Abi-Chaos auch in Dresden: Kompletter Jahrgang fällt an Privatschule durch

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ESO-Fachoberschule in Dresden: "In einem Jahr zur Fachhochschulreife"

Nicht bestanden! An einer Privatschule in Dresden ist die gesamte Klasse durch die Abiturprüfung gefallen - Schüler und Schule geben sich nun gegenseitig die Schuld an der Pleite. Es ist bereits das dritte Abi-Debakel des Sommers.

In kleinen Klassen lernt es sich gut, heißt es. Das gilt aber offenbar nicht für die diesjährige Abschlussklasse einer privaten Fachoberschule in Dresden, die vom Zusammenschluss ESO (Euro-Schulen-Organisation) getragen wird. Acht Schüler im Alter von 19 bis 29 Jahren besuchten seit vergangenem Herbst die Schule. Ihr Ziel: In einem Jahr die Fachhochschulreife erreichen. 110 Euro bezahlten sie monatlich, am 7. Juni standen die Prüfungen an.

Jetzt stehen die Ergebnisse fest: Die komplette Mini-Klasse hat die Prüfung im Fach Deutsch nicht bestanden und damit auch die Fachhochschulreife vergeigt. Die sächsische Bildungsagentur, so heißt dort die Schulaufsicht, prüft nun, wie es zur Abi-Pleite kommen konnte. Im Laufe des Jahres habe es bereits Hospitationen gegeben, sagte Susann Meerheim, Sprecherin im sächsischen Kultusministerium. Dabei habe es keine Beschwerden oder Auffälligkeiten gegeben. Meerheim räumt jedoch ein: "Die staatlichen Kontrollmöglichkeiten an Privatschulen sind eher gering."

Berichten von "Focus Online" zufolge geben die Dresdner Abiturienten der Schulleitung die Schuld an dem Debakel: Ihr Deutschlehrer habe keine Zulassung gehabt und sie unzureichend vorbereitet. Zudem sei der Unterricht mangels Lehrern wochenlang ausgefallen.

Schüler sollen Unterricht geschwänzt haben

Die Schule weist die Vorwürfe der Prüflinge zurück: Schulleiterin Adelheid Bellmann sagte SPIEGEL ONLINE, tatsächlich sei der Unterricht einige Wochen lang wegen Krankheit des Lehrers ausgefallen. Die Stunden seien jedoch vor den Prüfungen nachgeholt worden. Die Schule habe zudem in den Ferien Extrastunden angeboten. Es stimme ebenfalls, dass der Deutschlehrer nicht auf Lehramt studiert habe, was an Privatschulen keine Seltenheit ist. Laut Bellmann ist der Lehrer Germanist und hat eine Zulassung für den Unterricht. Es war seine erste Klasse an dieser Schule.

"Es gibt noch keine Erklärung", sagt Schulleiterin Bellmann. Allerdings hätten viele der Schüler seit Februar "nicht mehr konsequent am Unterricht teilgenommen". Im Februar habe das Land Sachsen den Schülern die Zulassung zu den Prüfungen erteilt, die staatlich und extern abgenommen werden. Von da ab hätten einige Schüler extrem häufig gefehlt oder sich nicht ausreichend am Unterricht beteiligt. Die Schule hätte jedoch in solchen Fällen keine ernsthaften Sanktionsmöglichkeiten und daher auch nichts ausrichten können.

Einige der Schüler seien auch in anderen Fächern durchgefallen. Die Klasse hat dennoch die Chance auf einen Abschluss: Im September wird es einen Wiederholungstermin geben, teilte die Schule mit. Das Ministerium hat den Schülern außerdem angeboten, das Schuljahr an einer anderen staatlichen Schule zu wiederholen - kostenlos. Bundesweit gibt es ungefähr hundert ESO-Schulen.

