Was eine 13-jährige Schülerin einer staatlichen Schule im Westen Schottlands als Aufsatz ablieferte, verschlug ihrem Lehrer beinah die Sprache: "Ich konnte es gar nicht glauben. Die Seite war voll mit Hieroglyphen, von denen ich viele schlicht nicht übersetzen konnte."
Die Schülerin hatte in einer Sprache geschrieben, die sie unschuldig als "leichter als das Standard-Englisch" verteidigte: ein Text im SMS-Stil über ihre Sommerferien, eine Reihung von Abkürzungen, Zahlen und seltsamen Zeichen, die den Lehrer überforderten (der genaue Wortlaut im zweiten Teil). Ihr Werk sorgt nun in Großbritannien für Wirbel. Denn Lehrer beobachten seit geraumer Zeit, dass die lautmalerische SMS-Schreibweise die guten sprachlichen Sitten verdirbt.
Allein in Schottland gibt es rund 3,5 Millionen Handy-Nutzer, etwa die Hälfte davon Teenager. Ungefähr vier Millionen Textmitteilungen werden dort jeden Tag verschickt. Und weil in eine SMS nur 160 Zeichen passen, greifen die Nutzer zu allerlei Halbsätzen und Kurzformen; sie tilgen Vokale und benutzen exzessiv Symbole. Diese Geheimsprache macht Lehrern schon länger zu schaffen: Bereits im vergangenen Jahr monierte die schottische Schulbehörde den "unangemessenen Gebrauch" der SMS-Sondersprache bei Englischprüfungen.
"Wie traurig ist das eigentlich?"
Der Vereinigung der schottischen Lehrer und Eltern warnte jetzt vor einem Niedergang der Schriftsprache und der Grammatik und sprach sich dafür aus, die SMS-Sprache, die sich "wie ein Lauffeuer" verbreite, rigoros aus dem Unterricht zu verbannen.
Mit Sorge sieht Sprecherin Judith Gillespie einen Trend der letzten Jahre: "Schüler denken in der gesprochenen Sprache und schreiben nach Gehör. Selbst in der Sekundarstufe können schockierend viele zum Beispiel nicht zwischen 'their' und 'there' unterscheiden. Dass viele Schulen glauben, man dürfe die Ausdrucksfreiheit von Schülern nicht einschränken, ist ein Problem." Gillespie wehrt sich gegen eine Haltung des "Anything goes" und befürchtet eine "Erosion der Sprache".
Der Verband der Rektoren und Lehrerinnen glaubt zwar, dass die meisten Lehrer ein "hartes Durchgreifen gegen dieses schludrige Schreiben" begrüßen würden. "Aber manche glauben, Schüler zu Aufsätzen in SMS-Sprache zu bewegen, sei immer noch besser als nichts", meint Sprecher Tino Ferri - "wie traurig ist das eigentlich?".
Sheila Hughes hält dagegen: Jede Form, in der sich Jugendliche gut ausdrücken könnten, sollte akzeptiert werden, meint die Sprachwissenschaftlerin an der Universität Strathclyde. Die SMS-Sprache sei eben eine neue Form der Sprache: "Selbst wenn Schüler Vokale und Interpunktion weglassen, denken sie darüber nach. Eine Veränderung der Sprache kann niemand verhindern - also sollte man sie nutzen."
Im zweiten Teil:
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