Deutschlands schönste Markthallen: Dach überm Salatkopf

Shoppen wie zu Großmutters Zeiten: In Deutschlands historischen Markthallen türmt sich das Gemüse, Bauern verkaufen Öko-Obst - und frisch gepresste Säfte versüßen den Tag. Zwischen Berlin und Stuttgart wurden alte Umschlagplätze so richtig herausgeputzt.

Historische Markthallen: Käse, Kirschen, kiloweise Fotos
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Früher gab es sie in fast jeder Stadt: die zentrale Markthalle, unter deren Dach man unabhängig vom Wetter flaniert und in Bergen von Obst, baumelnden Schinken und Gewürzen aus aller Herren Länder auswählen kann. Mit dem Aufkommen der Discounter begann ein schleichender Niedergang in den Kathedralen der essbaren Genüsse. Heute entdecken immer mehr deutsche Städte ihre historischen Markthallen neu. Und die Urlauber freuen sich über eine Atmosphäre, von der die meisten dachten, es gebe sie nur noch in Florenz und Barcelona.

Markthalle Nummer 9 in Berlin: Genuss zwischen gusseisernen Säulen

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Markthalle Neun

Ein Paradebeispiel ist die Markthalle Nummer 9 in Berlin-Kreuzberg. Sie galt lange als prächtigste der einst 14 durchnummerierten Berliner Markthallen. Zuletzt regierten Stillstand und Verfall in dem 120 Jahre alten Gründerzeitkleinod. 2011 schaffte dann eine Anwohnerinitiative den Umschwung: Seitdem herrscht wieder Markttreiben unter den gusseisernen Säulen.

Vorerst zwei Tage die Woche - freitags und samstags - sind 35 Händler da. Der Ziegenhof-Betreiber baut seine Käsepyramiden neben dem Brandenburger Biogärtner auf, der Duft der Fischräucherei zieht bis zum Stand mit den Teltower Rübchen. Viele Hofläden und Biobetriebe ließen sich durch die engagierten Betreiber ermuntern, und sonntags bleibt Raum für Ausstellungen und Kultur.

Der Traum der Nummer-9-Macher ist, dass die kleinen, handwerklichen Betriebe die Halle später einmal an allen Werktagen mit Leben füllen. Als erster Mieter hat das die Marktkantine bereits geschafft. Dort gibt es mittlerweile täglich drei Gerichte zur Auswahl.

Stuttgarter Markthalle: Jugendstil und junges Gemüse

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Oliven aus Griechenland, Honig aus der Türkei, frische italienische Nudeln: Die Stuttgarter sind solch ein Angebot seit langem gewohnt. Denn die Schwabenmetropole hat ihre Markthalle über all die Jahre treu gepflegt. Heute danken es der Stadt Einheimische wie Gäste. Im wunderbaren Jugendstilbau an der Dorotheenstraße bieten über 40 Händler Genüsse an.

Gleich gegenüber vom alten Schloss wölbt sich über freiliegenden Trägern das Glasdach und überflutet Salate wie Obst mit mildem Tageslicht. Darf es eher eine italienische Porchetta (Spanferkelbraten) vom Metzger Attila sein oder eine glänzende Dorade von einem der appetitlichen Stände in der Fischecke? Beim Schlendern durch die Standreihen entdeckt man wilden Spargel, gebündelte Raukeblätter, Tomaten der Liebhabersorte Berner Rose. Und natürlich die Oliven aus Mallorca - das sind die kleinen, festen.

Bei all dem jungen Gemüse sollten Besucher nicht vergessen, einen Blick auf die Galerie zu werfen. Von da oben haben sie den schönsten Blick auf das Markttreiben.

Alte Markthalle Kassel: Speckkuchen unterm Glasdach

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Welche Markthalle ist Deutschlands schönste? Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber ein Schmuckstück ist die Alte Markthalle Kassel auf jeden Fall. Und das liegt nicht nur an dem prächtigen Gebäude, einem Renaissancebau in der Wildemannsgasse, sondern ebenso an den rund 70 exzellenten Betrieben unter dem historischen Dach.

Unter dem Glasdach des historischen Marstalls gibt es sie noch, die klassischen Schlachter wie die Landfleischerei Koch aus Calden mit ihrer vielgerühmten Ahlen Worscht. Dazu kleine Käsereien, Gemüsebauern aus dem Umland und Landbäcker, die diese Bezeichnung auch noch verdienen, weil sie nicht nur einen Backshop betreiben. Die Bäckerei Silber aus Niestetal gehört dazu - ihr Speckkuchen ist einfach exzellent. Im Obergeschoss finden sich auch mehrere Gaststätten, draußen auf der Freifläche gibt es donnerstags bis samstags vormittags einen Bauernmarkt.

Kleinmarkthalle Frankfurt: Sieben Kräuter und türkische Delikatessen

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dapd

Selbst viele Frankfurter waren noch nie da, und Urlaubsgäste schon gar nicht: Unauffällig liegt die städtische Kleinmarkthalle mit ihrem versteckten Eingang zwischen Römerberg und der Einkaufsmeile Zeil samt deren riesigen Kaufhäusern. Was für ein Kontrast: In der äußerlich wenig ansehnlichen Markthalle aus den fünfziger Jahren geht es eher wie auf einem Basar zu. Und Gastarbeiter aus der Türkei und Italien waren es wohl auch, die ab den Siebzigern die sanfte Wandlung "der Kleinmarkt" in ein Feinschmeckerparadies einleiteten.

