Venedig-Tagebuch: Die Stadt ist der Laufsteg

Im venezianischen Karneval darf sich endlich aufgebrezelt werden, denn der Wettbewerb um das schönste Kostüm hat begonnen. Auch für die zweimalige Gewinnerin Tanja Schulz-Hess wird es jetzt spannend: Werden ihre Kostüme in diesem Jahr wieder dabei sein?

Dieses Wochenende lässt die Herzen der kreativen Kostümmacher in Venedig höher schlagen. Denn jetzt wird sich aufgerüscht: Seit am Freitag auf dem Markusplatz die erste Vorauswahl für den Wettbewerb um das schönste Kostüm des Carnevale di Venezia 2009 begonnen hat, legen die Kostümverrückten erst richtig los.

Denn es geht um den internationalen Preis für das schönste Kostüm. Bei den Vorentscheidungen an zwei Tagen müssen die Teilnehmer die Jury aus Prominenten und Designern überzeugen, um das "Goldene Ticket" für das Finale am Sonntag einzuheimsen. Bei 400 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist das gar nicht so leicht. Leute aus dem Business, wie Bühnenbildner und Dekorateure, wetteifern dabei mit sehr passionierten Amateuren wie mir. In diesem Jahr gibt die italienische Filmkostüm-Designerin und Oscar-Gewinnerin Gabrielle Pescucci den Ton in der Jury an.

Die Rüschenspiele beginnen

Seit vergangenem Jahr gibt es auch einen Choreografen für die Show: Nikos Lagousakos, 35, der es nicht leicht hat, all die nicht-professionellen Laufsteg-Läufer zu bändigen. Die Feierlichkeiten zu den olympischen Spielen in Athen zu gestalten war für ihn wahrscheinlich ein Kinderspiel verglichen mit diesem bunten Haufen in Venedig. Bis jetzt bewies er viel Geduld und immer gute Laune.

Deutlich ist in diesem Jahr zu merken, dass Bürgermeister Massimo Cacciari und der künstlerische Leiter Marco Balich sich wirklich Gedanken um den Karneval gemacht haben. Vieles ist nicht mehr so grell und laut wie in den vergangenen Jahren, auch die sonst erschlagende Werbung in der Stadt ist angenehm gewichen und man kann sich mehr auf den Carnevale an sich konzentrieren.

Und das ist auch nötig. Für meine Freundinnen habe ich mit meiner Heißklebepistole in diesem Jahr neun Gewänder gebastelt. Wir müssen früh aufstehen und geben uns viel Mühe beim Schminken und Ankleiden, bevor wir uns raus in die Menschenmenge wagen. Der Karneval von Venedig ist ja keine reine Parade. Man wandelt über die Plätze und Straßen, die ganze Stadt ist ein Catwalk. Und die Macher des Wettbewerbes sehen es natürlich auch gern, wenn Masken mit dem Publikum arbeiten und sich mit den Besuchern fotografieren lassen.

Bei diesem Spektakel ist Tuchfühlung mit Leuten aus aller Welt garantiert. Aber gerade das macht für mich den Charme dieser Veranstaltung aus. Ich stelle mir dann vor, dass die Japaner, Amerikaner, Russen und Inder zu Hause ihre Fotos Freunden und Familien zeigen, auf ein Bild tippen und sagen: "Du, das war aber besonders schön." Wenn sich auf diese Weise Menschen kulturübergreifend über Kostüme freuen, macht mich das glücklich. Vielleicht eine Nebensächlichkeit - doch ehrlich, es gibt sinnlosere Arten seine Freizeit zu verschwenden, als Leuten Freude zu bringen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Städtereisen
RSS
alles zum Thema Karneval in Venedig
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Venedig-Tagebuch: Wettstreit der Kostüme