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23.12.2009
 

Gewinner-Reise nach Israel

Sechs Innflöhe im Heiligen Land

Gewinner-Reise nach Israel: Sechs Innflöhe im Heiligen Land
Fotos
Redaktion Innfloh

Die Redaktion der Schülerzeitung "Innfloh" des Ruperti-Gymnasiums in Mühldorf am Inn wurde Gesamtsieger des Schülerzeitungswettbewerbs 2008/2009. Als Hauptpreis gewannen die Redakteure eine Reise nach Israel. Vor Ort wurden sie von SPIEGEL-Korrespondent Christoph Schult betreut - ein Reisebericht.

Sonntag, 1. November 2009

Endlich gelandet. Mit dem aktuellen SPIEGEL als Erkennungszeichen empfängt uns SPIEGEL-Korrespondent Christoph Schult am Flughafen Tel Aviv. Unser zweites Wohnzimmer der Woche Israel wird ein uralter Chevrolet Savana - ein Minivan für zwölf Leute. Das Anschnallen funktioniert nicht so richtig, die Tür klemmt. Wer geradeaus fahren will, hält den Lenker lieber 45 Grad nach links geneigt. Joseph, unser zweiter Betreuer, wird später zum Auto sagen: "Fährt sich wie ein transafrikanisches Flugzeug!"

Abends besuchen wir die Jerusalemer Altstadt. Im arabischen Viertel ist gerade die Müllabfuhr zugange - die kommt hier in Form eines Minitraktors, mit dem man auch Treppen fahren kann. Vom Dach des österreichischen Hospizes genießen wir das nächtliche Stadtpanorama: Links strahlt die goldene Kuppel des Felsendoms, rechts sieht man die grauen Kuppeln der Grabeskirche. Vom Basar steigt uns das Duftgemisch von Weihrauch, Minze und Gewürzen in die Nase. Weiter geht es zur Klagemauer. Um die Zeit ist der Touristenrummel schon vorbei, die Ultraorthodoxen bevölkern den Platz vor der Mauer. Gekleidet in schwarze Kaftane und Hüte, unter denen die Schläfenlocken hervorschauen, beten sie vor dem Heiligtum.

Montag, 2. November 2009

Unter der Grabeskirche im christlichen Viertel Jerusalems soll Jesus begraben liegen. Die Kirche gleicht einem Flickenteppich, da jede Konfession einen Teil für sich beansprucht: den Altar rechts oben die russisch-orthodoxe Kirche, die Fliesen davor die römisch-katholische Kirche, das Geländer die orthodox-griechisch-katholische Kirche… oder so ähnlich. Christliche Nächstenliebe - da sich die Glaubensrichtungen nicht einigen können, liegen gar die Schlüssel der Kirche seit Jahrhunderten in den Händen zweier alteingesessener muslimischer Familien aus Jerusalem, die allmorgendlich die Kirche aufsperren.

Mit dem ultraorthodoxen Viertel Meah Scharim betreten wir eine andere Welt. Christoph stimmt uns ein: "Die Leute hier haben kaum mehr etwas mit unserer Zivilisation gemein." Auf Plakaten steht: "Jews hate Zionists", "Zionists are not Jews". Für einige dürfe nur der Messias einen Staat Israel errichten, der heutige Staat ist für sie Gotteslästerung. Ein großes Metallschild bittet darum, sich züchtig zu kleiden. Wir Mädchen haben uns zu Hause knöchellange Röcke genäht. Ein Schal hält als Kopftuch her. Derart verschleiert reisen wir bei strömendem Regen wie in einer Zeitmaschine.

Dienstag, 3. November 2009

Kaum lässt uns Christoph mal zwei Stunden allein, lassen wir uns gleich übers Ohr hauen. Gerade hat er uns gesagt, dass es gut ist, wenn wir auf dem Basar auf die Hälfte runterhandeln. Lisl schafft es bei ihrer Holzbox sogar von 600 (etwa 110 Euro) auf 275 Schekel. Das Glück ist ungetrübt, bis sie den Laden verlässt: 50 Euro für eine hässliche Holzbox! Als wir 100 Meter weiter dieselbe Box für 60 Schekel sehen, ist Lisls Unglück perfekt: "Ich möchte sie am liebsten wegwerfen…"

Zum Abendessen reden wir mit dem ehemaligen Parlamentspräsidenten Avraham Burg, dessen Buch "Hitler besiegen" soeben in Deutschland erschienen ist, über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Mehr dazu auf www.innfloh.de.

