallt Musik aus einem Gullydeckel, rund um die Uhr! Zum Shoppen sollte man aber lieber in die List und nach Linden. Beide Viertel bieten Mode und Schmuck junger Designer, eigene Label abseits des Mainstreams sowie Handgemachtes. Für mich ist Linden alternativer, mit Läden wie Hut up, Anne Behne oder Damenwahl. Die List ist schicker.

Das perfekte Mitbringsel ist...

...zum Beispiel die "Kurfürstin Sophie". Diese neue Rosenzüchtung betört mit ihrem Duft und erinnert an den Zauber des Barockgartens Herrenhausen. Oder Sie greifen zu einer der Herrenhäuser Schokoladen. Meine Favoriten unter den sieben Sorten: "Chili Limone" und "Orange Sesam". Mit einem Lüttje-Lage-Set können Sie Ihre Fingerfertigkeit trainieren: Die Hannoveraner trinken die Schnaps-Bier-Kombination aus zwei Gläsern gleichzeitig. Am besten über dem Waschbecken üben!

Ein schöner Ort für eine Rast ist...

...das Ufer des Maschparkteiches mit Blick auf das Neue Rathaus und das Leineufer der Altstadt. Oder Sie ziehen sich für einen Moment in die 1943 weitgehend zerstörte Aegidienkirche zurück, die heute als Mahnmal für den Frieden dient - ein Ort der Stille mitten im Trubel. Und wenn Sie lieber über allem schweben möchten, empfehle ich die Skybar Sechs Sinne. Von dort haben Sie einen super Blick - an der längsten Theke der Stadt.

Und haben Sie auch einen Tipp für ein besonderes Mittagessen?

Ich gehe gerne zum Augenschmaus im Kunstverein, immer mittwochs um 12.30 Uhr. Zu einer Führung durch die aktuelle Ausstellung gibt es dann ein kleines Menü. Im Pier 51 am Maschsee schaut man übers Wasser und genießt deutsch-mediterrane Kost auf hohem Niveau. Ebenfalls gute Speisen und einen tollen Blick auf den hannoverschen Gardasee - wir lieben ihn wirklich! - bietet das bell'Arte im Sprengel Museum.

Unbedingt probieren sollte man dann:

Spargel, Hochzeitssuppe, Calenberger Pfannenschlag, Welfenspeise - sowie die lokalen Biersorten, Herrenhäuser zum Beispiel, Lindener oder das BUM-Bier, dessen Hersteller lokale Musiker unterstützen. Das Biobier Hanöversch gibt es zum Beispiel im Brauhaus Ernst-August, und das Restaurant Meiers Lebenslust bietet selbstgebrautes "Meiers" in allen möglichen Varianten.

Ein Tipp für Familien ist...

...der besonders schöne Zoo. Dort geht's im Boot durch die Sambesi-Landschaft, oder Sie schauen den Eisbären beim Planschen in der Yukon Bay zu, einem nachgebauten Stück Kanada. Auch ein Besuch des neuen Kindermuseums Zinnober lohnt sich, genau wie ein Rundgang durch das eindrucksvolle Museum für Energiegeschichte(n). Dort sieht man auch, wie das "Fräulein vom Amt" früher Gespräche verkabelte.

Und wo startet man am besten in die Nacht?

Um 18 Uhr entspannen Sie erst mal mit den Mönchen in der Cella Sankt Benedikt, einem Kloster in einer Lister Altstadtwohnung. Dann gehen Sie zum Theater in der Eisfabrik in der Südstadt, eines der 17 freien Theater der Stadt. Sie schwingen das Tanzbein im Tango-Milieu des "Faust"-Geländes in Linden, bevor Sie in der Cumberlandschen Galerie am Schauspielhaus das schönste Treppenhaus Hannovers genießen und eine der "Calamari Moon"-Nächte am Freitag durchtanzen.

Wann lohnt sich ein Ausflug nach Hannover besonders?

Sommer kann jeder, auch Hannover: Beachclub auf dem Parkhausdach, Maschseefest und Picknickkonzert der Chopin-Gesellschaft sind toll. Ich empfehle den Winter: Eisbahn im Erlebnis-Zoo, Wintervarieté in der Orangerie Herrenhausen, Angriff auf Ihre Lachmuskeln beim Kleinkunstfestival Mimuse.

Was gefällt Ihnen an der Stadt und seinen Einwohnern am besten?

Die Hannoveraner machen was "ganz Dolles", wie es hier heißt, warten aber erst mal ab, bevor sie darüber reden - das mag ich. Das Apollo-Kino in Linden startete 1908 als eines der ersten in Deutschland und läuft immer noch. Das erste deutsche vegetarische Restaurant eröffnete hier 1955, seit 2012 kocht das Hiller vegan. 1990 gab es in Hannover den ersten Weinhandel ausschließlich mit Weinen aus ökologischem Anbau. Carsharing, gegründet als teilAuto, hatten wir schon 1992. Und wenn die Hannoveraner etwas mal nicht mögen, so wie die "Nanas" von Niki de Saint Phalle , die seit 1974 am Leineufer stehen, warten sie ein paar Jahre - und sind irgendwann doch stolz darauf. Heute sind die drallen Figuren eines der Wahrzeichen der Stadt.

Die Fragen stellte Eva-Maria Träger

Buchtipp: "Merian momente Hannover". Travel House Media; 159 Seiten; 14,99 Euro.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Brillenschlumpf 28.08.2014
1. Problem eines Handlungsreisenden
Und jetzt bringen Sie das ganze bitte in eine vernünftig sortierte Rundreise. Der jetzige Parcour ist ja verwirrender als der Hannover-Marathon und in dieserForm auch länger. -- ein Hannoveraner --
USS SSS 28.08.2014
2. das ist aber auch alles
Habe Hannover vor 11 Jahren verlassen und es noch keinen Tag bereut. Die Stadt kann einfach nichts ausser den paar aufgezählten Sachen. Das schöne an Hannover ist das es man es jederzeit verlassen kann...
Aus_die_Laus 28.08.2014
3. Und die Herrenhäuser Gärten?
Wo sind die denn genannt? Alleine der Große Garten einer der bedeutensten Barockgärten Europas. Oder ist dem Autor das schon zu "langweilig"?
nixisfuerimmer 28.08.2014
4. Schlimme Fotos
Wie ist es eigentlich möglich, dass so eine Fotoreportage ihren Weg in SPON findet. Das Thema ist gut, nett geschrieben und dann diese lausigen Bilder?!?!?
HäretikerX 28.08.2014
5. Danke! ;-)
Unqualifizierte Sprüche über Hannover gibt es genung.. (..Harald Schmidt) Das dies nicht stimmt, kann jeder sehen.. und spüren, wenn man sich auf diese tolle Stadt und die Niederschsen einlässt!
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