18 Monate lang hat Ben Schaffer bis zum vergangenen Sommer in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz gearbeitet. Der 21-Jährige Chemnitzer begleitete Studiengruppen bei ihrem Besuch im Museum der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers, organisierte den Aufenthalt, moderierte Gespräche mit Zeitzeugen moderiert. Für ihn bedeutete der Zivildienst in Polen eine große Chance, für sich selbst "möglichst viel aus der Zeit herauszuholen".
Mit rund 100 Besuchern aus der ganzen Welt hatte Schaffer jede Woche zu tun. Dass er mit ihnen über die deutsche Vergangenheit sprechen konnte, bedeutet ihm sehr viel. Auch für die Zukunft hat er bei der Arbeit Anstöße bekommen. "Von der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus komme ich nicht mehr los", sagt er. Deshalb will er in Deutschland sein Abitur nachholen, um Politik und Geschichte zu studieren.
Nicht alle "Zivis" im Ausland treffen es so gut wie Ben. Der so genannte Andere Dienst hat seinen Preis: Er dauert mindestens zwei Monate länger als der Dienst in Deutschland, wird nicht bezahlt und fordert viel von den jungen Leuten. Aber einmalige Erfahrungen locken: "Gerade in den vergangenen zwei Jahren ist das Interesse erheblich gestiegen", hat Willem Heins vom Sozialen Friedensdienst (SFD) in Kassel festgestellt. Rund 50 Bewerbungen bekommt der SFD jedes Jahr für die 12 Stellen in Rumänien, Ghana, Kuba, England und China.
Viele brechen nach einigen Monaten ab
Projektplätze für den Anderen Dienst stehen aber auf der ganzen Welt zur Verfügung. Nach Angaben des Bundesamt für den Zivildienst in Köln entscheiden sich jedes Jahr rund tausend junge Männer für den Auslandsdienst, der seit 1986 vom Gesetzgeber anerkannt wird. Sie dürfen bei Dienstantritt nicht älter als 25 Jahre und als Kriegsdienstverweigerer anerkannt sein. Voraussetzungen ist außerdem die Anerkennung des Projektträgers durch das Bundesfamilienministerium.
Das Bundesamt für den Zivildienst führt auf seiner Internetseite mehr als 180 solcher Organisationen. Einer der größten Anbieter ist die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Berlin. Die Teilnehmer arbeiten in Einrichtungen von Kirchen und Gemeinden sowie in Stadtteilzentren. Sie betreuen Kinder, alte und behinderte Menschen. Rund 150 junge Männer sind jährlich in einem der 130 Projekte tätig.
Viele brechen den Dienst nach einigen Monaten ab - aus Heimweh oder wegen falscher Vorstellungen von Arbeit und Leben im fremden Land. "Bevor man diesen Schritt wagt, muss man sich gut informieren", rät daher Rüdiger Löhle vom Bundesamt für den Zivildienst, "das ist kein Abenteuerurlaub." Oft seien die Spielregeln im Gastland ganz anders als in Deutschland. Die Teilnehmer müssen sich fragen, ob sie körperlich und seelisch zu der Arbeit im Ausland in der Lage sind.
Willem Heins vom SFD achtet daher darauf, ob aus einer Bewerbung hervor geht, dass "das Vorhaben gut durchdacht ist". "Wir suchen Leute, die ernsthaft ehrenamtliche Arbeit leisten wollen, wo Hilfe gebraucht wird", sagt er. Die Ziele der Projektarbeit im Gastland dienten schließlich die Völkerverständigung und der Abbau von Vorurteilen. Wichtig sei es daher, sich mit anderen Denkweisen auseinander zu setzen. Kenntnisse der Landessprache sind für viele Projekte nötig, Erfahrungen in der Jugendarbeit wünschenswert.
Eigeninitiative ist gefragt
Mitunter müssen die Freiwilligen auch zur Finanzierung ihres Auslandsaufenthaltes beitragen. Der SFD etwa kann nur Reise- und Versicherungskosten tragen. Den Lebensunterhalt vor Ort etwa müssen die Freiwilligen teilweise selbst bestreiten. Je nach Land brauchen sie dafür zusätzlich zwischen 1500 und 3000 Mark, so Willem Heins. Das Geld wird durch Spenden und einen Förderkreis aufgebracht. Außerdem müssen die Freiwilligen den Dienst aktiv mitgestalten.
"Man sieht die Bedürfnisse vor Ort und versucht zu helfen", so Holger Zebner. Der Freiburger hatte dreizehn Monate in einer Schule im Nordwesten von Ghana gearbeitet. "Handwerkliche Grundkenntnisse sind daher nicht falsch", so der 21-Jährige.
Ben Schaffer und Holger Zebner hat der Dienst einiges gebracht. "Ich habe in Polen viel über mich selbst und den Umgang mit anderen Menschen gelernt", sagt Ben. Laut Rüdiger Löhle schätzen aber auch Arbeitgeber das Engagement der Dienstleistenden, die sich in einem ausländischen Projekt eingebracht haben. Allein auf Grund der Sprachkenntnisse setzen sie sich in Vorstellungsgesprächen von Kollegen ab, die einen Dienst in Deutschland geleistet haben. Schließlich seien gerade in globalen Unternehmen Eigeninitiative und Sprachkenntnisse heute gefragt, so Löhle.
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