Abi-Ball-Abzocke: Akteure beschuldigen sich gegenseitig

Sie haben Hunderte Schüler um ihren Abi-Ball gebracht, nun beschuldigen sie sich gegenseitig: Der derzeitige Besitzer der Agentur Easy Abi behauptet nach SPIEGEL-Informationen, der Vorbesitzer habe ihn arglistig getäuscht. Fest steht: Beide sind der Justiz wohlbekannt.

Abiturienten-Aktion in Berlin: Fast 90 Anzeigen gegen verdächtige Firma Zur Großansicht
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Abiturienten-Aktion in Berlin: Fast 90 Anzeigen gegen verdächtige Firma

Hamburg - Die Berliner Party-Agentur Easy Abi hat mehr als tausend Abiturienten um ihren Abschlussball betrogen, jetzt bezichtigt der neue Eigentümer die Vorbesitzer ebenfalls des Betrugs. Karl-Heinz Rauball sagte dem SPIEGEL, er habe den Kaufvertrag am 9. Juni "wegen arglistiger Täuschung" angefochten.

Kurz zuvor habe er die Firmenanteile für 360.000 Euro übernommen. Sein Vorwurf an die Vorbesitzer: Unter anderem hätten ihm die Verkäufer hohe Verbindlichkeiten, fällige Provisionszahlungen und Verluste verschwiegen sowie falsche Angaben zur Rendite gemacht. Sein Kauf sei somit nichtig und "der Verdacht eines Betrugs" gegeben.

Der ehemalige Mehrheitsgesellschafter von Easy Abi, Marcel Luthe, hält den Kaufvertrag nach wie vor für wirksam und bestreitet im SPIEGEL die Vorwürfe. Bereits 2003 war Luthe, der früher dem Bundesvorstand der FDP angehörte und die Partei später verließ, wegen eines ähnlichen Vorwurfs aufgefallen: Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelte damals wegen Betrugs, stellte das Verfahren jedoch wieder ein.

Die Schadenssumme geht in die Hunderttausende

Aber auch Rauball ist der Justiz bekannt: Nur wenige Wochen vor dem Kauf von Easy Abi hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten wegen Betrugs zu acht Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt; die Berufung läuft. Nach Angaben eines Justizsprechers ist Rauball siebenfach vorbestraft, unter anderem wegen Bankrotts, Untreue und Konkursverschleppung.

Easy Abi soll mehr als 30 Schulen in Berlin und Brandenburg um ihre Abibälle gebracht haben. Die Firma hat pro Schule bis zu 50.000 Euro kassiert, die geplanten Abi-Bälle aber nie organisiert. Die Abiturienten hatten die Partys meist im Internet gebucht und das Geld bereits überwiesen. Die Zahl der Anzeigen wächst schnell. Innerhalb weniger Stunden erhöhte sie sich um fast 40 auf 89. Die Schadenssumme geht nach Polizeiangaben in die Hunderttausende. Der Berliner Anwalt Karun Dutta vertritt fast alle der betroffenen Schulen, er ist pessimistischer: "Ich gehe inzwischen von einem Millionenschaden aus", sagte er der "Berliner Zeitung".

Am vergangenen Freitagabend verhaftete die Berliner Polizei sowohl den früheren als auch den neuen Geschäftsführer der Firma, David H. und Rainer S. Seit Samstag sind die Verantwortlichen allerdings wieder auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Beschuldigten erhielten Haftverschonung mit Auflagen.

fln/dpa

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insgesamt 99 Beiträge
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1. Achherrjeh
locate 19.06.2011
Zitat von sysopSie haben Hunderte Schüler um ihren Abiball betrogen
Hoffentlich bringen die heute Abend was in Tagesschau drüber. Kann ja nicht angehen daß Schulabgänger auch Opfer von Betrügern werden. Das ist doch etwas das sonst nur alten Omas vorbehalten ist... So im nachhinein gedacht sollte das der Aufmacher der morgigen FAZ werden.
2. ..
blue0711 19.06.2011
Blöde Frage: Wieso wirft man sich bei so einem Ereignis einem dubiosen Dienstleister in die Hände? Wo und wie waren da Lehrer und Eltern beteiligt? Hat da niemand mal Vorsicht gerufen? 50.000 EUR auf Vorkasse ohne Sicherheiten? Ich kanns kaum glauben, dass sich Abiturienten so leicht hinters Licht führen lassen.
3.
Reg Schuh 19.06.2011
50.000 für einen Abiball???!??? Was ist das denn für ein Abiball?
4. Ich merke dass ich alt bin.
klaasklever7 19.06.2011
Zu meiner Zeit haben wir Schüler den Abi-Ball noch selber organisiert. Das hat pro Schüler bestimmt nicht mehr als 50 Mark gekostet. Aber die Generation-iPhone scheint das Geld ja dicke zu haben. Es hat also keine armen Menschen getroffen (und offensichtlich auch keine allzu intelligenten.)
5. nicht verwunderlich
daktari223 19.06.2011
Wie ich bei meinem Bruder verfolgen konnte, lässt man heute kommen, anstatt auf Eigenengagement und eigene Ideen, die nicht von der Stange kommen, zu setzen. Das beinhaltet, dass die Kosten für den ganzen Abikram die zu meiner Zeit üblichen um ein Vielfaches übersteigen, dafür aber die Eltern gemolken werden/sich melken lassen und nicht etwa mal über eigene Geldakquise nachgedacht wird. Die Abschlussfahrt ins "Abipartyabschlussparadies" nach Barcelona/Mallorca/... mit dem Abiabschlussfahrtspezialistenanbieter in Pauschalmanier ist natürlich auch selbstverständlich. Da wundert mich diese Nachricht ehrlich gesagt nicht und stimmt ein bisschen nachdenklich...
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