Albertville-Schuldirektorin über Tim K. "In keinster Weise gemobbt"
Ordentliche Familienverhältnisse, Schulabschluss, Lehrstelle: Als einen "völlig unauffälligen Schüler" beschreibt Astrid Hahn, Rektorin der Albertville-Realschule, den Amokläufer Tim K. Die Bluttat sei kaum zu verstehen - auch weil ihr nicht bekannt sei, dass der Schütze jemals gemobbt wurde.
Unverständnis und Fassungslosigkeit herrschen in Winnenden nach dem Amoklauf - auch bei der Rektorin der Albertville-Realschule. Sie habe nichts gewusst von einem Mobbing gegen den späteren Täter, sagt Astrid Hahn. Dass der Amokläufer Tim K. "in irgendeiner Form gemobbt wurde oder dass er gewalttätig war", sei ihr nicht bekannt. Deswegen sei es "unsagbar schwer zu verstehen", dass er zu dieser Tat fähig gewesen sei, zumal er aus "ordentlichen Familienverhältnissen" stamme und auch eine Lehrstelle gehabt habe.
Die Rektorin sprach von einem "schwarzen Mittwoch". Bekannte des Täters hatten berichtet, damalige Mitschüler hätten Tim K. beschimpft und "fertig gemacht", weil er Einzelgänger gewesen sei. Eine zwölfjährige Teilnehmerin des Trauergottesdienstes hatte am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AP gesagt, Tim K. habe ihr vor etwa drei Wochen einen Brief gezeigt. "Er schrieb seinen Eltern, dass er leidet und nicht mehr weiter kann", sagte Fabienne B. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert.
Direktorin Hahn sagte, sie habe den Täter nicht näher gekannt. Sie habe ihm zwar vergangenes Jahr die Abschlussurkunde überreicht, sonst aber nichts mit ihm zu tun gehabt. Dies spreche dafür, dass er sich an alle Regeln gehalten habe. Auch sein Klassenlehrer habe auf Nachfrage von keinem außergewöhnlichem Verhalten oder Vorkommnissen berichten können. Er sei ein "völlig unauffälliger Schüler gewesen".
"Es fehlen einem die Worte"
Hahn berichtete, sie habe das "Massaker" nicht selbst hautnah miterlebt, sondern erst, als es vorüber war, die ganzen Ausmaße der Tat ansehen müssen. "Das war so grauenvoll, dass einem einfach die Worte fehlen", sagte die Schulleiterin, die sichtlich um Fassung rang. Bislang habe sie noch keine Zeit gehabt, mit den einzelnen Lehrern zu sprechen.

AP
Schulleiterin Hahn: Ringen um Fassung
Laut Hahn wird auch in der kommenden Woche der Unterricht in der Realschule ausfallen. Zusammen mit ihrem Stellvertreter habe sie für die kommenden Tage weitere Betreuung für die Schüler und Lehrer organisiert, sagte die Schulleiterin. Dies sei aber ein Angebot und keine Pflicht. Auch über das Wochenende gebe es Räume und Psychologen, die allen Hilfesuchenden zur Verfügung stünden. Zudem sei die Hotline weitergeschaltet, auch nachts. Am Freitag soll es Informationen für die Eltern geben, um den Umgang mit den traumatisierten Kindern zu erleichtern. Nächste Woche würden dann die weiteren Schritte geplant, sagte Hahn.
Sie werde sicher auch pädagogische Konsequenzen aus dem Amoklauf mit 16 Toten ziehen, sagte die Schulleiterin. Doch brauche dies Zeit. Bereits heute versuchten die Lehrer, die Kinder ganzheitlich zu erziehen und neben fachlichem Wissen auch soziale Aspekte zu vermitteln. "Wir sind eine Begleitung der Eltern in ihrer Erziehung. Wir können aber nicht die gesamte Erziehungsarbeit übernehmen, und wir sind nicht in der Lage, manche Dinge zu erkennen, die nicht einmal die Eltern erkennen", sagte Hahn.
Ihre Schule werde weiter versuchen, Gewaltprävention anzubieten. Dies geschehe aber bereits, es gebe extra Projektwochen und Sozialtraining, das in der fünften Klasse beginne. "Manchmal, da sind sie auch als Schulleiterin völlig machtlos", sagte Hahn. Es werde auch darüber nachgedacht, wie die Schule sicherer gemacht werden könne. Die Schüler müssten aber weiter gerne in die Schule gehen wollen und dort nicht eingesperrt sein. An der Sicherheit gebe es "sicher das eine oder andere zu verbessern".
