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19.06.2007
 

Gewalt gegen Lehrer

Verprügelt, bedroht, ausgeraubt

Von Anna Reimann

Ein Lehrer im Krankenhaus, eine Kollegin mit dem Tod bedroht, eine andere von maskierten Jugendlichen in der Schule beraubt: Berlins Schulen geraten durch eine Angriffsserie gegen Lehrer in die Schlagzeilen. Ein Konrektor sagt offen: "Gewalt ist ein großes Problem bei uns."

Berlin - Es ist schon das dritte Mal innerhalb einer Woche, dass Gewalt gegen Berliner Lehrer Schlagzeilen macht. Heute war der Tatort der Schulhof der Neuköllner Röntgen-Oberschule.

Während seiner Pausenaufsicht wurde ein 54-jähriger Lehrer von einem schulfremden Jugendlichen niedergeschlagen. Der 17-Jährige wollte seine Ex-Freundin auf dem Schulhof sprechen, die lehnte ein Gespräch ab. Der Lehrer verwies den ungebetenen Gast vom Schulhof.

Daraufhin schlug der Täter ihm mehrmals brutal ins Gesicht. Der Lehrer ging verletzt zu Boden.

Schüler der Schule griffen schnell ein, um ihren Lehrer zu schützen und Schlimmeres zu verhindern. Der 54-Jährige musste ins Krankenhaus. Es gehe ihm inzwischen besser, er stehe aber unter Schock, sagt Klaus Düsing, stellvertretender Schulleiter der Röntgen-Oberschule, zu SPIEGEL ONLINE.

Fast immer schulfremde Täter

Der Schläger konnte flüchten. Die Polizei fahndet nach ihm. "Er ist uns aber bekannt", sagt Düsing. Er sei schon öfter aufgefallen, weil er verbal aggressiv wurde, Schüler und Lehrer bedrohte oder beleidigte. "Gewalt ist grundsätzlich ein großes Problem bei uns", sagt der Konrektor der Neuköllner Schule - nicht unter den eigenen Schülern, sondern durch schulfremde Personen. Meist verlaufe der Weg zur Gewalt so: "Die Jugendlichen chatten, telefonieren. Jemand erzählt, ein anderer habe dies und jenes behauptet. Die Gruppe macht sich daraufhin auf den Weg, um das zu 'klären'." Dass ein Lehrer attackiert werde, sei an seiner Schule allerdings das erste Mal passiert. "Verbale Gewalt und Drohungen gab es schon häufiger."

Der Vorfall an der Röntgen-Oberschule steht in einer Reihe von Angriffen gegen Lehrer. Gestern bedrohte ein 19-jähriger Schüler an der Mildred-Harnack-Oberschule in Berlin-Lichtenberg seine Lehrerin, nachdem sie ihn aufgefordert hatte, sein Handy auszuschalten. Er schmiss einen Stuhl nach ihr, berichtet die "Bild"-Zeitung". Die Polizei bestätigt, dass der Schüler der Lehrerin gedroht hat. "Sie werde den Tag nicht mehr überleben, rief der Schüler der Lehrerin zu", sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE.

Am vergangenen Freitag hatten zwei maskierte Jugendliche im Berliner Stadtteil Schöneberg eine Lehrerin in der Schule überfallen. Sie bedrohten sie mit einer Stahlrute und raubten ihr die Tasche. Die Lehrerin erlitt einen Schock. Die schulfremden Täter sind nach Angaben der Polizei von einem 16-jährigen Schüler der Schule zu der Tat angestiftet worden. Er habe so sein schlechtes Zeugnis beseitigen wollen, das er in der Tasche vermutete. Die Täter wurden der Kriminalpolizei überstellt - sind inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Demütigung im Internet

Trotz der Häufung von Gewalt gegen Lehrer in der vergangenen Woche will die Polizei nicht von einem generellen Anstieg sprechen. Lehrer müssen nicht nur Übergriffe fürchten - in den vergangenen Monaten haben Experten noch ein anderes Phänomen beobachtet: Cyber-Mobbing:. Immer häufiger filmen Schüler ihre Lehrer mit der Handy-Kamera und stellen die Filme ins Internet. Aber nicht nur reale und oft gezielt provozierte Wutausbrüche der Lehrer werden aufgenommen und der Welt im Internet vorgeführt.

Häufig greifen Schüler zu noch perfideren Methoden. Sie montieren die Köpfe ihrer Lehrer in Pornovideos oder simulieren gar Erschießungen der Lehrer im Internet.

Im vergangenen Jahr registrierte der Berliner Senat einen deutlichen Zuwachs der gemeldeten Gewaltvorfälle an Berliner Schulen. Die Zahl stieg im Schuljahr 2005/2006 um mehr als 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa doppelt so oft wurden Körperverletzungen und Bedrohungen gemeldet. Im Vergleich zur Gewaltbilanz vor fünf Jahren hat der Berliner Senat sogar eine Zunahme um mehr als das Sechsfache festgestellt.

Nahezu verdoppelt haben sich auch die gemeldeten Gewalttaten gegen Lehrer: Ein Viertel aller Vorfälle richtete sich gegen sie. 374 Pädagogen waren im vergangenen Jahr betroffen - 2004/05 waren es noch 196. Der Berliner Senat erklärte die rapide Zunahme auch damit, inzwischen sei die Aufmerksamkeit im Umgang mit Gewalt gestiegen. Deshalb würden mehr Fälle gemeldet.

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