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06.02.2006
 

Urchristen und Schulpflicht

Privatschule für "Zwölf Stämme"

Die bibelfrommen Urchristen der "Zwölf Stämme" wollen ihren Kindern Sexualkunde und Evolutionslehre ersparen. Der Streit zwischen der Religionsgemeinschaft und dem Land Bayern dauerte Jahre - jetzt wurde ein Kompromiss gefunden.

Der seit Jahren andauernde Streit um die Schulpflicht der Kinder der Glaubensgemeinschaft der "Zwölf Stämme" in Klosterzimmern ist beendet. Vertreter der Gruppe einigten sich mit dem Landratsamt und dem Schulamt auf eine Lösung. Ab August soll auf dem Gut der Gemeinschaft im nordschwäbischen Klosterzimmern eine Privatschule eingerichtet werden - unter staatlicher Aufsicht.

"Zwölf Stämme": "Kinder sollen vor schlechten Einflüssen bewahrt werden"
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DPA

"Zwölf Stämme": "Kinder sollen vor schlechten Einflüssen bewahrt werden"

Die Kosten für den Unterricht trägt die Glaubensgemeinschaft. Die sogenannte Ergänzungsschule hat den Status einer Privatschule, wird aber vom Staat kontrolliert. Die Eltern dürfen die Lehrer, die ihre Kinder unterrichten, selbst aussuchen. "Beide Seiten sind Gewinner, es gibt keine Verlierer", sagte der Sprecher der Gemeinschaft, Holger Röhrs.

Die bibelfrommen Eltern hatten die Schulpflicht aus religiösen Gewissensgründen abgelehnt und ihre Kinder selbst unterrichtet. Sie wenden sich beispielsweise gegen den staatlichen Sexualkundeunterricht und die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie.

Polizeieinsatz und Erzwingungshaft

Vor drei Jahren hatte die Weigerung der Gemeinschaft zu einem spektakulären Polizeieinsatz geführt: Rund 50 Beamte hatten damals die rund 30 Kinder zwangsweise in die Schule gebracht. Im November 2004 waren sieben Väter sogar in Erzwingungshaft genommen worden, die auch den Müttern angedroht worden war. Zuvor hatte die Gemeinschaft hohe Buß- und Zwangsgelder nicht bezahlt.

Die Eltern der Glaubensgemeinschaft berufen sich bei ihrer Ablehnung der staatlicher Schule auf religiöse Gründe. Sie erachten es als Gottesgebot, ihren Kindern bestimmte Aspekte der modernen Welt vorzuenthalten. Statt der Evolutionslehre solle etwa die christliche Schöpfungslehre gelehrt werden.

Die urchristliche Gemeinschaft "Zwölf Stämme" wurde in den USA gegründet, sie hat in Deutschland knapp 100 Mitglieder. Der Name leitet sich von den biblischen zwölf Stämmen Israels ab.

jaf/dpa

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