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W Hotel in Barcelona: Gummibärchen in der Badewanne

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Das W Hotel in Barcelona protzt mit edlem Ambiente und bombastischer Aussicht. Vor allem aber wollen die Angestellten aus 42 Nationen ihren Gästen ein echtes Wie-Daheim-Gefühl bescheren. Mit allen Mitteln sollen auch die absurdesten Wünsche wahrgemacht werden.

W Hotel in Barcelona: Glassegel an der Mole Fotos
W Barcelona

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Seenot vor der Küste Barcelonas: Ein Katamaran droht zu sinken. Eine schöne Frau an Bord klammert sich verängstigt an den sportlichen jungen Mann, der verzweifelt die Arme in den Himmel reckt.

Dann ein Wunder. Ein Hubschrauber erscheint, lässt ein Seil herab, beide werden gerettet und finden sich schon wenige Minuten später gemeinsam unter der heißen Dusche ihrer Luxussuite im nahen W Hotel wieder.

Ein gelungener Stunt: Die 4000 Euro teure Inszenierung, bestellt von dem Jüngling, um seiner Freundin zu imponieren, gehört zum Service in Europas erstem W Hotel in Barcelona, das die Idee von Luxus neu definieren will.

"W" steht für Wunder und für "Wow", wie die Gäste des von Stararchitekt Ricardo Bofill entworfenen Wolkenkratzers erstaunt ausrufen sollen. Denn die Geschäftsidee, vom Direktor Richard Brekelmans, 43, einem Niederländer, schneidig mit "Lifestyle und Leidenschaft" umrissen, ist es, den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen.

Das betrifft besonders den heimlichen Wunsch fast aller verwöhnten Weltreisenden: dass alles so sein möge wie daheim. In diesem globalen Glaskasten am spanischen Mittelmeerstrand soll es klingen, riechen schmecken wie Zuhause. Und das für jeden der Gäste aus 74 Nationen, die hier seit der Eröffnung im Oktober vergangenen Jahres abgestiegen sind.

Styleteam statt Putzfrauen

Dafür sorgt schon der "Welcome Ambassador", ein strahlend schöner, blonder Mann mit sahneweißen Zähnen und einem umwerfenden Lächeln. "Welcome to the W Barcelona", ruft er und reißt den Neuankömmlingen den Wagenschlag auf. Dann dirigiert er den Hotelgast an die Rezeption, zu genau dem Kollegen, der dessen Sprache beherrscht oder zumindest eine, die er versteht.

Für Japanisch ist Norma Arias de Morinaka, 42, zuständig, eine Peruanerin. Norma ist Putzfrau im W Hotel, hier heißt das natürlich nicht so. Frau de Morinaka ist im "Styleteam" tätig. Normalerweise sorgt sie dafür, dass kein Staubkorn auf die mit weißem Sand und einer Orchidee gefüllten Glas-Halbkugeln auf dem Hallenboden fällt. Normalerweise bleiben Putzfrauen in Hotels auch möglichst unsichtbar.

Im W jedoch ist das anders, hier gilt sie wie alle 400 Angestellte aus 42 Nationen als "Talent". Hier dürfen, ja sollen sie sogar ihre unterschiedlichen Begabungen einsetzen. Und da Norma mit ihrem japanischen Ehemann elf Jahre lang in Tokio gelebt hat, wird die Putzfrau zur Betreuerin für Japaner. Sie sagt mit tiefer Verbeugung und perfekter Aussprache "konnichiwa", sie vermittelt ihren Gästen den Insider-Blick auf die katalanische Hauptstadt, sie arbeitet als Dolmetscherin. Stolz zeigt Norma Dankesbriefe, alles sei so gewesen in Barcelona, "wie wir es wollten", schreibt da ein älteres Ehepaar aus dem fernen Nippon.

Die globale Mannschaft ist unverzichtbar, damit sich in dem Glashaus in Form eines Segels Verwöhnte aus Saudi-Arabien genauso heimisch fühlen wie mit Goldketten behängte Russen oder Argentinier, die schon alles gesehen haben.

Gummibärchen für das In-Volk

Es geht nur in zweiter Linie um Fünf-Sterne-Komfort. Selbstverständlich gibt es ein Spitzenrestaurant und im 26. Stock den wohl angesagtesten Club der Stadt, Ableger einer Londoner Celebrity-Bar. Die Hotelangestellten spielen die wichtigste Rolle. Gerade Ausländer sind da wertvolle Arbeitskräfte und Teil des Gesamtkonzepts.

