Von Maximilian Popp
Allmählich hat sich Hans Peter Frey wieder daran gewöhnt, dass im Bett keine Kakerlaken krabbeln, dass das Telefon funktioniert und auf den Straßen Autos fahren. Doch fremd ist ihm seine alte Heimat immer noch. "Mit dem Kopf bin ich in Bolivien", sagt der Schwarzwäldler. Vor fünf Tagen ist er von seinem Auslandsdienst zurückgekehrt. Freunde und Familie haben ihn am Sonntag in Frankfurt am Flughafen empfangen. "Sie hatten deutsches Bier und Würstel dabei. Danach gab es eine Grillfeier", erzählt der 23-Jährige.
18 Monate arbeitete Hans Peter Frey als Zivi in Bolivien. Zur Bundeswehr wollte er nicht, Zivildienst in Deutschland war ihm nicht spannend genug, also entschied er sich fürs Ausland. "Ich wollte Menschen helfen, die diese Hilfe wirklich brauchen", sagt Frey.
Wie er denken viele Jugendliche. 900 Deutsche leisten derzeit den so genannten "Anderen Dienst im Ausland". Vor fünf Jahren waren es noch 1500. Die Zahl sei gesunken, weil heute insgesamt weniger junge Männer zum Wehr- oder Ersatzdienst verpflichtet würden, erklärt der Sprecher des Bundesamtes für Zivildienst, Rüdiger Löhle.
Als Alternative zum Bund oder Inlandszivi ist der "Andere Dienst" unvermindert attraktiv. Auf die rund 130 Trägerorganisationen kommen weit mehr Bewerber als Plätze. Wer sich nie ehrenamtlich engagiert hat und die Sprache des Wunschlandes nicht spricht, darf sich wenig Hoffnung machen, genommen zu werden.
Hans Peter Frey hatte sich bei zwei Organisationen beworben. Von "Eirene" kam schließlich die Zusage. Nach einem zweiwöchigen Vorbereitungsseminar in Deutschland flog er im September 2003 nach Bolivien. "Als ich dort ankam, war gerade Karneval", erzählt Frey. Die Lehrerin, bei der er Spanisch lernen sollte, hatte kaum Zeit. Und so dauerte der Sprachkurs zwei Wochen länger als geplant. "In Bolivien habe ich gelernt, dass man nicht immer alles so eng sehen muss. Dass Gelassenheit einem im Leben weiterbringt", so Frey.
Mit einem Euro am Tag auskommen
In Rorrenabaque arbeitete er an einer technischen Schule, die mittellosen Bolivianern Kurse in Englisch, Buchhaltung und Automechanik anbietet. Und ihnen so die Chance eröffnet, später einen Job zu finden. "Ich war Hansdampf in allen Gassen. Mal kümmerte ich mich um den Computer, mal gab ich Englischunterricht, mal half ich, das Dach zu reparieren", berichtet Frey von seiner Arbeit an der Schule. Die Mittel waren dabei immer knapp: "In Bolivien habe ich gelernt, dass man auch mit einem Euro am Tag auskommen kann."
Geld bekam der 23-Jährige für seine Tätigkeit keines. Seinen Aufenthalt musste er selbst bezahlen. Im Ausland gälten andere Bestimmungen als für "normale" Zivildienstleistende, erläutert Rüdiger Löhle. Die Trägerorganisationen könnten selbst entscheiden, ob und wie viel Gehalt sie ihren Mitarbeitern gewähren.
"Wer wirklich ins Ausland gehen will, sollte sich von den hohen Kosten nicht abhalten lassen", sagt Hans Peter Frey. Er selbst habe Kuchen verkauft, bei Freunden, Nachbarn und Verwandten gebettelt und selbst beim Rotary Club angefragt, um die Reise finanzieren zu können.
Bereut hat er seine Entscheidung bis heute nicht. Im Oktober will er internationale Betriebswirtschaftslehre in Furtwangen studieren. "Vielleicht kann ich mit meinen Erfahrungen später den Menschen in Südamerika helfen", so Frey.
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