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26.03.2007
 

Noten für Lehrer

Setzen, sechs!

Von Jochen Schönmann

Manche Lehrer piesacken ihre Schüler mit schlechten Noten. Auf einer neuen Website dürfen jetzt auch Schüler ihre Lehrer bewerten. Die Noten sind nicht immer gut - sehr zum Leidwesen der Lehrer. Einige wollen die Seite am liebsten direkt schließen lassen.

Tino Keller hat Stress. Obwohl Semesterferien sind. Während seine Kommilitonen morgens lange schlafen oder den Nachmittag im Park vertrödeln, sitzt er am Computer und bearbeitet gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Philipp Weidenhiller, 22, und Manuel Weisbrod, 25, geduldig eine E-Mail nach der anderen. Dazu klingelt unablässig das Telefon: Handy, Festnetz, dann wieder Handy.

Die Spickmich-Gründer Tino Keller, Philipp Weidenhiller und Manuel Weisbrod (von links nach rechts): Jetzt dürfen Schüler ihre Lehrer benoten
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Tim Jovi

Die Spickmich-Gründer Tino Keller, Philipp Weidenhiller und Manuel Weisbrod (von links nach rechts): Jetzt dürfen Schüler ihre Lehrer benoten

Die Kölner Studenten haben eine Internet-Plattform ins Leben gerufen, auf der Schüler ihren Lehrern Noten von eins bis sechs geben können. Auf der Website "Spickmich.de" können Schüler die Leistungen ihrer Lehrer in den Kriterien "guter Unterricht", "leichte Prüfungen" und "faire Noten" bewerten. Außerdem Zensuren dafür geben, ob ihre Lehrer sexy, cool, witzig oder beliebt sind. Von der Resonanz der Schüler sind die drei Studenten selbst überrascht.

Prominentes Vorbild ist das Internetportal MeinProf.de, auf dem Studenten ihre Professoren bewerten können. Rund 50.000 Nutzer sind in dem Portal mittlerweile registriert und diskutieren die Leistungen von über 30.000 Dozenten. Viele Studenten nutzen das Portal aber auch, um sich gezielt über Lehrangebote, Inhalte und die Einschätzung der Studenten über ihre Professoren zu informieren.

"Die Schüler bewerfen die Lehrer mit Dreck"

Nicht alle sind von dem Konzept begeistert. Die Macher von MeinProf.de bekamen eine Menge Gegenwind. Der Verband der Hochschullehrer verteilte Unterlassungsaufforderungen, Datenschutzbeauftragte äußerten Bedenken. Schließlich könnten sich auch Konkurrenten von Professoren in das Portal einklicken und Bewertungen abgeben, sagte etwa der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix.

Auch die Macher von Spickmich.de müssen Kritik einstecken. Kein Wunder: Die Noten, die die Lehrer bekommen, sind nicht immer schmeichelhaft. Einige Lehrer möchten die Seite am liebsten sofort schließen lassen.

So wie Ulrich Boddenberg, Schulleiter der Königin-Luise-Schule in Köln. An seiner Schule beteiligen sich die meisten Schüler an der Lehrerbewertung im Netz. Der Schulleiter hat Angst um das Klima an dem Gymnasium und überlegt, ob er Klage einreicht. "Einige Einträge auf der Seite treten die Persönlichkeitsrechte von Lehrern und Schülern mit Füßen", sagt er. Teilweise enthielten sie extreme verbale Gewalt. "Da macht man sich lustig über Verkrüppelungen und bewirft die Lehrer mit Dreck." Die Kritik der Schüler trage nicht dazu bei, die Qualität des Unterrichts zu verbessern.

Ein Ehrenkodex für die Nutzer

Beim nordrhein-westfälischen Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit liegt bereits eine Beschwerde gegen die Seite vor. "Die Veröffentlichung personenbezogener Daten ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Betroffenen gestattet", sagt Bettina Gayk von der Datenschutzbehörde. Es sei durchaus möglich, dass man die Betreiber von Spickmich.de demnächst auffordert, die Seite vom Netz zu nehmen.

Die drei Studenten können die Aufregung nicht verstehen. "Wir legen großen Wert darauf, dass fair diskutiert wird", sagt Tino Keller, "diffamierende Einträge werden sofort gelöscht." Extrem schlechte Noten gebe es zwar - aber vor allem dann, wenn ein Schüler nach einer versiebten Klassenarbeit ordentlich Dampf ablasse. "Wir tun aber nichts, was moralisch fragwürdig wäre."

Gemeinsam arbeiten sie nun an Verhaltensrichtlinien, die sie auf die Seite stellen wollen - eine Art Ehrenkodex für die Nutzer. "Damit jedem sofort klar ist, dass Beleidigungen und Diffamierungen hier keinen Platz haben." Auffällig sei jedoch eines: "Die Beschwerden kommen hauptsächlich von solchen Lehrern, die von ihren Schülern ziemlich schlechte Noten bekommen haben", behauptet Keller. Vielleicht sollten die sich darüber mal Gedanken machen.

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