Städtetipp Barcelona: Rummelplatz am Meer

Keine Lust auf Ballermann-Stimmung in Barcelona? Dann sollten Sie die Stadt abseits der Flaniermeile Les Rambles erkunden. Der Blick vom Hausberg Tibidabo ist traumhaft, im Viertel El Raval finden Musikfans gute Plattenläden und nachts stehen im Pipa Club nicht nur Pfeifenraucher an der Bar.

Barcelona: Die besten Tipps für eine Städtereise Fotos
Getty Images

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Thomas Schröder kennt Barcelona seit den achtziger Jahren und hat miterlebt, wie sich die etwas schmuddelige Hafenstadt in eine Hochglanzmetropole verwandelte. Der Reiseführerautor bummelte unzählige Male durch die Gassen - immer auf der Suche nach urigen Stadtteilbars, in denen sich die Nachbarschaft am Tresen drängt, oder kulturellen Erlebnissen, die einen Barcelona-Besuch besonders machen. Schröder gibt im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen Tipps für einen Urlaub in Kataloniens Hauptstadt.

Herr Schröder, wo fängt der Tag in Barcelona am besten an?

Am Frühstückstresen der Cuines de Santa Caterina. Diese Bar befindet sich in einer Markthalle und ist täglich ab 9 Uhr geöffnet - was beileibe nicht überall in Barcelona der Fall ist. Wenn Sie morgens mehr verdrücken können als getoastetes Weißbrot (tostada) und Café con leche, sind Sie hier richtig.

Für einen guten Überblick über die Stadt ...

... steigt man am besten in den Transbordador Aeri. Die 1931 in Dienst gestellte Schwebebahn bringt Besucher vom Viertel Barceloneta zum Hügel Montjuïc. Es geht quer über das Becken des Alten Hafens, aus den engen Kabinen blicken Fahrgäste auf das Vergnügungs- und Einkaufszentrum Maremágnum und die Kolumbusstatue, Besonders eindrucksvoll von oben: die Platanenallee, die den Verlauf der Flaniermeile Les Rambles nachzeichnet.

Hier drängen sich die Touristen. Lohnt sich ein Rambles-Bummel?

Auf den von Zeitungskiosken, Blumenständen und "lebenden Statuen" flankierten Rambles spielt sich auf mehr als einem Kilometer ein wahres Straßentheater ab. Die 210.000 Menschen, die laut einer Studie täglich hier spazieren gehen, scheinen es zu mögen. Unter den Flaneuren sind nach der Erhebung übrigens ein gutes Fünftel Einheimische.

Wer auf diesen städtischen Rummelplatz keine Lust hat ...

... flieht am besten in den Stadtteil El Raval, der liegt gleich nebenan. Hier leben Einwanderer aus allen Kontinenten, vor dem Museum für Zeitgenössische Kunst (MACBA) zeigen Skater ihr Können und es gibt ein paar gute Adressen zum Stöbern: die Plattenläden Revolver und Discos Castelló im Carrer dels Tallers oder die Vintage-Läden Polly Magoo und Lullaby in der Riera Baixa.

Was ist ein besonderes Barcelona-Erlebnis, wenn die Sonne mal nicht scheint?

Ein Spaziergang im Untergrund. In neun Metern Tiefe liegen die Reste des römischen Barcelona. Auf Stegen können Touristen die Grundmauern, Wohnhäuser, Werkstätten und Thermen besichtigen. Der Eingang zu dieser Zeitreise liegt im Geschichtsmuseum Museu d'Història de la Ciutat. Der Eintritt zum Museum - wie zu allen städtischen Ausstellungen - ist an jedem Sonntag ab 15 Uhr und am ersten Sonntag im Monat kostenlos.

Ein typisches Mittagsessen …

…kriegt man an Werktagen überall dort, wo sich die arbeitende Bevölkerung trifft, zum Beispiel im Büro- und Shoppingbezirk Eixample. Lassen Sie sich einfach vom Menú del Dia, dem Tagesmenü, überraschen. Es besteht aus mindestens drei Gängen und ist schon ab etwa zwölf Euro in guter Qualität zu haben. In Lokalen wie dem feinen Café de'l Acadèmia im Gotischen Viertel kostet es vielleicht etwas mehr, dafür ergattert man mit etwas Glück sogar einen Tisch im Freien auf der Plaça Sant Just.

