Neues Design für U-Bahn-Netze Chaos bleibt auf der Strecke

Paris, London, Berlin, New York: Ein junger Architekt hat sich die Streckenpläne internationaler U-Bahn-Netze vorgenommen und vereinfacht. Er rüttelt damit an Gewohnheiten von Millionen Menschen weltweit.

li. Jug Cerovic / re. RATP

Mit ihrer Hilfe orientieren sich Tag für Tag Millionen, sie machen die Großstadt übersichtlich und sind unentbehrliche Betriebsanleitung, um im Untergrund von A nach B zu gelangen. Profis haben die Streckenpläne der U-Bahnen in London, Paris, Berlin, Moskau oder Tokio mit viel Mühe ausgetüftelt. Doch sie könnten noch übersichtlicher sein, findet der 32-jährige Jug Cerovic.

Der Pariser Architekt hat sich in zweijähriger Sisyphosarbeit die U-Bahn-Übersichten von zwölf internationalen Metropolen vorgenommen, und - wie er findet - wesentlich vereinfacht.

Das Netz in seiner eigenen Stadt zum Beispiel: Jedem, der den offiziellen Metro-Plan studiert, dürfte es schwerfallen, sich den Verlauf der Bahnen in Paris einzuprägen, glaubt Cerovic: "Doch genau das muss ein guter Plan leisten. Aktuell sind Linienverläufe verzerrt dargestellt, einige Verbindungen machen bis zu 15 Knicks." Auf den Streckenkarten anderer Städte laufen teils so viele farbige Linien nebeneinander her, dass es zumindest für unkundige Fahrgäste schwierig ist, den Durchblick zu behalten. Umsteigestationen sind manchmal nicht deutlich genug hervorgehoben. Am New Yorker Plan bemängelt Cerovic die fehlende geografische Präzision.

Aktueller Streckenplan in Moskau: Viele Knicks und dicke Linien
imago

Aktueller Streckenplan in Moskau: Viele Knicks und dicke Linien

Bei seinen eigenen Designs hat er sich dazu entschieden, die jeweiligen Stadtzentren besonders groß darzustellen, um das Liniengewirr zu entzerren. Wechselstationen sollen Fahrgästen noch viel deutlicher ins Auge springen und die Linienführung auf der Karte mit möglichst wenigen Knicks auskommen. Und er arbeitet mit einheitlichen Symbolen.

Am schwierigsten war das Neudesign des Liniennetzes in Tokio - aber es hat ihm auch am meisten Spaß gemacht. "Es ist extrem dicht und komplex, und es mussten lateinische Buchstaben und japanische Schriftzeichen darauf Platz finden", sagt Cerovic und schwärmt: "Streckenpläne sind absolut faszinierend: die Einfachheit und die Perfektion, die dahinterstecken, und die Tatsache, dass das kleinste Symbol auf der Karte die Bewegungen von Millionen von Menschen beeinflusst."

Der große Vordenker für das Design internationaler Streckenpläne ist der Brite Harry Beck (1902 bis 1974). Sein bekanntestes Werk ist der Liniennetzplan der London Underground, dessen Designregeln vielen Streckengrafiken als Vorbild dient. Becks Idee: Jede Bahnlinie ist durch einen eigenen Strich repräsentiert, der nur waagerecht, senkrecht oder diagonal im 45-Grad-Winkel verläuft. Regeln, an die sich auch Cerovic weitestgehend hält.

Sein größter Wunsch: dass seine aktualisierten Streckenpläne irgendwann in Zukunft tatsächlich in den U-Bahnstationen der Welt hängen und die Orientierung leichter machen. Die jeweiligen Entscheider davon zu überzeugen, ist allerdings keine einfaches Unterfangen: Pläne, an die sich Millionen von Augen gewöhnt haben, ändert man nicht einfach so schnell. Unters Fahrgastvolk bringt Cerovic seine Entwürfe aber schon jetzt.

ele



insgesamt 102 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cannelloni 19.04.2014
1.
Ich sehe zwar weder, dass er an irgendwelchen Gewohnheiten rüttelt, noch, dass ihm eine Vereinfachung oder bessere Orientierung immer gelungen ist, aber dem "jungen Architekten" darf man gratulieren, dass er es irgendwie auf SPON geschafft hat.
plagiatejäger 19.04.2014
2. Mißverständliche Überschrift
Man könnte den Artikel lesen wollen, weil man an eine neue Linienführung der STrecke und nicht der Karte glaubt. Wer die Bahnen regelmäßig benutzt, wird es wohl auch schaffen und die Karte garnicht brauchen. Ebenso wird es nur ganz wenige geben, die sowohl in München, als auch in Tokyo dasselbe Design erwarten und mit dem bisherigen nicht zurecht kommen. Also, es geht nur um die Darstellung der STrecken, die ja nicht einem Designer gefallen muss, sondern für die kunden funktionieren sollte, was ja offensichtlich der Fall ist, sonst kämen die nicht an.
ranzassel 19.04.2014
3. Wenn er Langeweile hat....
...dann soll er das machen. Warum "runde Ecken" jetzt irgendwas übersichtlicher machen sollten entzieht sich mir jedenfalls vollkommen. Als Berliner sehe ich jedenfalls keinen großen Unterschied zwischen dem offiziellen Streckennetz und seinem neuen, "total übersichtlichen" Gegenvorschlag.
gfh9889d3de 19.04.2014
4.
Zitat von sysopli. Jug Cerovic / re. RATPParis, London, Berlin, New York: Ein junger Architekt hat sich die Streckenpläne internationaler U-Bahnnetze vorgenommen und vereinfacht. Er rüttelt damit an Gewohnheiten von Millionen Menschen weltweit. http://www.spiegel.de/reise/staedte/u-bahn-plaene-jug-cerovic-entwuerfe-fuer-berlin-london-new-york-a-964693.html
Wieso bloß kann ich einen Text, der den korrekten Plural von "Knick" nicht kennt, aber darüber schreibt, wie die Welt klarer und logischer dargestellt zu werden hat, nicht ernst nehmen?
Pelabco1 19.04.2014
5. Hmm...
Gab's. da nicht mal ein Kickstarter Projekt mit genau diesem Ansatz. Es ging zwar nur um den Londoner Tube Plan. Aber die Idee des Pariser Architekten scheint mir davon abgekuppelt zu sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.