Tourismus in US-Städten: Dinos für L. A., Pinguine für Orlando

Aufgemotzte Freizeitparks, mehr Kreuzfahrtterminals und Tausende neue Hotels: US-amerikanische Metropolen investieren Milliarden in Touristenattraktionen. Zwischen New York, Los Angeles, Las Vegas und Co. ist ein regelrechter Wettstreit um Besucher ausgebrochen.

Tourismus in US-Städten: Von Big Apple bis Orlando Fotos
Corbis

Los Angeles - George Fertitta macht gar keine großen Worte: "Wir sind die Nummer eins in den USA", posaunte der Chef der New Yorker Tourismusorganisation NYC & Company auf der Tourismusmesse Pow Wow in Los Angeles heraus.

Die Zahlen geben ihm recht: 50,5 Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr in die Ostküstenmetropole. Big Apple liegt damit bei den US-Großstädten in der Tat an erster Stelle. Dahinter folgen mit etwas Abstand Orlando in Florida und die kalifornische Metropole Los Angeles. Doch überall wird kräftig aufgerüstet, um zahlungskräftige Besucher wird heftig geworben.

"Wir haben in den vergangenen Jahren allein in Downtown sieben Milliarden US-Dollar in den Tourismus investiert", erklärt Carol Martinez, Sprecherin des Tourismusbüros von Los Angeles. Rossi Ralenkotter, Chef der Las Vegas Convention und Visitors Authority, will gar noch mehr Geld bewegt haben: Auf 22 Milliarden Dollar taxiert er die Summe.

Hinter solchen Rieseninvestitionen steckt vor allem wirtschaftliches Kalkül: Besucher - vor allem die zahlungskräftigen Ausländer - bringen bares Geld in die Städte, das in Zeiten der wirtschaftlichen Krise dringend benötigt wird. So hat New York auf dem Pow Wow das ehrgeizige Ziel ausgegeben, bis 2015 pro Jahr 70 Milliarden Dollar (rund 53 Milliarden Euro) an den Touristen zu verdienen. Heute sind es gerade einmal 48 Milliarden. 30.000 neue Jobs sollen im gleichen Zeitraum entstehen.

Über 6000 neue Hotelzimmer in New York

Schwerpunkt der Investitionen sind naturgemäß die Infrastruktur sowie neue Hotels. Letztere stellen vor allem in New York ein größeres Problem dar - jeder, der für einen Trip schon einmal horrende Preise zahlen musste oder gänzlich leer ausging, kann davon ein Lied singen. In den beiden kommenden Jahren sollen deshalb nach Fertittas Worten 6600 neue Hotelzimmer hinzukommen. Damit plane man mehr neue Unterkünfte als zum Beispiel Orlando und Chicago zusammen. Rund 100.000 Zimmer sollen den Besuchern dann zur Verfügung stehen.

Bei solchen Zahlen kann Ralenkotter nur müde lächeln: Allein seit dem Jahr 2008 sind in Las Vegas 25.000 neue Zimmer entstanden, die Spielerstadt bringt es aktuell auf 151.000. Ein weiterer Investitionsschwerpunkt ist die Infrastruktur: Las Vegas wird im Juni ein neues Terminal für internationale Flüge eröffnen, Los Angeles zieht im kommenden Jahr nach, Houston baut sein Terminal D um, damit auch der Airbus A380 dort landen kann. San Franciso hat sein neues Terminal bereits 2011 eröffnet und setzt in den kommenden Jahren auf die boomende Kreuzfahrtindustrie.

Ein komplett neues Kreuzfahrtterminal soll nur fünf Fußminuten vom berühmten Pier 39 entfernt entstehen. Dort sollen dann endlich auch die richtig großen Pötte anlegen können - "alles, was so gerade noch unter der Golden Gate Bridge hindurchpasst", scherzt Joe D'Alessandro, Chef der San Francisco Travel Association.

Erkannt haben die Großstädte auch die Bedeutung eines guten öffentlichen Nahverkehrs. "Wir haben natürlich eine ausgeprägte Auto-Kultur hier in den USA", erklärt L.A.-Sprecherin Martinez. Doch nicht zuletzt wegen der großen Umweltprobleme steigen immer mehr Menschen auf die Metro um, die ihr Netz in Los Angeles in die Vororte erweitert. Bis 2016 soll sogar Santa Monica angebunden werden.

