Von Barbara Hans
Bei allen Vorteilen der neuen Technik: Die Folgen für die belästigten Lehrer seien verheerend, sagt Lehrervertreterin Bousted. "Sie werden öffentlich gedemütigt. Ihr Ruf wird beschädigt, der berufliche Stolz und das Selbstvertrauen leiden stark." Das Problem mache längst "nicht am Schultor halt". Eine Untersuchung des Verbands ergab, dass 17 Prozent der befragten britischen Lehrer schon einmal mit Hilfe von Handy oder E-Mail belästigt wurden.
Ein überraschendes Ergebnis ist allerdings: Nur ein Drittel der Befragten macht Schüler für die Belästigungen verantwortlich. Weitere Übeltäter sind Kollegen, Vorgesetzte oder gar die Eltern von Schülern. Beim Cyber-Bullying gibt es demnach auch einen breiteren Täterkreis als beim gewöhnlichen Streichespielen.
"Die Forschung steht noch ganz am Anfang"
In Deutschland ist das Thema noch weitgehend unbekannt - zumindest statistisch gesehen. Eine Auflistung solcher Fälle gibt es nicht, entsprechende Informationen müssen nicht gemeldet werden.
Ein europäisches Pilotprojekt soll nun Fakten sammeln. "Teachers in bullying situations" heißt die Teilstudie eines europäischen Kooperationsprojektes, zu der an der Universität Lüneburg geforscht wird. Lehrern werden für die Untersuchung Fallbeispiele vorgelegt und ihre Reaktionen untersucht.
"Dieses Thema ist bislang national wie international kaum bearbeitet", sagt Heinz Witteriede, der das Projekt in Lüneburg als wissenschaftlicher Mitarbeiter koordiniert. Bullying oder Mobbing seien vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie über einen längeren Zeitraum erfolgen. "Wenn es sich um einen einzelnen Vorfall handelt, würde ich nicht davon sprechen." Mobbing zu beweisen ist allerdings schwierig. Es dreht sich um eine schwer objektivierbare Größe: die Wahrnehmung des Einzelnen.
Wenn der Job zur Qual wird
In der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen suchen Pädagogen Hilfe, die die Probleme im Schulalltag nicht mehr ohne professionelle Unterstützung bewältigen können. Chefarzt Erwin Schmitt sagt: "Entscheidend für die Entstehung von chronischem Stress ist das Gefühl, von außen beeinflusst oder gar fremdbestimmt zu werden." Die Arbeit wird dann häufig als Schikane empfunden, der Job zur Qual. "Die Patienten haben das Gefühl, die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Sie sehen keinen Sinn mehr in dem, was sie tun."
Die Gründe für die Belastungen sind zahlreich: Die Klassen werden immer größer, die Eltern immer kritischer, zugleich erziehen sie ihre Kinder immer weniger, und die Kultusbürokratie erlässt immer mehr Auflagen.
Ein Großteil der Lehrer in der Parkklinik leidet unter einer sogenannten Burnout-Depression. "Die Erkrankung wird in den meisten Fällen durch starken beruflichen Stress und nicht durch Veranlagung ausgelöst", sagt Schmitt. Ein konkreter Anlass - wie der Vorfall in der schottischen Schule - sei dann nur noch der Auslöser.
Aufruf an Internetseiten-Betreiber
Bei einem Patienten wurde ein Schneeball zum Sinnbild der eigenen Ohnmacht - den hatte ein Schüler dem Lehrer an den Kopf geworfen.
Doch die Lehrer, die sich in Behandlung begeben, haben gute Chancen. In der Therapie werden die Gründe für die Probleme erforscht und praktischer Rat gegeben. "Ein Großteil der Patienten geht wieder zurück in den Schuldienst", sagt Schmitt.
In Großbritannien diskutiert man derweil darüber, wie der Missbrauch technischer Geräte künftig zu verhindern ist. Die "Vereinigung von Lehrern und Dozenten" hat die Betreiber von Internetplattformen dazu aufgerufen, diffamierendes Material umgehend von den Seiten zu entfernen.
Im Fall des entblößten Lehrers aus Schottland funktionierte das, die erste Version wurde von YouTube entfernt - aber erst, nachdem die Bilder um alle Welt gingen. Und in Kopien ist das Video dort immer noch zu finden.
Auf anderen Social Networks posten:
hallo sat, ich bin ganz deiner meinung - jugendliche hatten schon immer das starke bedürfnis, sich vom rest der gesellschaft abzugrenzen, notfalls auch mit methoden die uns etwas krank vorkommen; macht nix - geht vorbei! [...] mehr...
Schreiben Sie hier ein Lehrbuch über ADHS? Genaus das hat schon der Eichlseder im Buch "Unkonzentriert" vor 25 Jahren bis ins letzte Detail beschrieben. Nein, das ist leider angeboren. Diese Kinder müssen soziale [...] mehr...
Ich habe etwas Erfahrung mit problematischen Jugendlichen, die man landläufig wohl als „Asis“ bezeichnen würde, und muss eine Lanze für sie brechen! Diese Jugendlichen sind weder bösartig noch sonst wie gemeingefährlich, aber sie [...] mehr...
In meiner Welt da wird man von Jugendlichen, besser gesagt von Halbstarken die denken sie können sich mal aufführen auch mal dumm angeschwätzt, aber ob das immer Gesamtschüler sein müssen. Egal, doch eines ist sicher, dieses [...] mehr...
Halt ich für eine Interessante Erklärung, Daumen hoch Ich möchte auf niemanden herabschauen, ich bin auch kein Musterschüler und muss jedes jahr um meine Versetzung kämpfen. Warum ich behaupte dass es an Haupt- und [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH