Pisa-Test Warum die Schüler in Japan und Kanada besser sind
Von Carsten Heckmann
2. Teil: Im zweiten Teil: Pauken, plagen, prüfen - was das Schulsystem in Japan ausmacht

AP
Lernen in Deutschland: Was läuft schlechter als anderswo?
In Japan hat die Bildung einen ebenso hohen, wenn nicht noch höheren Stellenwert. Anders sind dort aber die Lehrmethoden. Pauken, plagen, prüfen sind Schlagworte, die dem japanischen Bildungssystem seit langem anhängen. Ganztagsschulen sind Usus, Zulassungsprüfungen für Oberschulen und Universitäten so hart, dass viele Schüler von einer "Prüfungshölle" sprechen.
Elementares muss gelernt werden, und dass es gelernt wird, zeigen die meisten Tests. So auch "Pisa": Im Lesen belegten die japanischen Schüler zwar "nur" den achten Platz, doch in Mathe stellten sie alle anderen Teilnehmer in den Schatten, und in den Naturwissenschaften wurden sie nur von den Koreanern geschlagen.
"In Japan ist die Schule eben Lebensraum, schon die Vorschulerziehung ist wichtig", weiß Volker Schubert zu berichten. Der Erziehungswissenschaftler hat fünf Jahre lang als Lektor in Japan gearbeitet und einige Fachbücher über Bildung und Erziehung im Reich der aufgehenden Sonne verfasst.
Gruppendruck und Konformismus
Der Schulstress für Japaner sei vielleicht nicht einmal größer als in Deutschland, "aber er ist konzentrierter." Bei den wichtigen Prüfungen würden die schlechten Schüler gnadenlos "rausgeprüft", das schaffe Druck. Der werde zusätzlich erhöht durch die Eltern, die auch für Hausaufgabenbetreuung oder Zusatzunterricht sorgen.
Rund vier Fünftel der Grund- und Mittelschüler besuchen mehrmals pro Woche noch eine Nachmittags- oder Abendschule. Intensives Lernen ist angesagt. Dazu brauchen die Schüler Disziplin und Ausdauer.
Hinzu kommt der Gruppendruck. "Die Gruppenarbeit spielt eine große Rolle", sagt Volker Schubert. Sie erfülle mehrere Funktionen. "Die Schüler sollen sich gegenseitig unterstützen, aber auch aneinander orientieren, sich disziplinieren und Anerkennung vermitteln." Damit würden die Gruppen Aufgaben wahrnehmen, die "bei uns auf die Lehrer monopolisiert sind".
Das Problem dabei: "Der Konformismus wird gefördert." Nischen für Individualismus gebe es kaum, so der Erziehungswissenschaftler, da "japanische Lehrer ihn als Problem auffassen". Die japanische Regierung hingegen hat mit Reformen begonnen, damit individuelle Fähigkeiten zukünftig besser gefördert werden.
Schließlich vermissen in- und ausländische Experten bei den vielfach gerühmten japanischen Musterschülern etwas Entscheidendes. Die Mangelware in den Klassenzimmern: Kreativität.
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