Mittwoch, 4. November 2009

Von Jerusalem fahren wir heute ans Tote Meer. "Wer von euch hat frischrasierte Beine? Das wird gleich ein bisschen zwiebeln", bemerkt Christoph leicht schadenfroh, bevor wir uns samt mitgebrachten Innflöhen ins Wasser wagen. Das Gefühl der Schwerelosigkeit wird etwas getrübt, als wir etwas Wasser ins Gesicht oder den Mund bekommen - ekelhaft. Nachdem wir wieder getrocknet sind, fahren wir weiter an den See Genezareth. Dort übernachten wir im Kibbuz Degania Bet.

Donnerstag, 5. November 2009

Langsam quält sich unser Bus die Bergstraße durch die Golanhöhen hinauf. Die Landschaft ist karg und eintönig. Am Straßenrand stehen Zäune, Stacheldraht. Ab und zu sieht man die gelb-roten Warnschilder: "Danger-Mines". Die Golanhöhen gehören auf dem Papier zu Israel, doch auch Syrien erhebt seinen Anspruch auf das Gebiet. Einige Kilometer weiter sehen wir einen verrosteten Panzer. Mitten in der Landschaft.

Im Norden, ganz in der Nähe der libanesischen Grenze, liegt das Dorf Mi'iliya. Hier übergibt uns Christoph für zwei Tage an Joseph, der als Producer für RTL arbeitet. In Mi'iliya leben ausschließlich arabische Christen. Sie wollen nicht, dass Andersgläubige sich in ihrem Dorf ansiedeln. Zum Zeichen ihres Glaubens prangt auf einem Hügel ein riesiges Kreuz, das nachts beleuchtet wird.

Uns ist schon vorher aufgefallen, dass die Menschen in Israel sich weniger über ihre Staatsangehörigkeit, sondern vielmehr über ihre Religion definieren. "In den Augen der Israelis bin ich kein richtiger Israeli, weil ich Christ bin. In den Augen der Palästinenser bin ich kein richtiger Palästinenser, weil ich Christ bin. Also bin ich eben Christ", erklärt Joseph. Die Nacht verbringen wir in Gastfamilien.

Freitag, 6. November 2009

Nachdem wir uns bei unserem ersten Basarbesuch derart über den Tisch ziehen haben lassen, lässt uns unser sorgenvoller "Papa" Joseph in Akko nicht aus den Augen: "Bleibt alle zusammen und passt auf eure Taschen auf." Neben dem Standard-Basarsortiment, wie Gewürzen und Wasserpfeifen, gibt es noch ein paar besondere tierische Schmankerl: Die Fische, die feilgeboten werden, zucken noch. Im Fenster einer Metzgerei hängt ein riesiger, gehäuteter Kuhkopf.

Von Akko aus fahren wir die Mittelmeerküste entlang nach Tel Aviv. Dort besuchen wir abends den Sabbat-Empfang, eine Art jüdischen Gottesdienst, der Reformgemeinde Bet Daniel.

Samstag, 7. November 2009

Zu Hause in Deutschland hat es kalte 3,5 Grad - und wir schwimmen noch vor dem Frühstück im Mittelmeer. Von unserem Hotel sind es hundert Meter zum Strand, die Zimmer haben Meerblick. Abends trinken wir Cocktails in der Strandbar. So lässt es sich leben.

Sonntag, 8. November 2009

Heute sagen wir Shalom zu Israel, es geht zurück nach Deutschland. Am Flughafen gibt es eine penible Befragung: "Who has packed your suitcase?" - "How did you get to the airport?" - "Was it a rental car?" Nach der Befragung werden unsere Koffer geröntgt. Fabi, der von seiner Gastfamilie Geschenke bekommen hat, muss seinen Koffer öffnen. Er packt Kette, Kuschellöwen und Sandkaraffe von seiner Gastfamilie aus. Dann bekommt auch der Letzte den "Alles-okay-Aufkleber". "Das lief doch ganz smooth", meint Korrespondent Christoph. Wir steigen ins Flugzeug und genießen den letzten Blick über Tel Aviv.

Anna-Lisa Behnke, Christina Kufer, Fabian Stark und Veronika Widmann

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