Um die zu finden, hat Hoteldirektor Brekelmans im vergangenen Jahr 4500 Bewerber gecastet. Stundenlang standen sie Schlange vor einem Zelt an der Strandpromenade von Barcelona, der kosmopolitischen und avantgardistischen Metropole im Nordosten Spaniens, einer der zurzeit coolsten Städte des Kontinents.

Es waren vor allem gebürtige Lateinamerikaner, die meist außer spanisch noch gut englisch sprechen - bei Einheimischen ist das noch die Ausnahme - und eine Arbeitsgenehmigung für Katalonien besitzen. Oder Künstler und Studenten, wie Sebastien Mansfield, 27. Halbtags kümmert sich der Maler aus London jetzt darum, die Minibars im W mit Dingen zu füllen, die das In-Volk liebt: Energydrinks, Salzbrezeln und Gummibärchen für einen herrlichen Tag. Aber auch weiße Sonnenkappen, Flip-Flops und einen besonderen Stadtführer legt er auf die "Munchie-Box". Den Rest des Tages gestaltet er große Flächen mit bunter Acrylfarbe.

Erfahrung im Hotelfach ist nicht ausschlaggebend, eingestellt werden alle, die Lust haben, Gästen zu dienen, ohne servil zu sein. Jeder, vom Fensterputzer bis zum Koch, soll eine persönliche Beziehung zum Gast aufbauen. In Rollenspielen üben sie, Probleme zu lösen und - "vom whoops zum wow" - Fehler wiedergutzumachen. Nur wenn jeder einzelne Mitarbeiter sich voll engagiert, kann das Gesamtwerk der Nationalitäten gelingen: verwöhnte Menschen aus aller Herren Länder zu begeistern.

Schischas für arabische Gäste

Das gilt gerade auch für das Putzteam, das sich jeden Morgen um 9 Uhr im Keller trifft und den Tag bespricht. Darunter Dominikanerinnen, aber auch Bulgarinnen, ein Philippiner und eine blonde Frau aus Transsilvanien. Einige haben in ihrer Heimat studiert und hoffen darauf, in Spanien bleiben zu dürfen und den Sprung in ihren eigentlichen Beruf zu schaffen.

Damit alle die Kulturen ihrer bunten Gästeschar verstehen lernen, hält jeder im "Style"-Team irgendwann einen Vortrag über sein Ursprungsland. Fensterputzer Jamal aus Marokko erklärt den anderen beispielsweise, was der Fastenmonat Ramadan für Muslime bedeutet.

Öfter reisen Araber in Großgruppen an. Daher hat der österreichische Küchenchef Heinrich Moederle, 47, sogar einen Kollegen in Dubai um Rezepte für traditionelle Speisen zum Fastenbrechen gebeten. In den Suiten haben Jamal und seine Kolleginnen Gebetsplätze eingerichtet und Wasserpfeifen, Schischas, angeschafft.

Die Style-Chefin Elena Sacristán, eine 30-jährige Spanierin mit langjähriger USA-Erfahrung, zeigt ihren 40 Zimmermädchen und 15 Putzmännern die Fotos der VIPs, die heute erwartet werden. "Nicht vergessen: mit dem Gästelift fahren, die Leute ansprechen!"

Bodyguards für die Sängerin

Die Stylisten in ihren grauen Arbeitsblusen stehen beisammen wie ein Football-Team vorm Anpfiff, und bevor sie auseinandergehen, bewegen sie ihre Handgelenke wie beim Flamenco, lockern Schultern und Beine. Auch Jordi Quesada, 32, macht dabei mit, einer der wenigen Katalanen im Team.

Quesada kommt aus einem Vorort von Barcelona, mit 20 fing er auf dem Bau an, zuletzt arbeitete er als Müllmann. Nun ist er zuständig für Requisiten im W - ein großes Talent sei er, sagen die anderen. Für einen der jüngsten Gäste baute er im Zimmer ein Himmelbett wie für eine Prinzessin. Anderen Gästen hinterlässt er schon mal ein Lesezeichen samt Kommentar in einem Buch, das er kennt. Literatur ist sein großes Hobby.

