Von Barbara Hans
Er steht mit dem Rücken zur Klasse, beugt sich vor, schreibt etwas an die Tafel. Wie ein Pfeil schießt ein Junge von seinem Platz in der hinteren Ecke des Raumes nach vorn. Er nähert sich dem Mann, umgreift seine Hüften - und zieht ihm die Hose runter. Nach einer Schrecksekunde bückt sich der Lehrer, zieht seine Hose wieder über die Unterhose und stürzt quer durch die Klasse auf den Übeltäter zu.
Mit einem Handy gefilmt, gelangten die Bilder auf die Internetplattform YouTube. Laut Beschreibung des Videos verantwortet ein Schüler aus Cumbernauld nahe Glasgow in Schottland den Streich.
Der Fall hat in Großbritannien Aufsehen erregt. Lehrerverbände diskutieren über das sogenannte Cyber-Bullying - eine Form von Mobbing, bei der technische Geräte wie Handys oder Computer zum Einsatz kommen. Laut der Lehrervereinigung ATL hat diese Form der Belästigung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
"Das Cyber-Bullying hebt eine jahrhundertealte Angelegenheit auf eine neue Ebene", sagt Mary Bousted, die Vorsitzende der Vereinigung. Und das Problem verschärfe sich.
Ein Blick in das Dekolleté der Lehrerin - für jeden sichtbar
Immer häufiger werden Belästigungen von Lehrern mit dem Handy aufgezeichnet und dann im Internet veröffentlicht. Der Einzelne wird dadurch vor einem potentiellen Milliardenpublikum bloßgestellt - weltweit. Und der Schaden für die Betroffenen wächst mit der Zahl der Betrachter.
Manche Aufnahmen gewähren einen Blick in das Dekolleté einer Lehrerin - oder unter ihren Rock. In Extremfällen werden Lehrer per Montage kurzerhand zu Hauptdarstellern in Pornofilmen.
Cyber-Bullying ist vielfältig: Anrufer legen wortlos auf. Pöbler schicken obszöne, einschüchternde SMS oder beleidigende E-Mails, diffamieren ihre Opfer in Chatrooms. Andere machen eben bloßstellende Aufnahmen mit dem Handy. Der Schulstreich mag so alt sein wie die Schule selbst - aber die Technik verändert seinen Charakter und vor allem seine Reichweite. War der Schabernack früher hauptsächlich auf Klassenraum und Schulhof begrenzt, ermöglichen Handy und Computer ein zeit- und grenzenloses Piesacken der Lehrer.
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