Fast tausend Fehltage: Mutter von Schulschwänzer verurteilt

Schon im ersten Schuljahr fehlte er 95 Tage, im Laufe der Jahre verpasste ein notorischer Schulschwänzer fast tausendmal den Unterricht. Der heute 17-Jährige Berliner kann kaum lesen und rechnen. Nun kassierte seine Mutter neun Monate Haft auf Bewährung.

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Auf dem Schulweg: Eltern müssen die Schulpflicht umsetzen

Eine Mutter, deren Sohn in rund zehn Jahren fast tausend Schultage geschwänzt hat, musste sich in Berlin vor Gericht verantworten. Genauso wie ihr inzwischen 17-jähriger Sohn verweigerte sie am Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten die Aussage. Die 43-Jährige wurde zu neun Monaten Haft mit Bewährung verurteilt.

"Sie hätten einen feinen Jungen haben können, das haben Sie ihm verbaut", sagte die Amtsrichterin in ihrem Schuldspruch wegen Verletzung der Fürsorgepflicht.

Der Teenager soll unter anderem ein Schuljahr lang fast komplett gefehlt haben. Der Anklage nach hat der Junge daher keine Allgemeinbildung und sein Sozialverhalten sei nur gering ausgeprägt. Kenntnisse in Deutsch und Mathematik seien rudimentär.

In einem Jahr nur 16 Tage anwesend

Schon im ersten Schuljahr wurden 95 Fehltage vermerkt. In der sechsten Klasse erschien der Junge den Ermittlungen nach nur 16 Tage. In Rheinland-Pfalz und nach dem Umzug nach Berlin ergingen wiederholt Bußgeldbescheide gegen die fünffache Mutter und Analphabetin.

In Deutschland herrscht seit 1919 Schulpflicht. Sie dauert je nach Bundesland neun bis zehn Jahre und muss von den Erziehungsberechtigten umgesetzt werden.

Täglich schwänzen in Deutschland 100.000 der zwölf Millionen Schüler, schätzt die OECD. Tendenz steigend. Fachleute wie der Hildesheimer Psychologe Norbert Grewe gehen von mehr als 600.000 regelmäßig schwänzenden Jugendlichen aus. Dass die Schulpflicht eingehalten wird, darüber wachen die Bundesländer. Sie setzen im Extremfall auf Sanktionen wie vierstellige Bußgelder (Mecklenburg-Vorpommern), elektronischen Schwänzer-Alarm für die Eltern per SMS (Berlin), einwöchigen Jugendarrest (Hamburg) oder eine Polizeieskorte vom Bett bis ins Klassenzimmer (Bayern).

Auch Hausunterricht ist in Deutschland keine Alternative. Auch streng religiöse Familien werden zu Geldstrafen verurteilt, wenn sie ihre Kinder zu Hause unterrichteten. Andere Länder wie Österreich, Frankreich und Großbritannien kennen nur die Unterrichts- und Bildungspflicht, in den USA gilt Homeschooling sogar als klassisches Elternrecht.

cpa/dpa

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