Berlin - Annette Schavan schlägt die Einrichtung von Netzwerken für so genannte Brennpunktschulen an. Angesichts der Ereignisse an der Berliner Rütli-Hauptschule sagte die CDU-Politikerin der "Financial Times Deutschland": "Wir brauchen künftig an solchen Brennpunktschulen ein Bündnis für Integration - ein Netzwerk, das intensiv aggressive und orientierungslose Jugendliche begleitet." Dazu sollten Sozial- und Jugendarbeiter künftig direkt in Schulen arbeiten.
Die Ministerin räumte ein, die Vorfälle an der Hauptschule mit 80 Prozent Zuwanderer-Anteil seien nur "die Spitze eines Eisbergs". Künftig bräuchten Lehrer mit besonders schwierigen Schülern und einem hohen Ausländeranteil in den Klassen stärkere Unterstützung. Zugleich verlangte die Ministerin eine "neue Pädagogik", die selbstbewusst mit der deutschen Kultur und Identität umgehe. In der Vergangenheit habe Toleranz zu oft Ignoranz bedeutet. "Wir müssen uns selbst fragen, ob wir diesen Jugendlichen Chancen nehmen, indem wir sie in ihren Parallelgesellschaften belassen und dies als Toleranz verstehen."
Zukunft der Hauptschule
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit denkt darüber nach, ob Hauptschulen in Zukunft überhaupt noch sinnvoll sind. Er wolle zwar "jetzt keinen Schulkampf", sagte der SPD-Mann der Berliner "B.Z. am Sonntag". "Aber ich frage mich, ob es nicht vielleicht besser wäre, Hauptschulen und Realschulen zusammenzulegen oder sie in Gesamtschulen umzuwandeln", fügte er hinzu.
Wowereit wiederholte seine Forderung, einen Teil des Kollegiums der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln auszutauschen. "Wir brauchen an dieser Schule die bewährtesten Pädagogen", betonte er. Zudem würde ein Wechsel "sicher helfen, das Burn-out-Syndrom bei Lehrern zu verhindern". Wowereit unterstrich, das sei aber keine Frage des Geldes, sondern des Konzeptes. "Wir müssen prüfen, ob wir das Geld effektiv ausgeben", sagte er.
Druck gegen Gewalt
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hält stärkeren Druck für das richtige Mittel gegen Gewaltexzesse. Ausländische Mitbürger und Zuwanderer sollten verstärkt zur Eingliederung angehalten werden. Er wolle die Vorschriften so verschärfen, "dass man bei ständigem Wohnsitz oder bei Daueraufenthalt bei uns auch Deutsch sprechen muss - im Interesse der Integration und des sozialen Friedens", sagte Oettinger zu "Focus". Dies sei unabhängig davon, ob sich jemand einbürgern lassen will oder nicht. Die Sprache des Aufenthaltsortes müsse von jedem gesprochen werden.
Wen der Staat finanziell unterstütze, der müsse sich auch um das Erlernen der Sprache bemühen, sagte der CDU-Politiker. "Wir sollten die Gewährung von Arbeitslosengeld mit der Verpflichtung verknüpfen, die deutsche Sprache zu lernen. Was wir von deutschen Spätaussiedlern verlangen, können auch die anderen Zuwanderer leisten."
Um aggressive Jugendliche im Zaum zu halten will Oettinger bei den Eltern ansetzen. "Wir könnten beispielsweise jedem jungen Vater, jeder jungen Mutter einen Gutschein für Elternbildungskurse schenken, die Kirchen, Volkshochschulen und andere Bildungsträger einlösen", schlug der Ministerpräsident vor. "Es wäre auch sinnvoll, Elternabende in der Schule zur Pflicht zu machen, wie auch ein halbjährliches Erziehungsgespräch von Lehrern und Eltern."
Eigenverantwortung gefordert
Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sieht vor allem die Eltern gewalttätiger und randalierender Schüler in der Verantwortung. Eltern mit Migrationshintergrund hätten wie alle anderen die Pflicht, auf ihre Kinder erzieherisch einzuwirken, sagte Gerhardt heute im Deutschlandfunk. "Ich befinde mich als Politiker immer mit Forderungen aus der Gesellschaft konfrontiert, der Staats soll das lösen, die Schule muss das machen. Es wird aber nie nachgefragt, was hier anwesende deutsche Staatsangehörige oder ausländische Mitbürger an eigener Verantwortung übernehmen", sagte Gerhardt.
ler/ddp/dpa/AFP
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