SPIEGEL ONLINE: Du hast Semesterferien, deine Freunde sitzen wieder in der Schule. Ein gutes Gefühl?
Mirko Fillbrunn: Klar, das ist ganz nett, ich kann jetzt ausschlafen. Aber das gibt es ja auch umgekehrt: Wenn die Ferien haben, muss ich zur Uni.
SPIEGEL ONLINE: Was machst du mit 16 Jahren im Hörsaal der Duisburger Uni?
Mirko Fillbrunn: Mathe studieren, im dritten Semester. Und im Nebenfach Volkswirtschaftlehre. Ich habe insgesamt vier Klassen übersprungen, eine in der Grundschule, drei in der Gesamtschule. Dann habe ich mit 14 Abitur gemacht. Ein Lehrer hat mir geraten, das Mathestudium anzufangen.
SPIEGEL ONLINE: Und? Macht's denn Spaß?
Mirko Fillbrunn: Geht so. In der Schule war der Stoff total öde, das fand ich nie interessant. Im Studium ist alles viel genauer und komplizierter. Aber das Studium wird mit der Zeit auch langweilig. Mehr Spaß macht mein Nebenfach, aber das fängt jetzt eigentlich erst richtig an.
SPIEGEL ONLINE: Wann hast du gemerkt, dass du cleverer bist als die anderen?
Mirko Fillbrunn: In der Grundschule war ich immer der Schnellste, und irgendwann bin ich zu meiner Mutter gegangen und habe gesagt: Es ist so langweilig. Die hat dann mit meiner Lehrerin gesprochen, und ich habe eine Klasse übersprungen.
SPIEGEL ONLINE: Und danach noch drei weitere. Bleiben da nicht Freunde auf der Strecke?
Mirko Fillbrunn: Ich habe immer Freunde über den Sport kennengelernt. Und in jeder Klasse hatte ich ein paar Leute, mit denen ich was gemacht habe. In meinem Abiturjahrgang waren sie ja fünf Jahre älter als ich. Aber ich habe mich nie verstellt, warum auch. Wenn einer mit mir ein Problem hatte, hab ich eben nicht mit dem geredet. Aber ich war kein Freak. Die meisten sind gut mit mir klargekommen. Und jetzt mache ich viel mit den Leuten von der Uni. Mathe ist ein teambezogenes Fach, man braucht Leute, mit denen man die Übungsaufgaben durchsprechen kann.
SPIEGEL ONLINE: Gehst du mit auf Studentenpartys?
Mirko Fillbrunn: Das nun nicht, dafür ist der Altersunterschied zu groß. Aber ich wirke ein bisschen älter, als ich bin - und meine Freunde an der Uni sind jugendlich geblieben. Einige machen viel Sport, so wie ich, darüber unterhalten wir uns dann.
SPIEGEL ONLINE: Eine Freundin zu finden, könnte trotzdem schwierig werden...
Mirko Fillbrunn: Im Studium habe ich keine und werde auch keine haben, bis ich so alt bin wie andere Studenten. So ist das eben.
SPIEGEL ONLINE: Du wohnst noch zu Hause. Warum ziehst du nicht richtig studentisch ins Wohnheim?
Mirko Fillbrunn: Na ja, ich bin gerade erst 16. Und ziemlich faul, was Hausarbeit angeht. Eine WG wäre vielleicht gut. Aber das kann ich auch später noch machen. Außerdem müsste ich dann immer zum Badminton pendeln, statt zur Uni. Das kommt aufs Gleiche raus.
SPIEGEL ONLINE: Neben dem Studium betreibst du noch Leistungssport?
Mirko Fillbrunn: Ja. Ich gehöre in Deutschland zu den Top Drei in meiner Altersstufe im Einzel. Von Montag bis Donnerstag trainiere ich jeweils zwei bis vier Stunden. An diesen Tagen gehe ich auch in die Uni. Aber Training ist abends, das geht schon.
SPIEGEL ONLINE: Bist du ein Genie oder einfach schneller als andere?
Mirko Fillbrunn: Kommt drauf an. Wenn einer, der schneller lernt, ein Genie ist, dann bin ich wohl eins. Wenn ein Genie ein Buch nur sehen muss, um alles zu wissen, bin ich keins. Wenn ich nicht lerne, falle ich genauso auf die Schnauze wie andere. Aber ich kann effektiver lernen und habe ein besseres Zeitmanagement.
SPIEGEL ONLINE: Was haben eigentlich deine Eltern dazu gesagt, dass ihr Sohn so ein Überflieger ist?
Mirko Fillbrunn: Ach, die kannten das schon. Eine meiner Schwestern ist fünf Jahre älter als ich, die hat zwei Klassen übersprungen. Und mein Bruder ist anderthalb Jahre älter, der hat drei Klassen übersprungen. Mit dem habe ich in einem Jahrgang Abi gemacht, da war ich 14 und er 16. Dass ich so viele Klassen übersprungen habe, hat auch deswegen in der Schule nur wenige gewundert, weil die ja schon meine Geschwister kannten.
SPIEGEL ONLINE: In der Schule hattest du bestimmt nur Einsen auf dem Zeugnis...
Mirko Fillbrunn: Nein, ich habe Abitur mit 2,0 gemacht. In Latein waren sogar mal ein paar Sechsen dabei, da hatte ich wirklich keine Lust. Aber dann habe ich mich hingesetzt und doch noch das Latinum bekommen. Jetzt, in der Uni, bin ich auch nicht der Beste. Normal, Durchschnitt eben. In VWL bin ich meistens sicherer, das interessiert mich mehr. Bei einer Informatikklausur bin ich durchgefallen. Ich kann wohl mit Computern umgehen - aber programmieren, das geht gar nicht.
SPIEGEL ONLINE: Dein Vordiplom kannst du mit 16 machen. Wann willst du fertig sein?
Mirko Fillbrunn: Mit 19. In der Regelstudienzeit eben.
SPIEGEL ONLINE: Brennt man bei dem Tempo nicht irgendwann aus?
Mirko Fillbrunn: Was für ein Tempo? Neun Semester, das ist doch ganz normal. Danach will ich aber auf jeden Fall ein Jahr Pause machen, ins Ausland gehen. Auslandserfahrung soll ja gut sein. Ich möchte Amerika sehen, Chicago, L.A., New York. Oder nach Australien oder Neuseeland. Richtig weit weg.
SPIEGEL ONLINE: Wenn du dich nach dem Studium zum Beispiel auf Management-Posten bewirbst, bist du vielleicht 21 und mit Abstand der Jüngste. Hast du keine Angst vor Konkurrenz?
Mirko Fillbrunn: Ich mache Leistungssport, da muss man sich auch durchsetzen. Das kann ich. Ich habe keine Angst davor.
Das Interview führte Sönke Klug
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