Nach Behördenangaben kümmern sich seit Donnerstag 60 Psychologen um die betroffenen Jugendlichen und Lehrer. Am Freitag sollten weitere zehn eintreffen. Außerdem sind 15 Notfallseelsorger im Einsatz, die der Polizei zugeordnet sind. In der nächsten Woche werde keine Schulpflicht bestehen, jedoch Betreuung angeboten.
Die verheerendsten Amokläufe
Der Begriff Amok kommt von dem malaysischen Wort "amuk" und bedeutet so viel wie "wütend" oder "rasend".
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Der Abiturient Georg R. verletzt bei einem Anschlag am humanistischen
Gymnasium Carolinum
in
Ansbach
acht Mitschüler und einen Lehrer. Die Tat wurde offenbar lange im Voraus geplant.
Einer Schülerin fügt er eine lebensgefährliche Kopfverletzung zu, eine andere erleidet schwere Brandwunden. Der 18-Jährige selbst wird bei seiner Festnahme durch mehrere Schüsse schwer verletzt.
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Jiverly Wong
, ein 41-jähriger Immigrant aus Vietnam erschießt in einem Zentrum für Einwanderer 13 Menschen und begeht anschließend Selbstmord.
Der 17-jährige
Tim K.
ermordet in der Albertville-Realschule im schwäbischen Winnenden 15 Menschen. Danach erschießt sich der Täter selbst.
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Ein Amokläufer im US-Bundesstaat Alabama
tötet mindestens neun Menschen und erschießt sich dann selbst. Das Blutbad ereignet sich in Geneva County im Südosten Alabamas nahe der Grenze zu Florida.
Ein 20-jähriger Belgier ersticht in einer Kindertagesstätte im ostflämischen
Dendermonde
zwei Kleinkinder und eine Betreuerin. Zehn weitere Kleinkinder und zwei weitere Betreuerinnen werden zum Teil schwer verletzt.
Der 22-jährige Berufsschüler
Matti-Juhani Saari
tötet in der westfinnischen Kleinstadt
Kauhajoki
zehn Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
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Der 18-jährige Schüler
Pekka-Eric Auvinen
tötet insgesamt acht Menschen in einem Schulzentrum in
Jokela
.
An der Technischen Universität von
Virginia
erschießt ein Student 32 Menschen und verletzt 15 weitere.
Das Massaker an der Virginia Tech
gilt als eines der folgenschwersten an einer Bildungseinrichtung in den USA.
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Mindestens zehn Menschen sterben bei zwei Amokläufen in
Salt Lake City
und
Philadelphia (USA)
. Ein Täter eröffnet in einem Einkaufszentrum in Salt Lake City das Feuer und tötet fünf Menschen. Ein Polizist erschießt den Amokläufer.
In Philadelphia werden drei Teilnehmer einer geschäftlichen Konferenz Opfer eines Amokläufers. Er nimmt sich anschließend das Leben.
Der
18-jährige Sebastian B.
schießt in seiner ehemaligen Schule im westfälischen
Emsdetten
um sich. Elf Menschen werden verletzt.
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In
Lancaster County
im US-Bundesstaat
Pennsylvania
tötet ein Amokläufer an einer
Amish
-Schule fünf Mädchen. Dann nimmt er sich das Leben.
In
Red Lake
im US-Bundesstaat
Minnesota
erschießt ein 16-Jähriger eine Lehrerin und fünf Schüler. Zuvor hatte er schon einen Schulwärter, seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin getötet. Im Internet outet sich der Täter als Anhänger
nationalsozialistischer Rassenlehren
.
Bei einem
Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium
in
Erfurt
tötet der 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. Steinhäuser war ein Jahr vor der Tat von der Schule verwiesen worden.
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Im Pariser Vorort
Nanterre
erschießt ein
Amokläufer
acht Menschen. Anschließend springt er aus dem vierten Stock eines Polizeigebäudes in den Tod.
Ein Amokläufer
dringt in das
Kantonsparlament
im schweizerischen
Zug
ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.
Ein 37-jähriger Japaner
ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt
Osaka
acht Kinder und verletzt 20 weitere zum Teil schwer.
Beim Schulmassaker von Littleton
stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die
Columbine Highschool
in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen.
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Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in
Jonesboro
im US-Staat
Arkansas
falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
Im Nordosten
Brasiliens
bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche
Homosexualität
.
35 Menschen fallen dem
Amokläufer Martin Bryant
auf der australischen Insel
Tasmanien
zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen
Dunblane
16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen
Toulon
insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
Im
texanischen Killeen
tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
An der Polytechnischen Hochschule von
Montréal
kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige
Marc Lépine
erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
In einem Schnellrestaurant in
San Diego
erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
An der Universität von
Texas
schießt
der Amokläufer Charles Whitman
mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
Beim
Attentat von Volkhoven bei Köln
stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.
otr/AP/AFP
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