Von Helga Hochwind
Das Chemnitzer Gymnasium gilt als Schule mit hervorragendem Musik- und Kunstangebot, doch in Sachen künstlerischer Freiheit hat sich dessen Vizerektor, Gerhard H., etwas zu weit vorgewagt. Zwei Monate lang nutzte der Pädagoge Kellerräume der Schule für ein anzügliches Hobby: Er schoss dort Erotikfotos mit Modellen, die er im Internet gecastet hatte.
Das räumte der 51-jährige Lehrer gegenüber der Zeitung "Freie Presse" ein. Er beteuerte zwar, niemals Schülerinnen abgelichtet zu haben. Die sächsische Schulbehörde hat aber trotzdem ein Disziplinarverfahren eingeleitet und ihn vorläufig vom Dienst suspendiert, sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE.
"Besonders mag ich Brüste in den verschiedensten Formen und Größen", so direkt warb der Vize-Gymnasialrektor laut Zeitungsbericht bis vor wenigen Tagen auf einem interaktiven Kontaktportal um Modelle, sein Pseudonym soll dort "Erosphotochem" gewesen sein. Die Frauen fotografierte er in den Räumen des Fotolabors der Schule und stellte die Bilder ins Netz.
Fotohobby beendet politische Laufbahn des Lehrers
Auch politisch wird der Fall nun Konsequenzen für den Pädagogen haben. Wie der Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Erzgebirge, Tino Günther, sagte, werde der fotografierfreudige Lehrer ab sofort sein Amt als Kreisverbands-Vize ruhen lassen. Gleiches gelte vorerst auch für seine Funktion als Vorsitzender des Fachausschusses Bildung des FDP-Landesverbands.
FDP-Mann Günther sagte SPIEGEL ONLINE, seine Partei habe zunächst aus der Presse von H.s fotografischen Eskapaden erfahren. "In einem Telefonat haben wir dann gemeinsam entschieden, dass er von seinen politischen Ämtern zurücktritt." Günther äußerte sich empört über die Vorgänge: "Was da passiert ist, ist eine absolute Dummheit." Jedem müsse klar sein, dass man öffentliche Räume nicht für sein Privatvergnügen nutzen kann.
Nun soll auch die Rolle des Rektors Andreas G. der Schule untersucht werden. Wie es in einer Stellungnahme des Elternbeirates heißt, hatte der Schulleiter bereits Mitte Februar drei anonyme Hinweise erhalten, wonach sein Stellvertreter das schuleigene Fotolabor für erotische Privatbilder genutzt habe.
Eltern und Schüler stärken dem Hobbyfotografen den Rücken
Anonym erhielt der Rektor zwei Fotos, die "eine Dame reiferen Alters in Nachtwäsche zeigten", heißt es in dem Dokument weiter. Die Schulbehörde hatte der Rektor aber nicht darüber informiert, sondern nach einer Aussprache mit seinem Stellvertreter, in der er ihm die weitere Nutzung des Fotolabors verbot, die Sache auf sich beruhen lassen - um Schaden von der Schule abzuwenden, wie der Rektor der "Freien Presse" sagte. Laut Elternbeirat unterzeichnete der stellvertretende Schulleiter damals auch eine Unterlassungserklärung, wie es der Rektor gefordert hatte. Elternsprecher Andreas Müller sagte SPIEGEL ONLINE, man stehe voll hinter dem Vorgehen des Rektors.
Laut Elternsprecher Müller sei es nie zu Anzüglichkeiten gegenüber Schülern gekommen: "Den Schülern war diese Geschichte schon im Vorfeld bekannt, die konnten aber damit umgehen." Stattdessen hätten gerade die zwölften Klassen sich gewünscht, Hobbyfotograf H. möge doch seine Leistungskurse fortführen. "Er war offensichtlich ein hervorragender und beliebter Pädagoge", sagte Müller. Er halte es nach all der Aufregung allerdings doch für besser, wenn der Pädagoge die Schule verlasse.
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