Gleichzeitig sind es aber auch die Momente mit den Patienten, die meinen Job zu etwas Besonderem machen. Ich war vor kurzem mit in einer OP, da dachten wir im Vorfeld, die Patientin habe Lungenkrebs – und dann stellte sich raus, dass sich nur Gewebe entzündet hatte. So eine Nachricht zu übermitteln, diese Erleichterung zu erleben, das gibt mir Kraft.
Vier bis sechs Mal im Monat habe ich Nachtdienst. Das bedeutet, dass ich ab 16 Uhr mit allen chirurgischen Notfällen angepiepst werde und im Krankenhaus bleibe bis um 7 Uhr am nächsten Morgen. Meist wird es sogar 9 Uhr, weil ich ja noch an der Übergabebesprechung teilnehme.
Die Anspannung hält bei Nachtdiensten wach
Die Dienste sind wahnsinnig stressig. Um das auszuhalten brauche ich Koffein - und Adrenalin. Ich trinke tatsächlich Unmengen Kaffee, außerdem hält mich die enorme Anspannung wach. Wenn es eine Weile ruhig ist, kann ich mich im Dienstzimmer schlafen legen. Aber auch dann habe ich meinen Piepser immer am Ohr. Richtig erholsam ist der Schlaf deswegen nie.
Häufig hat man es nachts mit Blinddarm-Notfällen zu tun. Aber natürlich gibt es auch immer wieder Situationen, die einen besonders fordern. Direkt bei meinem zweiten Nachtdienst ist eine Frau bewusstlos eingeliefert worden, und ich musste sie reanimieren. Da war mein Adrenalin sofort unter der Schädeldecke. Ich war gerade zwei Monate im Job, wiederbelebt hatte ich bis dahin nur Puppen.
Letztlich denke ich, man macht in der Situation instinktiv alles richtig. Aber für die Frau kam unsere Hilfe trotzdem zu spät, sie ist leider verstorben. Das hat mich unheimlich lange beschäftigt. Wie wäre es gewesen, sie zu retten?
Wenn ich gar nicht mehr kann, spreche ich mit meinem Vater. Irgendwie habe ich das gute Gefühl, dass er versteht, wie das ist, wenn man Patienten quasi 'mit nach Hause nimmt'. Außerdem treibe ich nebenher viel Sport, auch das ist für mich ein wichtiger Ausgleich.
Für Privatleben bleibt wenig Zeit, auch, weil man einfach sehr erschlagen ist vom Job. Wenn ich abends nach Hause komme schaue ich oft bloß noch Fernsehen. Vor allem 'Grey's Anatomy' mag ich und finde meine Sorgen und Nöte als junge Assistenzärztin darin wieder - mal abgesehen davon, dass ich keine Affäre mit meinem Vorgesetzten habe."
Aufgezeichnet von Mara Braun
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