"Breaking Bad"-Drehort Albuquerque Der Deal mit der Kultserie

Der unscheinbare Ort Albuquerque erlebt wegen der Fernsehserie "Breaking Bad" einen beispiellosen Tourismus-Ansturm. Heiß begehrt sind plötzlich Stadttouren und Souvenirs im Drogen-Look. Doch das Stadtmarketing tut sich schwer mit dem Hype.

AP

Hamburg - Zunächst war das plötzliche Interesse an Albuquerque vielen Einheimischen ein bisschen unheimlich. Die Fernsehserie "Breaking Bad" machte die Stadt in der Wüste von New Mexico berühmt, doch besonders gut kam sie darin nicht weg. Vielmehr diente diese Welt aus Schnellrestaurants und billigen Reihenhäusern, aus karger Wüste und Pick-up-Trucks als perfekt passende Kulisse für eine der düstersten Geschichten über Verbrechen, Schuld und Sühne, die je im Fernsehen zu erleben war.

"Die Drogen und die Gewalt waren die Gründe, warum wir erst nichts damit zu tun haben wollten", sagte Megan Ryan, Managerin des Tourismusbüros von Albuquerque, dem britischen "Guardian". "Doch dann wurde uns klar, wie viele Menschen die Serie in den USA und im Ausland verehrten. Dann kamen die Auszeichnungen."

Vor allem aber kamen immer mehr Besucher, die die Schauplätze der Serie in echt erleben wollten. Und die bringen Geld in die größte Stadt des zweitärmsten US-Bundesstaats, buchen Hotels und Restaurants. Vielleicht bleiben ja ein paar von ihnen länger, um sich auch noch mit der "300-jährigen Geschichte", dem "vielfältigen Kunst- und Kulturangebot" und den "vielen Outdoor-Aktivitäten" zu beschäftigen, die das Stadtmarketing viel lieber bewirbt.

Rekordquoten beim Show-Finale

Schon jetzt gilt die Geschichte des biederen Chemielehrers Walter White, der nach einer Krebsdiagnose beginnt, synthetische Drogen herzustellen und sich alsbald zum skrupellosen Schwerverbrecher wandelt, als Klassiker des Genres. Nachdem am Sonntag mehr als zehn Millionen US-Amerikaner das "Breaking Bad"-Finale verfolgten, ist das Interesse an Albuquerque (Werbespruch: "It's a trip") ungebrochen.

Längst stellt deshalb die Tourismusinformation auf ihrer Webseite Schauplätze der Serie vor, Kleinunternehmer bieten Stadtrundfahrten für Fans an. Das Souvenirangebot wurde um "Breaking Bad"-Donuts, -Süßigkeiten und -Badesalz erweitert, es gibt ein Bier und einen Cocktail zur Serie.

"'Breaking Bad' war phantastisch für die Stadt", sagt Tourveranstalter Mike Silva, dessen Fahrten zu Serien-Schauplätzen derzeit Monate im Voraus ausgebucht sind. "Filmtourismus ist so erfolgreich wie noch nie."

Als sich am Sonntag Serien-Fans auf das große Finale der Show einstimmten, fielen sie geradezu über die Backwaren der "Rebel Donut"-Kette her, die nach dem Crystal Meth in der Serie "Blue Sky" getauft wurden. "Es war unglaublich, unsere Verkäufe lagen etwa viermal so hoch wie an einem normalen Sonntag", sagte Eigentümerin Carrie Mettling. Rund 10.000 US-Dollar habe der Verkauf an dem Tag eingebracht.

Genervt im White-Wohnhaus

"Das Geschäft läuft verrückt gut", sagt auch Keith West-Harrison, Besitzer einer Firma für Spa-Produkte, die nun unter dem Namen "Bathing Bad" methylamphetaminblau schimmernde Seifen und Lotionen anbietet. Selbstverständlich in Verpackungen, die denen der Drogen in der Serie nachempfunden sind.

Die Süßigkeit "Rock Candy" aus dem Candy Lady Store in Albuquerque wurde in zwei Staffeln der Serie tatsächlich verwendet, um Crystal Meth darzustellen. Kein Wunder, dass die Fans sich nun um das Zeug reißen: 35.000 bis 40.000 Plastiktäschchen habe man in gut einem Jahr verkauft, sagt Chefin Debbie Ball. Sie bietet auch Limousinentouren zu "Breaking Bad"-Schauplätzen an, unter anderem zum Wohnhaus der Familie White. Dessen echter Besitzer sei inzwischen ein wenig genervt von den ständigen Besucher-Prozessionen vor seinem Gartentor, sagt sie.

Dass er bald wieder seine Ruhe haben wird, glaubt Ball nicht: "Das Geschäft wird nicht einbrechen, nur weil die Show im Fernsehen vorbei ist", sagt sie. "Es gibt einfach zu viele Fans: Ich werde weiter dealen."

sto/Reuters



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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
TomRohwer 01.10.2013
1.
Zitat von sysopAPDer unscheinbare Südstaaten-Ort Albuquerque erlebt wegen der Fernsehserie "Breaking Bad" einen beispiellosen Tourismus-Ansturm. Heiß begehrt sind plötzlich Stadttouren und Souvenirs im Drogen-Look. Doch das Stadtmarketing tut sich schwer mit dem Hype. http://www.spiegel.de/reise/staedte/usa-breaking-bad-drehort-albuquerque-a-925510.html
... *Albuquerque* liegt im Bundesstaat *New Mexico* und damit nicht mal ansatzweise in einem "Südstaat". Die *Südstaaten* sind nach wie vor: Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia, Florida, Tennessee, Mississippi, Alabama, Louisiana, Arkansas und Texas. Die Definition orientiert sich dabei an den "Konförderierten Staaten" des amerikanischen Bürgerkrieges. New Mexico wurde erst 1912 Bundesstaat und war zur Zeit des Bürgerkrieges noch das (außer von Indianern) kaum besiedelte "New Mexico Territory". Der Bundesstaat wird heute je nach Definition zum "Südwesten" oder "Westen" oder auch zu den fünf "Mountain States" gezählt, niemals aber zum "Süden" oder den "Südstaaten".
aschaef 01.10.2013
2. 'Suedstaaten-Ort'??
Also, New Mexico ist nun wirklich kein Suedstaat.
airwizard 01.10.2013
3. Airwizard
.. und dieses Wochenende findet die eigentlich groesste Attraktion in Albuquerque statt - die Albuquerque International Balloon Fiesta. Das weltgroesste Treffen fuer Ballonfahrer mit ca. 600 Ballonen.
frowin 01.10.2013
4.
hier wird gesprochen als wäre albuquerque ein 1000 Sehlen Dorf mit einer Kneipe und nem kleinen Supermarkt, das ist eine Stadt mit 600.000 Einwohnern und einer der schönsten alten mexikanischen Innenstädte
Altesocke 01.10.2013
5. Rekordquoten?
---Zitat--- Rekordquoten beim Show-Finale Nachdem am Sonntag mehr als zehn Millionen US-Amerikaner das "Breaking Bad"-Finale verfolgten ---Zitatende--- Die 10 Millionen sind Rekord fuer die show, aber Rekordquoten sehen in USA anders aus. Das sind dann ab 20 Mio aufwaerts. Fuer TV Shows. Selbst Two and a half man hat im Schitt mehr, als die letzte Folge von BB. Schade, war ne geile Show. Es war iegendwie absurd, aber stichhaltiig, wie Walter vom Lehrer zur Bestie wird. Und im Gegensatz zu Dexter ein 'gutes' Ende!
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