Der elfte SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb ging am 18. Juni mit der Siegerehrung in Hamburg und einer großen Party zu Ende. Viele exzellente Texte, Fotos und Online-Auftritte ließen erkennen, dass wir unser selbstgestecktes Ziel - die Förderung und Motivierung des Journalistennachwuchses - auch in diesem Jahr wieder erreicht haben.
Obwohl: Mir kommt es manchmal so vor, als veranstalte der SPIEGEL mit seinem Wettbewerb eine Art bayerische und baden-württembergische Landesmeisterschaft. Auch 2006/2007 bietet sich das gleiche Bild wie in den Vorjahren: Drei der zehn besten Schülerzeitungen kommen aus Bayern, drei aus Baden-Württemberg - und je eine aus Sachsen, Niedersachsen, Hessen und Hamburg. Drei Länder sind leider überhaupt nicht in der Top-Ten-Platzierung vertreten; das sollte für die Schülerzeitungsredakteure in Bremen, im Saarland und in Sachsen-Anhalt im kommenden Schuljahr ein besonderer Ansporn sein. Gebrochen scheint inzwischen der Trend zu sein, dass die Mädchen unter den besten Schülerzeitungsmachern dominieren, wie es in den ersten sechs, sieben Jahren der Fall war. Diesmal registrierten wir unter den Top Ten aller Kategorien 80 Jungen und 39 Mädchen.
Nach wie vor erscheinen die meisten prämierten Zeitungen beziehungsweise Magazine an Gymnasien. Aber in diesem Jahr gab es 22 Preisträger von Gesamt-, Real-, Haupt-, Waldorf-, Berufs- und Sonderschulen - so viele wie noch nie. Das hat nicht allein damit zu tun, dass wir eine spezielle Kategorie für Nicht-Gymnasien eingeführt haben. Eher schon damit, dass sich die Erkenntnis herumspricht, dass man nicht Gymnasiast sein muss, um beim SPIEGEL-Wettbewerb etwas zu gewinnen.
Zum zweiten Mal setzte sich - wie schon 2004 - der "Rückenwind" vom Adalbert-Stifter-Gymnasium in Passau als Gesamtsieger durch. Allerdings mit einem komplett neuen Redaktionsteam, denn die "Alten" sind inzwischen in alle Winde verstreut. Einer von ihnen ist übrigens bei SPIEGEL ONLINE gelandet.
Aber gewonnen haben letztlich alle 812 Teilnehmer, die 1701 Hefte und Beiträge eingereicht haben. Viel Arbeit für die 19 Juroren, überwiegend SPIEGEL-Redakteure, die diese Arbeiten sortiert und bewertet, die Top Ten in zehn Kategorien herausgefiltert, Sonderpreise vergeben und einen Nachmittag lang um die endgültige Rangfolge gerungen haben. Ergebnis dieses Diskussionsprozesses: Insgesamt 91 Preise wurden vergeben, 55 Schülerinnen und Schüler zur Siegerehrung nach Hamburg eingeladen. Wie viel Engagement die Schülerzeitungsredakteure in den SPIEGEL-Wettbewerb investieren, macht eine Rückschau deutlich: Seit 1996 haben sich über 30 000 Nachwuchsjournalisten mit rund 22.000 Arbeiten beworben.
Für die meisten von ihnen hat sich diese Arbeit gelohnt - sie sind kritischer geworden, fühlen sich bereichert und haben mitunter das Gefühl entwickelt, beim Schülerzeitungsmachen mehr gelernt zu haben als in manchen Unterrichtsfächern. Und das ist den meisten Siegern wichtiger als die Preise, die sie gewinnen können, obwohl die auch ganz angenehm sind.
Stefan Aust
Die Top Ten in den zehn Kategorien erhalten wie stets finanzielle Zuschüsse zur Redaktionsarbeit beziehungsweise Sachpreise. Der Hermann-Gmeiner-Fonds lädt diesmal zwei Nachwuchsjournalisten in SOS-Kinderdörfer nach Uruguay ein. Unser Kooperationspartner EnBW Energie Baden-Württemberg AG lädt die Preisträger ein Wochenende in den Europapark Rust ein; auch der Kooperationspartner Adobe hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Für die besten Website-Gestalter gibt es eine Creative Suite Premium. SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL TV vergaben zwei redaktionelle Praktika; die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz ein Theaterpraktikum.
Nach den Herbstferien findet sich unter derselben Internet-Adresse auch die Ausschreibung zum zwölften SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb. Ich hoffe, im nächsten Jahr wieder ein positives Fazit ziehen zu können. EnBW, der Softwarehersteller Adobe, der Hermann-Gmeiner-Fonds und die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz haben den Wettbewerb 2006/2007 als Kooperationspartner des SPIEGEL-Verlags großzügig unterstützt.
Stefan Aust,
SPIEGEL-Chefredakteur
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