Celle - Bereits ein Jahr vor dem Abitur hat Arno Pauly die Bachelor-Prüfung in Informatik an der Fernuniversität Hagen abgelegt. Der 17-jährige Schüler, der gerade in die 13. Klasse des Celler Hermann-Billung-Gymnasiums versetzt wurde, begann schon mit 13 Jahren sein Informatik-Studium und erhielt am Donnerstag sein Abschluss-Zeugnis. Auf den Bachelor mit der Gesamtnote "sehr gut" sei er "richtig stolz", sagte der ansonsten eher zurückhaltend wirkende Jugendliche am Freitag.
Schon in der Grundschule hatte Arno Pauly die vierte Klasse übersprungen. Um ein Studium aufzunehmen, braucht man normalerweise die Hochschulzugangsberechtigung, also je nach Studiengang entweder das Abitur oder die Fachhochschulreife. Das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf erteilte Pauly aber eine Ausnahmegenehmigung.
Das Fernstudium in Hagen habe er aufgenommen, "weil mir in der Schule langweilig war", sagte der begabte Schüler, der sich erst als Gasthörer und dann als regulärer Studenten eingetragen hatte. Zunächst habe er ganz bescheiden nur zwei Kurse belegen wollen, daraus habe sich aber ein komplettes Studium entwickelt. Den Tipp gab ihm seine Mutter, die nach Herausforderungen für den damals 13-Jährigen suchte. Informatik reizte ihn, denn das gab es an seiner Schule nicht, und das Programmieren hatte er sich bereits selbst beigebracht.
Noch keine klaren Zukunftspläne
Obwohl der Celler Gymnasiast das Studium neben der Schule absolvierte, war er schnell und überschritt die Regelstudienzeit nur um ein halbes Jahr. Sein Studienschwerpunkt war die Künstliche Intelligenz, die Abschlussarbeit schrieb er über "Die Axiomatik der temporalen Relationen von Multinet". Multinet sei ein Computerprogramm zur Darstellung der Inhalte von Sprache, erklärte Pauly das Thema; mit temporalen Relationen seien Konjunktionen wie "dann" oder `bis" gemeint. Zudem habe er mehrere mündliche Prüfungen in Informatik und in zwei Nebenfächern abgelegt.
Zugeflogen sind ihm die guten Noten aber keineswegs - immerhin hatten seine Kommilitonen ihm einige Jahre Schulwissen voraus. "Arno Pauly ist das Universitätsstudium nicht leicht gefallen, aber er nahm es ernst und erarbeitete sich die fehlenden schulischen Grundlagen selbst", sagte eine Sprecherin der Fernuniversität. Die anderen Studenten waren "schon einmal etwas verwundert", wenn sie ihn trafen, doch das habe sich schnell gelegt, erzählte Pauly. Und für die Dozenten waren Prüfungen mit einem Jugendlichen ungewöhnlich, "aber alle haben mich voll akzeptiert". Auch für seine Hobbys wie Kino, Theater oder Tanzschule blieb noch Zeit.
Trotz seines sehr guten Hochschulabschlusses will Arno Pauly weiter bis zum Abitur zur Schule gehen. Abgesehen von den Fächern Sport und Kunst habe er auch dort gute bis sehr gute Noten, sagte er. Zum Beruf will er die Informatik allerdings nicht unbedingt machen. Bislang hat er nur "sehr vage berufliche Pläne in Richtung Forschung oder akademische Karriere" - und plant als nächstes den Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen.
Am Freitag kamen auch NRW-Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft und Fernuni-Rektor Helmut Hoyer zur Zeugnisübergabe und beglückwünschten Arno Pauly. Sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Niedersachsen sind die Ministerien sich sicher, dass noch nie ein 17-Jähriger ein Studium abgeschlossen hat, an der Fernuniversität ebenfalls nicht, und auch die Hochschulrektorenkonferenz weiß von keinem Fall. Damit ist Arno Pauly mindestens einer der jüngsten deutschen Hochschulabsolventen - vermutlich sogar der jüngste überhaupt.
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