Hamburg - Die Berliner Party-Agentur Easy Abi hat mehr als tausend Abiturienten um ihren Abschlussball betrogen, jetzt bezichtigt der neue Eigentümer die Vorbesitzer ebenfalls des Betrugs. Karl-Heinz Rauball sagte dem SPIEGEL, er habe den Kaufvertrag am 9. Juni "wegen arglistiger Täuschung" angefochten.
Kurz zuvor habe er die Firmenanteile für 360.000 Euro übernommen. Sein Vorwurf an die Vorbesitzer: Unter anderem hätten ihm die Verkäufer hohe Verbindlichkeiten, fällige Provisionszahlungen und Verluste verschwiegen sowie falsche Angaben zur Rendite gemacht. Sein Kauf sei somit nichtig und "der Verdacht eines Betrugs" gegeben.
Der ehemalige Mehrheitsgesellschafter von Easy Abi, Marcel Luthe, hält den Kaufvertrag nach wie vor für wirksam und bestreitet im SPIEGEL die Vorwürfe. Bereits 2003 war Luthe, der früher dem Bundesvorstand der FDP angehörte und die Partei später verließ, wegen eines ähnlichen Vorwurfs aufgefallen: Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelte damals wegen Betrugs, stellte das Verfahren jedoch wieder ein.
Die Schadenssumme geht in die Hunderttausende
Aber auch Rauball ist der Justiz bekannt: Nur wenige Wochen vor dem Kauf von Easy Abi hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten wegen Betrugs zu acht Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt; die Berufung läuft. Nach Angaben eines Justizsprechers ist Rauball siebenfach vorbestraft, unter anderem wegen Bankrotts, Untreue und Konkursverschleppung.
Easy Abi soll mehr als 30 Schulen in Berlin und Brandenburg um ihre Abibälle gebracht haben. Die Firma hat pro Schule bis zu 50.000 Euro kassiert, die geplanten Abi-Bälle aber nie organisiert. Die Abiturienten hatten die Partys meist im Internet gebucht und das Geld bereits überwiesen. Die Zahl der Anzeigen wächst schnell. Innerhalb weniger Stunden erhöhte sie sich um fast 40 auf 89. Die Schadenssumme geht nach Polizeiangaben in die Hunderttausende. Der Berliner Anwalt Karun Dutta vertritt fast alle der betroffenen Schulen, er ist pessimistischer: "Ich gehe inzwischen von einem Millionenschaden aus", sagte er der "Berliner Zeitung".
Am vergangenen Freitagabend verhaftete die Berliner Polizei sowohl den früheren als auch den neuen Geschäftsführer der Firma, David H. und Rainer S. Seit Samstag sind die Verantwortlichen allerdings wieder auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Beschuldigten erhielten Haftverschonung mit Auflagen.
fln/dpa
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