Und als Nachtisch etwas Süßes. Das beste Eis der Stadt

… rühren natürlich Italiener an. Wenn Sie in der Gelateria Italiana (Plaça Revolució 2 im Viertel Gràcia) vorbeikommen, unbedingt Chocolate Negro probieren. Diese Sorte ist extrem kakaohaltig und wird nach einem Familienrezept von 1896 hergestellt.

Schöne Aussichten auf Barcelona hat, ...

... wer sich zur Jesusstatue auf die Kirchturmspitze von El Sagrat Cor gesellt. In 575 Meter Höhe kann einem der Wind schon mal die Haare zersausen, doch der Blick von Barcelonas Hausberg Tibidabo über die Küstenlinie, hinüber zum Hügel Montjuïc und auf das Häusermeer, aus dem die Sagrada Familia und das Phallus-Hochhaus Torre Agbar ragen, ist einfach famos.

Wo erholt man sich am besten vom ganzen Sightseeing?

In Barcelonas Stadtpark Parc de la Ciutadella - er ist eine wahre Oase im städtischen Getümmel. Hier kann man herrlich im Baumschatten faulenzen, Musikanten und Jongleuren zusehen oder über den See rudern.

Und wohin in der Nacht?

Genug Kondition und eine ausgiebige Siesta sind Voraussetzung, um das Nachtleben von Barcelona auszukosten - vor zwei Uhr nachts lässt sich kaum jemand in einem der Clubs blicken. Schon etwas früher in den Abend starten kann man im Pipa Club (Plaça Reial 3, klingeln). Der ist eigentlich ein Verein für Pfeifenraucher, mit seiner nostalgischen Cocktail-Bar aber auch ein toller Ausgehtipp für Freunde guter Drinks.

Wer sich ein Stück Barcelona mit nach Hause nehmen möchte...

... sollte sich weder einen Riesen-Sombrero (Mexiko!) noch ein Flamenco-Kostüm (Andalusien!) kaufen, obwohl Sie natürlich beides an jedem touristischen Brennpunkt von Barcelona erstehen können. Decken Sie sich lieber im Delikatessengeschäft Colmado Múrria mit Hartwürsten wie Fuet und Llonganissa ein. Hier gibt es auch 300 Sorten Cava, katalanischen Sekt, der nach derselben Methode hergestellt wird wie französischer Champagner. Wer ihn trocken mag, kauft die Variante Brut. Sec (Spanisch für trocken) fällt für viele schon etwas zu lieblich aus.

Die Fragen stellte Julia Stanek.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ideal mit dem Rad
reisman 07.01.2013
ich habe bei Go Bike Barcelona (Inhaberin ist Exil-Rheinländerin) ein Rad ausgeliehen und bin am Strand entlang gefahren. Das kann ich jedem nur empfehlen!
2. Las Ramblas -- nicht les rambles !
hebru 07.01.2013
La rambla = die Allee
3. Les rambles....
SPONU 07.01.2013
...ist catalá, mein lieber hebru :)
4. Re: Las Ramblas -- nicht les rambles !
Hamberliner 07.01.2013
Zitat von hebruLa rambla = die Allee
Dann aber bitte auch "Barrio Chino" und "Calle Conde del Asalto" statt "El Raval" und "Carrer Nou de la Rambla". Stimmt nicht. Jede Rambla ist zwar auch eine Allee, aber nicht jede Allee ist eine Rambla. Zumindest nicht in Spanien. In Lateinamerika, wo man seinen Hund mit Sie anredet, mag das vielleicht anders sein. Wenn man z.B. versuchen wollte, die Bundesallee in Berlin als Rambla zu nutzen gäbe es ein gewaltiges Hupkonzert und einen Polizei-Einsatz.
5. rohofri
rohofri 07.01.2013
hebru, es gibt auch Katalanen in Barcelona, und die sprechen Catalá, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Las_Ramblas oder eben auch Les Rambles...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Städtereisen
RSS
alles zum Thema Stadtgespräch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
Buchtipp

Zur Person
  • Anja Keul
    Thomas Schröder, geboren 1960, hat Touristik studiert und schreibt seit über 20 Jahren Reiseführer für den Michael Müller Verlag. Schwerpunkt seiner Arbeit ist Spanien, er hat bereits neun Bücher über das Land verfasst. Seine komplett überarbeitete Neuauflage des Barcelona-Reiseführers erscheint am 15. Januar 2013.
Fotostrecke
Städtetipp Lissabon: Tejo, Tram, Törtchen

Fotostrecke
"36 Hours": Europas Städte an einem Wochenende