Größer, höher, weiter

Doch natürlich braucht es auch immer neue Attraktionen, damit die Besucher weiter kommen. Los Angeles baut zum Beispiel für viele Millionen Dollar sein Naturhistorisches Museum aus - eine Dinosaurier-Halle hat gerade eröffnet, mit dem Nokia Theatre und dem Staples Center ist quasi ein neuer Stadtteil in unmittelbarer Nachbarschaft zu Downtown entstanden. New York baut kräftig an seinen 9/11-Erinnerungsorten - auch wenn die Eröffnung eines Museum um ein Jahr verschoben werden musste. San Francisco gestaltet fast seine komplette Pieranlagen um, und in Las Vegas sind die neuen Hotels selbst schon eine Attraktion für sich.

Eine Ausnahmestellung in dem Wettkampf nimmt Orlando ein. Die US-Touristenhochburg muss weniger Geld aus der eigenen Tasche in die Hand nehmen als die Konkurrenz. Orlando lässt einfach investieren. Die in der Florida-Metropole angesiedelten Freizeitparks - Universal Studios, Sea World, Disney - müssen sich Jahr für Jahr auf eigene Faust etwas einfallen lassen, um Besucher anzulocken. Das kommt natürlich auch der Stadt zugute. So eröffnet Sea World in Kürze mit "Antarctica" eine Eiswelt mit lebenden Pinguinen unter Floridas Sonne.

Im Wettstreit stehen die US-Großstädte auch in Sachen Marketingsprüchen: Von einer "Renaissance von Los Angeles", spricht Martinez. Man habe sich neu erfunden und sei noch nie so attraktiv für Besucher gewesen, behauptet Ralenkotter über Las Vegas. In diesem Wettstreit geht es eben typisch amerikanisch zu - nach dem Motto "größer, höher, weiter" und lieber noch einen Superlativ mehr.

Michael Zehender, dpa

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1.
spatenheimer 26.04.2012
Zitat von sysopAufgemotzte Freizeitparks, mehr Kreuzfahrtterminals und Tausende neue Hotels: US-amerikanische Metropolen investieren Milliarden in Touristenattraktionen. Zwischen New York, Los Angeles, Las Vegas und Co. ist ein regelrechter Wettstreit um Besucher ausgebrochen. Tourismus in US-Städten: Dinos für L.A., Pinguine für Orlando - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,829781,00.html)
Hmmm. Einen Stellplatz für meinen Truck im Death Valley, mehr brauch ich nicht.
2.
lordlee 26.04.2012
Hotelbetten ist die eine Seite den Bedarf zu decken - operativ ist NY (US allgemein) ein Alptraum. Natürlich sind da einerseits die restriktiven Einreisebestimmungen die teilweise paranoide Züge aufweist. Darüberhinaus ist die Einreise am JFK ein Graus - noch schlimmer wird es wenn man per Schiff einreist. Die Bestimmungen einerseits machen eine ordentliche und für Gäste einigermassen angenehme Ein.-Ausreise zur reinen Tortur mit unverständlichen Vorschriften. Darüberhinaus sind Flughafen u. Hafen hoffnungslos veraltert - hier müsste dringend invenstiert werden. Da gibt es etliche Drittweltländer die deutlich weiter sind.
3.
spatenheimer 26.04.2012
Zitat von lordleeNatürlich sind da einerseits die restriktiven Einreisebestimmungen die teilweise paranoide Züge aufweist. Darüberhinaus ist die Einreise am JFK ein Graus - noch schlimmer wird es wenn man per Schiff einreist. Die Bestimmungen einerseits machen eine ordentliche und für Gäste einigermassen angenehme Ein.-Ausreise zur reinen Tortur mit unverständlichen Vorschriften.
Per Flugzeug anreisen ist in JFK doch lässig. Aussteigen, Fingerabdrucks- und Augenscan, Stempel auf den Pass, Baggage Claim, Taxi. Wenn ich das mit Atlanta vergleiche...
4.
muellerthomas 26.04.2012
Zitat von lordleeHotelbetten ist die eine Seite den Bedarf zu decken - operativ ist NY (US allgemein) ein Alptraum. Natürlich sind da einerseits die restriktiven Einreisebestimmungen die teilweise paranoide Züge aufweist. Darüberhinaus ist die Einreise am JFK ein Graus
Auf den viel gelobten Flughäfen Singapur und Dubai hat die Einreise bislang jedes Mal deutlich länger gedauert als in JFK.
5. Besser wärs Sie würden die U-Bahn ausbauen
fm1721 26.04.2012
In LA zum Beispiel wäre es dringend notwendig, die öffentlichen Verkehrsmittel auszubauen. Und auch die Zugverbindungen hinaus aus der Stadt, dort gibt es nämlich viel Schöneres zu sehen! Hier einige Impressionen: USA - FM1721 (http://www.fm1721.com/experience/americas/usa/)
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