Pisa-Test
Warum die Schüler in Japan und Kanada besser sind
Von Carsten Heckmann
Während Deutschland debattiert, warum seine Schüler bei der "Pisa"-Studie so schlecht abgeschnitten haben, freuen sich andernorts die Gewinner über ihre guten Ergebnisse. Die Musterschüler sitzen zum Beispiel in kanadischen und japanischen Klassenräumen. Was läuft dort besser? UniSPIEGEL ONLINE hat nachgefragt.
DPA
Nachsitzen scheint angesagt - für Deutschlands Schüler, Lehrer, Eltern und Bildungspolitiker
"Hier ist ein Grund, unsere Lehrer, Ausbilder und Schüler zu feiern". Mit diesen Worten kommentierte Diane Cunningham die Ergebnisse der neuesten "Pisa"-Studie. Die hat es gut, mögen jetzt deutsche Kollegen denken. Cunningham ist Bildungsministerin der kanadischen Provinz Ontario und hat in ihrem Land die Durchführung der Studie koordiniert.
Die Kanadier sind stolz auf ihre Ergebnisse und können es wohl auch sein. Zweiter Platz beim Lesen, sechster in Mathematik, fünfter in Naturwissenschaften. Vor einigen Jahren noch Mittelmaß, jetzt in der Leistungsspitze. Statt hämischer Kommentare gab's in der Presse große positive Schlagzeilen: "Gute Nachrichten für müde Lehrende" überschrieb zum Beispiel der "Toronto Star" seinen Bericht.
Endlich, denken viele Menschen im Ahorn-Land. Denn Kanada gibt für Bildung viel Geld aus. Bis zu sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen ins Bildungssystem. "Damit konnten wir viel bewegen in den letzten zehn Jahren", sagte der Generaldirektor des Rates der kanadischen Bildungsminister, Paul Cappon, im Gespräch mit UniSPIEGEL ONLINE.
Systematisch die Schwachpunkte lokalisieren
Reform geschafft: Paul Cappon, Generaldirektor des Rates der kanadischen Bildungsminister
"Wir haben zum Beispiel ein System entwickelt, mit dem wir diagnostizieren können, was schief läuft - und zwar landesweit", so Cappon. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Kanada, ähnlich wie Deutschland, föderal strukturiert ist. Es gibt zehn Provinzen und drei Territorien, und wie hierzulande auch haben diese "Länder" die Hoheit über die Bildung.
In Regelmäßigkeit gibt es aber in ganz Kanada stichprobenartig nationale Tests für Schüler, parallel zu den eigentlichen Leistungskontrollen. "Die Ergebnisse dieser standardisierten Tests helfen uns, die Schwachpunkte zu lokalisieren", erklärt Paul Cappon. Solche Punkte gebe es durchaus, vor allem seien die Leistungen in den Provinzen zum Teil sehr unterschiedlich - und das sagt er wohl nicht aus der bekannten kanadischen Bescheidenheit heraus.
Cappon muss sich auch nicht bescheiden, kann er doch Highlights aufzählen. Die Provinzen Alberta, British Columbia und Quebec hätten bei "Pisa" so gut abgeschnitten, dass sie als eigenständige Länder "die meisten anderen hinter sich gelassen hätten". Fast die Hälfte aller kanadischen Schüler gehe später auf eine Universität - "ein sehr hoher Wert".
"Große soziale Gleichheit"
Ein Grund dafür liege auch in der "großen sozialen Gleichheit". Bildung sei in Kanada kein soziales Privileg für wenige. Ein Satz, den vor "Pisa" wohl nahezu jeder deutsche Politiker auch für sein eigenes Land glattweg unterschrieben hätte.
Nur hat die Studie bekanntlich ergeben, dass der Bildungserfolg in Deutschland hohem Maße abhängig ist von der sozialen Herkunft. So hat ein Jugendlicher aus einer Akademikerfamilie hierzulande eine vier Mal größere Chance, das Abitur zu erlangen, als ein Facharbeiterkind.
Seine Bildungsreform habe Kanada zudem schon hinter sich, betont Generaldirektor Cappon. Die Kurrikula seien modern wie nie zuvor. "Wir haben Standards erarbeitet und Prioritäten gesetzt: Statt nur darauf Wert zu legen, was man wissen sollte, ist jetzt umso wichtiger, wie man das Wissen benutzen kann. Wir achten auf die Fähigkeit der Schüler, Probleme zu lösen."
Schon im Kindergarten würden dafür die Grundlagen gelegt, so Cappon. "Dass das geht, darüber wird in Kanada nicht mehr diskutiert, das Wissen um diese Tatsache ist Allgemeingut." Ein Hinweis mehr auf die Erkenntnis: Bildung genießt einen äußerst hohen Stellenwert in der kanadischen Gesellschaft.
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