Für gute Fortsetzungen gibt es kaum Regeln. Wer zu sehr auf das Rezept vom ersten Teil vertraut, produziert eine Wiederholung. Wer sich zu weit vorwagt, verprellt die Fans. Die Macher der Kampagne "Kein Bock auf Nazis" machen jetzt alles wie beim letzten Mal - und können trotzdem auf Erfolg hoffen.
Rocker gegen rechts: Bela B. stellt die neue DVD vor.
Es ist die linke Antwort auf rechte Schulhof-CDs, die von der NPD verteilt wurden. "Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker" hatten die Rechten als Untertitel ausgesucht und warben damit um Nachwuchs - mit einem kruden Mix aus angeblichen Freiheitsliedern, Sozialkritik und Aggressivität.
"Wenn so viele schweigen, müssen wir noch lauter schreien"
Die Idee, mit einer eigenen DVD etwas dagegenzusetzen, stammt von der Berliner Band ZSK, die auch sonst durch eher engagierte Texte auffällt: "Wenn so viele schweigen, müssen wir noch lauter schreien", heißt einer ihrer Songs. "Der Erfolg der ersten DVD hat uns überrascht", sagt Sänger Joshi. "Wir sind damals mit 30.000 Exemplaren gestartet, aber die Nachfrage war extrem groß. Wir mussten immer wieder nachpressen. Am Ende waren wir bei 100.000 Exemplaren."
Die Neuauflage startet nun zunächst mit 50.000 Stück. Darauf finden sich eine Dokumentation über Neonazis und Interviews mit Musikern. Julia Hummer zählt die Wahlerfolge der NPD auf. Bela B. kritisiert, wie viel Geld die rechte Partei dadurch an Wahlkampfkosten zurückerstattet bekommt. Culcha Candela warnen, dass jedes Wochenende militante Kameradschaften aufmarschieren.
Finanziert wird die Kampagne durch Spenden. Für die neue Auflage der DVD mussten die Geldgeber 15.000 Euro aufbringen. Doch die seien gut angelegt, findet Bela B.: "In Zeiten, in denen Holocaust-Leugner von der Kirche geadelt werden, ist es wichtig, laut zu sein." Dass sich das Problem nicht erledigt hat, zeigen Zahlen, die Toni Peters, Mitarbeiter des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums in Berlin, bei der Vorstellung der DVD in Hamburg nennt: "Nach einer ersten Zählung des Innenministeriums hat es im Jahr 2008 etwa 18.000 bis 19.000 Delikte mit rechtem Hintergrund gegeben."
otr/dpa
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