Plötzlich wird es laut: Die Jungs da drüben müssen uns wohl zeigen, was sie für coole Roller haben. Ist ja schon toll, wenn man mobil ist und im Besitz eines Rollerführerscheins, da gebe ich ihnen ja Recht. Allerdings finde ich persönlich es nicht so angebracht mit den Rollern auf der Wiese rumzufahren wie die Gestörten. Vor allem weil es gleich vier Roller sind.
Wollten wir nicht eigentlich in Ruhe grillen? Was müssen die denn jetzt für einen Aufstand machen? Da meint einer in unserer Grillrunde: "Irgendwie hören die sich wie Rasenmäher an, oder?" Wir lachen alle, denn es stimmt. Statt cool zu wirken, hat es den Anschein, die Jungs dort drüben wollten mit ihren Rollern den Rasen mähen. Wir haben keine Lust auf Stress und lassen sie also in Ruhe weiter Rasenmäher spielen.
Dann haben wir irgendwann genug davon und setzen uns vor den kleinen Weg beim Grillplatz, essen dort unsere Würstchen und unser Fleisch und schauen uns den Sonnenuntergang an. Die anderen Jugendlichen beobachten uns und kommen näher. Hoffentlich kommt jetzt nicht doch noch der Konflikt, auf den wir alle keine Lust haben.
Mitleid und Unverständnis
Doch es kommt anders: Die Rasenmäherjungs schauen uns skeptisch, fast mitleidig an und da ist noch etwas anderes in ihrem Blick: Unverständnis. Sie cruisen noch ein bisschen mit ihren Rollern auf dem Weg rum, dann sagt einer: Hey, schau mal, voll die Zigeuner!
Er meint uns! Ich fasse es nicht, Zigeuner gilt bei den Jugendlichen, die ich kenne, als Schimpfwort für eine Person mit Migrationshintergrund, andere Wörter sind "Lan" oder "Tschingele", die beide auf Jugendliche mit ausländischem Hintergrund anspielen, die sich abartig benehmen oder sehr billig anziehen. Wir bekommen einen Lachanfall. Das ist aber auch echt absurd, da weiß man mal wie die über uns denken: Die finden uns genauso lächerlich wie wir sie. Das vereint uns ja doch wieder irgendwie.
Denn eigentlich ist doch nicht das Land, aus dem wir kommen, dafür verantwortlich wer wir sind oder was wir sind, sondern wir selber und unser Umfeld. Es ist doch nicht das Land, das uns zu dem macht was wir sind, sondern es sind unsere Eltern, unsere Freunde und unsere gesammelten Erfahrungen, die uns prägen. Ich persönlich bin froh in Deutschland leben zu können, denn hier habe ich alle Möglichkeiten so zu leben, wie ich möchte, das heißt ohne religiösen, kulturellen oder politischen Druck.
Und so bin ich auch der Meinung, dass wir jedem dem es nicht möglich ist auf diese Weise in seinem Heimatland zu leben, sondern der seine Heimat für ein besseres Leben verlassen muss, die Chance geben dieses bessere Leben zu führen. Wir sollten ihn nicht als Immigrant oder als Ausländer sehen, sondern als einen von uns, als Mensch.
Von Ildiko Mannsperger, Schülerzeitung Spongo
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