Für die Abteilung Wunder ist, wie sollte es anders sein, ein Italiener zuständig, Vincenzo Santaniello, 29. Ein professionelles Mischpult für einen DJ um vier Uhr früh? Bodyguards für die kolumbianische Sängerin, die Barcelonas Nächte erleben will? Genauso wenig ein Problem wie original-italienischer Espresso ans Bett oder eine Badewanne voll mit bunten Bonbons für verwöhnte Amerikaner-Kinder. "Alles, was legal ist, rund um die Uhr" macht Vincenzo möglich.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Na ja
dxb 29.10.2010
Nun ja, ich war letzte Woche zufällig dort, als VW gerade da den neuen Passat, ja Passat vorgestellt hat (hust). Außer der Karre war aber niemand zu sehen, selbst auf der riesigen Terrasse nicht. Vielleicht muß die Milliadärs-Mafia ja jetzt auch sparen, wo das Geld ja kaum noch was wert ist.
2. W Hotels Slogan
ralfhettich 29.10.2010
Der Slogan von W Hotels heißt einfach und banal: Whatever/Whenever® Und die Bezeichnung dieser gästeorientierten Dienstleistungsphilosphie ist sogar rechtlich geschützt und daher das ®. Ich kann nur jedem Reisenden in die Neue Welt einen Aufenthalt in einem W Hotel wünschen. Diese Hotels sind hip, stylisch und zeitlos. Kein Plüsch, kein Trallala und Schnickschnack. Mit besten Grüssen an alle modernen Globetrotter Dr. Ralf Hettich
3. Und Das Meer
sarangdong 29.10.2010
Alles schön und gut, aber wie konnten die Betreiber ein Hotel 5 Meter von der Küste bauen, wenn es doch seit langer Zeit ein Gesetz gibt (Ley de la costa), dass das verbietet. BCN ist ja allzu hip - hier wird echt alles unternommen um dem Touristen etwas zu bieten, aber Lärm nach 23:00 bitte nicht: Parties zu Hause somit ausgeschlossen, Live-Konzierte deswegen auch, Alles wenn man die Normen einhält; hier in Spanien werden Normen eingehalten, wenn es gewisse Interessen gibt ($)! Adeu, Visca la Libertad! (y lo he puesto a proposito en Castellano!) JENS
4. Titel:
mattbarna 29.10.2010
Zitat von dxbNun ja, ich war letzte Woche zufällig dort, als VW gerade da den neuen Passat, ja Passat vorgestellt hat (hust). Außer der Karre war aber niemand zu sehen, selbst auf der riesigen Terrasse nicht. Vielleicht muß die Milliadärs-Mafia ja jetzt auch sparen, wo das Geld ja kaum noch was wert ist.
So ist es, der Service ist ausserdem alles Andere als gut. Ich hab geschäftlich viel mit dem Hotel zu tun. Sieht alles sehr gut aus auf den Bildern, in Wirklichkeit kommt man jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Abgesehen davon, wurde das Hotel nur mit einem Trick gebaut, denn so nah am Meer dürfen keine 93m hohen Gebäude gebaut werden, da hat man kurzer Hand entschieden "Ach, dieser Teil gehört jetzt zum Hafen, da gilt die Regelung nicht". Es gab monatelange Proteste, das Ganze roch nach Korruption. Ausserdem sind die Kosten des Gebäudes so explodiert, dass man bei der Inneneinrichtung merklich Abzüge machen musste - wie gesagt, sieht alles sehr schön aus auf den Bildern... Naja, ich will's ja auch nicht madig machen. Wer möchte und kann soll's gern ausprobieren. Schön geschriebener PR-Artikel von Starwood :)
5. was ist hier jetzt neu?
freeride 29.10.2010
ist doch nur ein anders angemaltes sheraton hotel... und bewerberschlangen vorm hotel gabs auch schon vor jahren in anderen staedten (ritz-carlton berlin ist mir da noch in lebhafter erinnerung). die suche nach "talent" ist mittlerweile auch so alt, dass sie schon nen bart hat und sicher keine w/starwood/sheraton-erfindung. meistens folgt, wenn man mit dieser recruitment strategy ein hotel eroeffnet, totales chaos, aber immerhin laecheln dann alle freundlich ueber ihre inkompetenz hinweg. hilft dem gast zwar nicht, aber dafuer gibts sicher ne schoene kompensation als wiedergutmachung. schade, dass man auf SPON so offensichtlich von der pr-abteilung eines unternehmens verfasste artikel lesen muss, die noch dazu davon zeigen, dass der verfasser zwar "talent", aber wehnig ahung hat.
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