Sie wollten nicht Ravioli aus der Dose, sondern frischen Radicchio, brauchten bündelweise Petersilie, Couscous und Harissa. Das alles bieten die 50 Standbesitzer, von denen viele heute die Gastarbeiter von gestern sind. Und natürlich gibt es in einer Ecke die Stände, an denen man alle Zutaten zur berühmten Frankfurter Grüne Soß bekommt, in die traditionell sieben Kräuter gehören. Schon der Folklore wegen sollte man die Stimmung erlebt haben - wo sonst hört man unverfälschtes "Blauer Bock"-Gebabbel mit sanftem griechischem Akzent?

Schrannenhalle München: Die Höhle des Feinkostlöwen

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DPA

Wo waren eigentlich all die Hallen, während die Leute lieber zum Discounter gingen? In München lag die "Schranne" feinsäuberlich gestapelt auf dem Bauhof. Jahrzehntelang dämmerten die gusseisernen Säulen der 120 Jahre alten Markthalle vor sich hin.

Seit 2005 steht die Schrannenhalle wieder am Viktualienmarkt. Nach einer Bauchlandung des ersten Investors mit einer Mischung aus Varieté und Currywurst versucht es der aktuelle Betreiber nun mit einem schicken Feinkost-Gourmetkonzept.

Hauptmieter ist der Münchner Feinkostlöwe Michael Käfer. Neben seinem "Delikatessmarkt" locken aber auch ein Steirerladen, ein Olivenöl-Stand, viel Wein und immerhin auch ein Obst- und Gemüsestand vom Viktualienmarkt in den Delikatesstempel. Sogar ein Outlet der Münchner Restaurantlegende Tantris hat sich dort angesiedelt. Zum Konzept gehört, dass man viele der edlen Produkte gleich vor Ort probieren kann: vom Wrap über die Fischsuppe bis zum kompletten Menü im Käfer-Restaurant auf der Empore - dem Lieblingsplatz für alle, die gern über den anderen stehen.

Weitere Informationen
Berlin, Markthalle Nummer 9
Eisenbahnstr. 42
www.markthalleneun.de
geöffnet Freitag und Samstag 10 bis 18 Uhr
Stuttgart, Markthalle
Dorotheenstr. 4
www.maerkte-stuttgart.de/markthalle oder www.markthalle-stuttgart.de
geöffnet Montag bis Freitag 7.30 bis 18.30 Uhr, samstags 7 bis 17 Uhr
Kassel, Alte Markthalle
Wildemannsgasse 1
www.markthalle-kassel.de
geöffnet Donnerstag und Freitag 7 bis 18 Uhr, Samstag bis 14 Uhr
Frankfurt, Kleinmarkthalle
Hasengasse 7
www.kleinmarkthalle.de oder www.kleinmarkthalle.com (private Seite)
geöffnet Montag bis Freitag 8 bis 18, Samstag 8 bis 16 Uhr
München, Schrannenhalle
Viktualienmarkt 15
www.schrannenhalle.de
geöffnet Montag bis Samstag 10 bis 20 Uhr
Weitere Markthallen in Deutschland
Berlin, Marheinekeplatz
Freiburg, Grünwalder Str. 4
Hannover, Karmaschstr. 49
Osnabrück, Große Str. 27
Regensburg, Martin-Luther-Str. 2

Hans-Werner Rodrian/SRT/jus

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insgesamt 8 Beiträge
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1. optional
durandtoutcourt 13.02.2013
Zu Grossmutters Zeiten ging man womöglich einkaufen, nicht shoppen…
2. Noch ein Markthallen-Tipp in Berlin
gernemarkthallenbesucher 13.02.2013
Noch eine weitere, besonders schöne Markthalle ist die 1892 erbaute Arminius-Markthalle in Berlin-Mitte/Tiergarten/Moabit, die heute wieder ein Kiezmittelpunkt mit vielen regionalen und Manufaktur-Produkten, Kunst, Kultur und Bürgerbeteiligung ist. Absolut sehenswert ist sie als freistehende Halle auch aus baulicher Sicht!!
3. optional
twaddi 13.02.2013
Nicht zu vergessen die Markthalle am Marheinekeplatz in Berlin Kreuzberg. Großartiges Angebot!
4.
bonnschwabe 13.02.2013
Die Krakauer Markthalle ist ebenfalls wunderschön
5. Preis
bootx 14.02.2013
Ich lebe in Barcelona und freue mich tagtäglich auf meinen Einkauf in der Markthalle von Sant Antoni. In der Regel kauft man hier die Lebensmittel ein, die saisonbedingt angeboten werden und aus der näheren Umgebung stammen. Die Preise liegen vor allem deutlich unter denen der Supermärkte, da der Otto Normalverbraucher in Spanien gerne einkaufen geht und die Markthalle auch als Kommunikationsplattform nutzt.
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