Das Ende des Schuljahres hatten sich die Holzmindener Jugendlichen ganz anders vorgestellt. Am 8. Juli begannen die großen Ferien, eine Woche vorher verurteilte ein Jugendrichter des Amtsgerichts sie zu teils mehrwöchigem Arrest - wegen wiederholten Schulschwänzens.
Insgesamt 22 Schüler samt ihren Eltern hatte Richter Jörg Mertens zu einer Anhörung vorgeladen, um die Einhaltung verhängter Auflagen zu überprüfen. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet, schickte er 14 der Jugendlichen postwendend in Arrest - einen für eine Woche, zwölf für zwei und einen sogar für drei Wochen. Ihre Zahnbürsten konnten sie noch holen und wurden dann in Polizeibussen zur Arrestanstalt in Göttingen gefahren.
Schulschwänzen war allerdings nicht der einzige Grund für die ungewöhnliche Entscheidung. Bereits früher waren die Jugendlichen im Alter von 15 bis 22 Jahren wegen verschiedener Delikte wie Diebstahl, Körperverletzung oder Raub verurteilt worden. In den Strafverfahren erhielten sie die Auflage, künftig regelmäßig den Unterricht zu besuchen. Das schafften nur acht. Die anderen machten trotzdem abermals blau. Gerade die Erfüllung der Schulpflicht falle jugendlichen Tätern häufig sehr schwer, sagte Richter Mertens.
Keinerlei Einwände der Eltern
Die meisten sind inzwischen wieder zu Hause, einer sitzt noch und kommt erst in den nächsten Tagen frei. Einen ähnlichen Fall habe es in Niedersachsen bisher nicht gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Albrecht Stange. "Durch eine koordinierte Aktion von Polizei, Gericht, Staatsanwalt und Jugendarrestanstalt haben wir erreicht, dass die Jugendlichen sofort nach dem Urteil ihre Strafe antreten konnten", so der Leiter der Jugendabteilung bei der Hildesheimer Staatsanwaltschaft. Das habe Eindruck hinterlassen: "Während es bei den Schülern Tränen gab, waren einige Eltern regelrecht begeistert, dass durchgegriffen wurde", sagte er der "HAZ".
Auf Rechtsmittel gegen die Strafe verzichteten die Eltern. Die Staatsanwaltschaft hält das harte Durchgreifen - "ein rein pädagogisches Mittel" - für richtig und sieht den Arrest als "Denkzettel". Erzieherische Maßnahmen hätten nur Sinn, wenn sie sofort umgesetzt würden, so der Oberstaatsanwalt.
Als "völlig überzogen" kritisierte dagegen die Landtagsfraktion der Grünen die Entscheidung des Jugendrichters. "Der pädagogische Sinn dieser Maßnahme ist äußerst fragwürdig", sagte die schulpolitische Sprecherin Ina Korter, "Arrest löst keine Probleme, er kann sie sogar massiv verstärken." Nach Auffassung der Grünen-Politikerin ist Schulschwänzen immer ein Hinweis auf besondere Probleme der Jugendlichen, die fachkundige Beratung und Hilfe erforderten.
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