Abi-Aufreger auch in Bayern

Erst vor wenigen Wochen hatte die Abi-Pleite einer bayerischen Fachoberschule für Aufregung gesorgt: Die private Einrichtung in Schweinfurt hat inzwischen ihren Betrieb eingestellt, nachdem25 von 27 Prüflingen durchs Abitur gefallen waren. In den Kernfächern Mathematik und Wirtschaft sollen die Fachoberschüler im Durchschnitt weniger als einen Punkt erreicht haben. Anschließend war von chaotischen Zuständen an der Schule die Rede. Die bayerische Schulaufsicht prüft nun, wie es zu dem Desaster kommen konnte und ob die Epfos den Schülern vielleicht falsche Versprechungen gemacht hat. Sollte die Prüfung ergeben, dass die Schule die Schüler nicht genug betreut und ausreichend vorbereitet hat, könnte ihr das Bundesland Bayern die Genehmigung entziehen.

Die bayerischen Behörden beschäftigt außerdem ein Schulleiter aus Coburg, der die Abitur-Noten des gesamten Abschlussjahrgangs angehoben hatte. Das Kultusministerium hat den Schulleiter inzwischen teilweise entlastet. "Inhaltlich hat er vom Trend her richtig gehandelt", sagte Ministeriumssprecher Ludwig Unger. Rechtlich sei das Vorgehen aber nicht vorgesehen gewesen. Der Schulleiter hatte die Bewertungen aller 93 schriftlichen Deutscharbeiten um einen Punkt nach oben korrigiert. Für die Schüler bleiben die Querelen um ihr Abi ohne Folgen - sie dürfen die besseren Noten behalten.

lgr/dpa

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insgesamt 57 Beiträge
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1. So was
kissi1 19.07.2013
Jetzt wurde hier wochenlang auf und über das bayerische Schulwesen geschimpft und dann passiert das gleiche in Dresden. Was machen die Leute denn jetzt? Zugeben, dass sowas bundeslandunabhängig passieren kann? Och nö. Lieber nicht.
2.
frunabulax 19.07.2013
Ich bin schon lange dafür, sämtliche Privatschulen und insbesondere die Bekenntnisschulen zu verbieten. Den Namen tanzen oder Rosenkränze beten kann man dann in freiwilligen Nachmittagskursen lernen. Privatisierung führt letztendlich dazu, dass die staatlichen Schulen immer weiter verwahrlosen und Vermögende sich privilegierte Schulen leisten können.
3.
themistokles 19.07.2013
Zitat von sysopNicht bestanden! An einer Privatschule in Dresden ist die gesamte Klasse durch die Abiturprüfung gefallen - Schüler und Schule geben sich nun Gegenseitig die Schuld an der Pleite. Es ist bereits das dritte Abi-Debakel des Sommers, das bekannt wird. Abi-Chaos auch in Dresden: Kompletter Jahrgang fällt durch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi-chaos-auch-in-dresden-kompletter-jahrgang-faellt-durch-a-912081.html)
Tja.... eine weitere Schule, ein anderes Bundesland... Liegt es vielleicht gar an den Schülern?
4. alle nach Schweinfurt schicken
gruenbonz 19.07.2013
Zitat von sysopNicht bestanden! An einer Privatschule in Dresden ist die gesamte Klasse durch die Abiturprüfung gefallen - Schüler und Schule geben sich nun Gegenseitig die Schuld an der Pleite. Es ist bereits das dritte Abi-Debakel des Sommers, das bekannt wird. Abi-Chaos auch in Dresden: Kompletter Jahrgang fällt durch - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi-chaos-auch-in-dresden-kompletter-jahrgang-faellt-durch-a-912081.html)
es ist Zeit, dass man diese "Privatschulen" einer kritischen Auswahl unterzieht. Und Schülern, die regelmässig schwänzen (soll nicht nur in SPD-Ländern vorkommen) die Schule verbietet, auch wenn keine Schulpflicht besteht.
5. optional
dexter87 19.07.2013
Die Prüfungen sind scheinbar zu schwer, um jedem auf dem zweiten / diitten / ... Bildungsweg das (Fach-)Abitur zu ermöglichen. Ergo müssen im Zuge der Chancengleichheit die Anforderungen rigoros gesenkt werden.
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